Hollywood-Regisseur Roland Emmerich leistet mit seinem neuen Film „Anonymus“ einen Beitrag zur Debatte um den mysteriösen Schriftsteller Shakespeare. „Irgendwo gibt es mit dem Mann aus Stratford ein Problem“, beschrieb er am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse das Ergebnis seiner langjährigen Recherchen. „Sonst würde man ja nicht fünfzig Kandidaten für die tatsächlichen Autoren erfinden.“ In „Anonymus“ (Kinostart 10. November) geht Emmerich davon aus, dass in Wirklichkeit der Earl of Oxford - Edward De Vere - die Werke Shakespeares verfasst hat.
„Mir war bewusst, dass der Film Diskussionen auslöst. Kunst soll provozieren“, sagte der deutsche Filmemacher bei der Präsentation des Films. Emmerich fordert von den Verfechtern der Shakespeare-Urheberschaft mehr Offenheit. „Sie haben den Fehler gemacht, nicht anzuerkennen, dass die Beweise, die es gibt, sehr dünn sind“, meinte der Regisseur und schilderte seinen wenig schmeichelhaften Eindruck von maßgeblichen Wissenschaftlern: „In ihren Büchern spürt man eine große Frustration, wie wenig man über den Mann weiß.“
Viel wichtiger als die historischen Thesen sei ihm aber der Film selbst: „Zuallererst wollte ich eine spannende Geschichte erzählen“, sagte Emmerich. Nach einer Diskussion mit dem Regisseur zeigte Literaturkritiker Hellmuth Karasek Verständnis für die Diskussionen um Shakespeare: „Es gibt 5.000 Veröffentlichungen, dass Shakespeares Werke nicht von ihm selbst sind. Wir sollten uns aber nicht wundern, dass wir uns über Shakespeare wundern“, meinte er mit Blick auf die Einzigkeit der Sprache und Vielfalt der Shakespeare-Werke.
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