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Ehrengast Island auf der Buchmesse: Tod aus der Kälte

Krimis aus Island stechen aus dem Einheitsbrei durch ihre Vielschichtigkeit hervor. Die Buchhändlerinnen Hilde Gaußmüller und Jutta Wilkesmann sind echte Liebhaberinnen dieses Genres. Sie kennen sich aus im eisigen Wasser, mit Geisterfjorden und gekochten Schafsköpfen.

Eis und Kälte herrscht in den Titeln isländischer Krimis vor.
Eis und Kälte herrscht in den Titeln isländischer Krimis vor.
Foto: REUTERS

Das gefrorene Licht, Frostnacht, Kälteschlaf, Schneebraut – Fans von isländischen Krimis haben oft ein kleines Problem: Viele Titel sind sich zum Verwechseln ähnlich, denn sie wimmeln meist nur so von Eis und Kälte – oder aber von Runen und Geistern. Dass Bücher aus Island, dem diesjährigen Gastland der Buchmesse, trotzdem die Fantasie immens beflügeln, mussten nun Hilde Gaußmüller und Jutta Wilkesmann feststellen. Ehe sie sich versah, stand Wilkesmann, 64, im Schaufenster ihrer Frankfurter Krimi-Buchhandlung „Wendeltreppe“ und versuchte mit allen Tricks einen Mini-Wasserfall in Gang zu bringen, der vermutlich jeden Isländer zum Schmunzeln brächte – wegen seiner kläglichen Dimension. Ganz entgegen ihrer gewöhnlichen Hobbys hantierte die Krimi-Liebhaberin auf einmal mit Ton, aus dem sie kleine Trolle und Gnome knetete, die nun im Fenster nur darauf lauern, die erstbesten Kinder zu Tode erschrecken zu dürfen.

Ihr Kollegin Hilde Gaußmüller, die es sich mit einer langen Zigarette hinter ihrem Schreibtisch bequem gemacht hat, kann sich noch bestens an die Lesung mit Arnaldur Inðridason vor einigen Jahren erinnern, als er zumindest in Deutschland noch nicht als der Superstar der isländischen Kriminalliteratur wahrgenommen wurde. „Ich war beeindruckt, wie ausgereift die Handlung war, obwohl der Autor noch so jung war.“ Sein Buch „Todeshauch“ zählt seitdem auch zu Wilkesmanns Favoriten, „denn Arnaldur schafft es, am Ende Hoffnung zu geben, obwohl der Roman sehr düster ist“. Außerdem sei er einfach unglaublich nett gewesen. Gefragt nach isländischen Spezialitäten, habe er breit grinsend geantwortet: „Gekochte Schafsköpfe und mehrere Wochen eingegrabenes Haifleisch.“

Lesungen
Sigurðardóttir
Þórarinsson
Bertelsson
Wendeltreppe

Zur Frankfurter Buchmesse vom 12. bis 16. Oktober kommen zahlreiche isländische Krimi-Autoren: Þráinn Bertelsson, Arnaldur Inðridason, Viktor Arnar Ingólfsson, Ævar Örn Jósepsson, Yrsa Sigurðardóttir und Árni Þórarinsson. Hier gibt es einen Überblick über öffentliche Lesungen.

Yrsa Sigurðardóttir liest an diesem Samstag, 8. Oktober, aus „Geisterfjord“, Beginn 19.30 Uhr, Stadtbücherei, Frankfurt, Hasengasse 4. Die unheimliche Geschichte bekam den diesjährigen isländischen Krimi-Preis.

Árni Þórarinsson liest am Samstag, 15. Oktober, aus „Ein Herz so kalt“, Beginn 20 Uhr, Antiquariat Schutt, Frankfurt, Arnsburger Straße 76.

Þráinn Bertelsson, Autor gesellschaftskritischer Krimis, blickt am Sonntag, 16. Oktober, in seiner Autobiografie „Bertels Sohn“ zurück auf seine Kindertage im Südwesten Islands, die von Armut geprägt waren: 13.30 bis 14 Uhr, Frankfurt, Messegelände, Forum (Ebene 1), Ludwig-Erhard-Anlage 1.

Die Frankfurter Krimi-Buchhandlung Wendeltreppe, Brückenstraße 34, stellt jeden ersten Donnerstag im Monat um 20 Uhr Neuerscheinungen vor. Am 6. Oktober sind auch Island-Krimis dabei.

Für den deutschen Markt entdeckt hat Inðridason Claudia Müller, Cheflektorin von Bastei Lübbe. 2001 erschien mit „Todeshauch“ sein erstes Buch auf Deutsch. Die Auflage der Kommissar-Erlendur-Titel steigt seitdem beständig, der Verlag kann insgesamt ein halbe Million verkaufter Exemplare verbuchen. „Nordermoor“ sei mittlerweile in 40 Sprachen übersetzt und markiert zumindest in Deutschland die Geburtsstunde des Genres „Island-Krimi“, betont Müller.

Doch auch andere Autoren begeistern die Krimi-Fans Gaußmüller und Wilkesmann: „Möwengelächter“ von der Romanautorin Kristin M. Baldursdóttir – die Isländer, muss man dazu sagen, ziehen die Grenzen zwischen Literatur und Krimi nicht so eng. Ein außergewöhnliches Buch, weil das Island der 50er Jahre aus der Perspektive eines kleinen Mädchen geschildert werde, urteilt Wilkesmann. Nach der Lesung hätten noch lange Kunden gefragt, wann der Roman endlich auf Deutsch erscheine. „Geisterfjord“ von Yrsa Sigurðardóttir „ist dagegen so unheimlich gewesen, dass ich nachts mit dem Lesen aufhören musste.“

Zu sehr um Jäger und Machos wiederum geht es für Wilkesmanns Geschmack bei Viktor Arnar Ingólfsson. Spannend sei aber Quentin Bates’ Krimi „In eisigem Wasser“, weil der englische Autor zehn Jahre auf Island lebte und daher einen interessanten Blick von außen einnehme.

Buchmesse

Der Auftakt der Frankfurter Buchmesse ist in diesem Jahr der 12. Oktober. Bis zum Freitag, 14. Oktober, präsentieren sich die Aussteller ihrem Fachpublikum. Am Wochenende, 15. und 16. Oktober, öffnet die Messe dann auch für alle Privatbesucher.
Geöffnet ist die Buchmesse jeden Tag von 9 bis 18.30 Uhr, außer am Sonntag. An diesem letzten Messetag schließen die Hallen bereits um 17.30 Uhr.

Die Preise für Messebesucher bewegen sich zwischen zehn Euro pro Tageskarte (für Privatbesucher, ermäßigt mit RMV-Ticket) bis zu 40 Euro für Fachbesucher am Kassenverkauf. Für eine nichtermäßigte Tageskarte für Privatbesucher werden 15 Euro fällig.

Autor:  Franziska Schubert
Datum:  5 | 10 | 2011
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Messetage: Die Frankfurter Buchmesse ist von Mittwoch, 12., bis Freitag, 14. Oktober für das Fachpublikum geöffnet. Am Wochenende sind auch Privatbesucher willkommen.

Öffnungszeiten: 9 bis 18.30 Uhr (Sonntag nur bis 17.30 Uhr).

Preise: zwischen zehn Euro für eine Tageskarte (Privatbesucher, ermäßigt mit RMV-Ticket) bis zu 40 Euro für Fachbesucher am Kassenverkauf. Für eine nichtermäßigte Tageskarte für Privatbesucher sind 15 Euro fällig.

Veranstaltungen

Die Frankfurter Rundschau finden Sie auf der Buchmesse in Halle 3.0, Stand E170. Wir bieten tägliche Autorengespräche - und sind immer um 13 Uhr zu Gast im Lesezelt. Rufen Sie hier unser komplettes Programm im PDF-Format ab.

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