Jedes Kind ist ein Künstler. Diese Behauptung – in freier Abwandlung eines Satzes von Joseph Beuys – ist nicht nur kühn. Sie ist auch wahr. Kinder wisen nichts vom Kunstbetrieb und dessen Launen, nichts von Stilen, Genres, von Farbgesetzen, Formbrüchen, Kompositionen, Perspektiven. Sie malen einfach drauflos, nehmen Knete oder Ton und gestalten, intuitiv, aber auch nach der Anschauung – ihrer – Anschauung der Welt.
Wie kostbar sind diese kleinen Kunstwerke, unverbildet, frei. Niemals wieder wird man als Erwachsener so ein Bild, solch ein Gebilde zustande bringen. Weil man sich nicht mehr traut, weil man inzwischen eingeklemmt ist von der Perfektionssucht der Welt. Und der hilfloseste, armseligste Spruch ist wohl der, wenn Leute sagen: Ich verstehe nichts von Kunst. Darum soll es hier um Kunst-Bücher für Kinder gehen, in denen es von Gegenrezepten des vermeintlichen Nicht-mehr-Könnens nur so wimmelt. Es sind Bücher voller Bilder und Geschichten von und über Kunst und Künstler. Michelle Cuevas, eine Amerikanerin, hat das Buch „Columbus und der malende Elefant“ geschrieben. Und sie hat viele Seiten ihrer unglaublichen und urkomischen Story von einem verlassenen Kind, das auf dem Rücken eines ausgemusterten Zirkuselefanten aufwächst, von dem norddeutschen Zeichner Jens Rassmus genauso urkomisch illustrieren lassen. Am Ende der Weltreise dieser merkwürdigen Symbiose siegen: erstens die Liebe und zweitens die Kunst. Der traurige Elefant, der sich mit Malen über sein Schicksal tröstet, wird berühmt und sein kleiner Freund finden die große Liebe. Ein Happy End, das auch erwachsene Leser seufzen lässt.
Michelle Cuevas: Columbus und der malende Elefant. C. Dressler, Hamburg. Ab 8 Jahren. 114 Seiten, 13,95 Euro.
Doris Kutschbach: Mein großes Buch der Kunst. Prestel, München. 19,99 Euro.
Silke Vry/ Hans Baltzer (Ill.): Mit Pinsel und Palette. Große Maler und ihr Werk. Gerstenberg, Hildesheim. Ab 10 Jahren. 144 Seiten, 24,95 Euro.
„Mit Pinsel & Palette“ von Silke Vry (Text) und Hans Baltzer (Illustration) berichtet von großen Malern und ihrem Werk, von der Renaissance bis zur Moderne, von Albrecht Dürer bis zu Andy Warhol. Natürlich ist in diesem Buch viel zu erfahren, was man sich merken sollte, etwa über das Menschenbild in den Jahrhunderten und über das Licht, ohne das vor allem die Impressionisten nie hätten so malen können. Aber das Unterhaltende kommt überhaupt nicht zu kurz. Ein herrlich großes Spiel beginnt, wer sich Doris Kutschbachs „Mein großes Buch der Kunst“ vertieft. Darin geht es um das lustige „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Mit Riesenspaß errät und deutet der junge Leser Details in Bildern von Malern aus allen Erdteilen in einer ägyptischen Zeichen-Tafel, im Bild vom Palast eines indischen Maharadschas, in den burlesken Bauernbilder des Holländers Breughel und den Piktogammen eines amerikanischen U-Bahn-Sprayers. Die Kunst ist so unerschöpflich vielfältig wie die Welt.
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Messetage: Die Frankfurter Buchmesse ist von Mittwoch, 12., bis Freitag, 14. Oktober für das Fachpublikum geöffnet. Am Wochenende sind auch Privatbesucher willkommen.
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