Die alljährliche Ruhestörung nimmt unbeirrbar ihren Verlauf, natürlich, Sie wissen, was ich meine: die Frankfurter Buchmesse. Toll, prima, Trommelwirbel. Breite Füße, lange Nächte, viel Gerede. Manchmal auch sinnvolle Gespräche. Die sind dann das Alibi für uns alle, die wir Geldbeutel und Gesundheit ruinieren, um beim großen Rodeo ums Buch dabei zu sein.
Für mich ist es in diesem Jahr die 30. Frankfurter Buchmesse, an der ich teilnehme. Seit Anfang der 1980er Jahre hat sie sich natürlich massiv verändert. Sie ist größer geworden, sie ist lauter geworden. Sympathischer ist sie nicht unbedingt geworden. Überraschendes entdecken, das war für mich früher ganz wichtig. Heute halte ich es wie die allermeisten Kollegen: Mein Terminkalender füllt sich spätestens ab Juni, ich weiß genau, was meine Gesprächspartner von mir wollen und was ich von ihnen will – Überraschungen kämen da eher ungelegen. Oder noch deutlicher: Wenn ich Überraschendes finden würde, das für mich wirklich wichtig ist, hätte ich das Jahr über meine Hausaufgaben nicht gut gemacht.
Wir hören in diesem Jahr viel über Elektronik. Für meinen Geschmack zu viel. Verstehen Sie mich bitte richtig: Ich halte die Entwicklung des Buchmarkts in diese Richtung für gut und wichtig. Ich lese gerne und häufig auf meinem eBook-Lesegerät – Fachtexte und vor allem Krimis. Ich habe allerdings einen Abwehrreflex, wenn mir jemand einreden will, dass nur dieser oder jener Weg die Zukunft bedeutet.
Wenn ich dann in diesem Jahr gefühlte siebenhundertsiebenunddreißig Einladungen bekomme zu den immer gleichen Seminaren und Konferenzen und Präsentationen, die sich irgendwie mit dem Vermarkten des drei Zentimeter nach links verschobenen Einschaltknopfs befassen, wenn mir erzählt wird, dass man jetzt mit Autoherstellern kooperiert, weil das ja irgendwie auch zur Zukunft gehört, wenn ich höre, dass alles irgendwie „Game“ ist– dann empfinde ich diesen unverdauten Infobrei irgendwann nur noch als Belästigung und verbringe meine Zeit lieber beim Bratwurstgespräch mit einem Verleger von den Malediven.
Nun ja, die Messe nimmt ihren Lauf, am Sonntagabend werden wir die Messe in Frankfurt „abklatschen“ und uns zum Pflegen der wunden Füße und zum Nachholen von Schlaf zurückziehen. Die Zeiten sind vorbei, in denen der Besuch in Frankfurt genügte, um das ganze Jahr über davon zu zehren.
Aber wir kommen im nächsten Jahr dann doch alle wieder zurück, zu breiten Füßen, langen Nächten und viel Gerede.
Holger Ehling, der frühere Sprecher der Frankfurter Buchmesse, ist Autor und Literaturveranstalter
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Messetage: Die Frankfurter Buchmesse ist von Mittwoch, 12., bis Freitag, 14. Oktober für das Fachpublikum geöffnet. Am Wochenende sind auch Privatbesucher willkommen.
Öffnungszeiten: 9 bis 18.30 Uhr (Sonntag nur bis 17.30 Uhr).
Preise: zwischen zehn Euro für eine Tageskarte (Privatbesucher, ermäßigt mit RMV-Ticket) bis zu 40 Euro für Fachbesucher am Kassenverkauf. Für eine nichtermäßigte Tageskarte für Privatbesucher sind 15 Euro fällig.
Die Frankfurter Rundschau finden Sie auf der Buchmesse in Halle 3.0, Stand E170. Wir bieten tägliche Autorengespräche - und sind immer um 13 Uhr zu Gast im Lesezelt. Rufen Sie hier unser komplettes Programm im PDF-Format ab.