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Nationalsozialismus: Er war sicher, das Lager lebend zu verlassen

Leopold Engleitner hat das Konzentrationslager Buchenwald überlebt und ist 106 Jahre alt geworden. Auf der Buchmesse erzählte er über sein Leben.

Sein Lebensmut spricht aus seinem Blick: Leopold Engleitner.
Sein Lebensmut spricht aus seinem Blick: Leopold Engleitner.
Foto: dapd
Frankfurt –  

Das Sprechen fällt Leopold Engleitner inzwischen schwer. Auch laufen kann der 106-Jährige nicht mehr. Er muss in seinem Rollstuhl zum Rednerpodium auf der Frankfurter Buchmesse geschoben werden. Dennoch ist es dem früheren KZ-Häftling nach wie vor ein Anliegen, als Zeitzeuge den Menschen von seinem Leben zu berichten. Nach Recherchen seines Biografen Bernhard Rammerstorfer ist der Österreicher der älteste männliche KZ-Überlebende weltweit.

Engleitners Leben, über das der alte Mann in der überarbeiteten Neuauflage seiner Memoiren „Ungebrochener Wille“ erzählt, ist geprägt von den großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Zwei Weltkriege und drei Konzentrationslager der Nationalsozialisten hat er überlebt.

Nie wieder Krieg

Nach dem Ersten Weltkrieg machte Engleitner den Ausspruch „Nie wieder Krieg!“ zu seinem Lebensmotto, von dem er später auch unter Todesandrohungen nicht mehr abwich. Der Bauernsohn aus Oberösterreich beschäftigte sich intensiv mit der Bibel und trat den „Bibelforschern“ bei, wie sich die Religionsgemeinschaft „Zeugen Jehovas“ damals noch nannte.
Seine religiöse Überzeugung und seine Weigerung, Kriegsdienst zu leisten, brachten ihn nach der Okkupation Österreichs durch die Nationalsozialisten in Bedrängnis. 1939 wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht, zwei weitere KZ-Inhaftierungen folgten. Engleitner wurde schwer misshandelt, musste Zwangsarbeit leisten, magerte ab. „Ich wog nur noch 28 Kilogramm“, berichtet er.

Das KZ Buchenwald

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Den Qualen hätte Engleitner mit einer einzigen Unterschrift entkommen können. Wenn er unterzeichne, dass er seinen religiösen Überzeugungen abschwöre, sei er ein freier Mann, eröffnete ihm eines Tages ein SS-Mann. „Das kam für mich nicht in Frage“, sagt Engleitner. Dennoch war er sich sicher, eines Tages das Lager lebend zu verlassen. So sicher, dass er auf dem Lagermarkt, wo der Besitz verstorbener Häftlinge verkauft wurde, einen Koffer für seine Heimreise erwarb.

Keine Zeit zum Sterben

Im Juli 1943 war es soweit: Gegen die Verpflichtung, für den Rest seines Lebens in der Landwirtschaft zu arbeiten, wurde er entlassen. Ausgestanden waren Engleitners Nöte jedoch noch immer nicht. Im April 1945 erhielt der Kriegsdienstverweigerer erneut einen Einberufungsbefehl. Er flüchtete ins Gebirge und versteckte sich vor den nach ihm ausgesandten Suchtrupps in einer Almhütte und einer Höhle.
In den vergangenen Jahren hat Engleitner Vortragsreisen in zahlreiche Länder unternommen und über seinen Lebensweg berichtet. Dreimal bereiste er sein Lieblingsland USA, zuletzt 2006 im Alter von 101 Jahren. 2009 stellte er seine auch ins Englische, Französische und Russische übersetzte Biografie in Moskau vor. Auch einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Nein statt Ja und Amen“ wurde über ihn gedreht. Jüngst hat er sich an einem Projekt beteiligt, in dem NS-Überlebende einen umfassenden Fragenkatalog von Schülern beantwortet haben. „Zum Sterben habe ich keine Zeit“, sagt der 106-Jährige schmunzelnd.

Autor:  dapd
Datum:  14 | 10 | 2011
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