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11. Oktober 2012

Neue Medien für Kinder: Kitzelige Prinzessin

 Von Von Falk Ruckes
Ronja Wiedeking präsentiert die Kinderbuch-Apps.  Foto: Peter Jülich

Lesen mit allen Sinnen: Kinder und Jugendliteratur ist Schwerpunkt bei der Buchmesse. Gedrucktes besteht neben multimedialen Angeboten, unterrichtet wird in 3D und Fantasy ist nicht mehr so gefragt.

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Der ist sooo weich!“, quiekt das kleine Mädchen vergnügt, als es kräftig auf dem Kopf der Fingerpuppe herum drückt, der aus der Mitte des Kinderbuches „Mein Regenbogenfisch“ herausragt. Nur mit Mühe kann ihre Mutter sie von der begehrten Lektüre losreißen und sie dazu bewegen, endlich zum nächsten Stand weiterzugehen: „Wenn wir daheim sind, kaufen wir dir das.“, versichert sie etwas angestrengt.

Die Szene auf der Buchmesse beweist, dass auch in Zeiten von E-Book, Smartphone und App das Buch aus Papier nichts von seinem Zauber verloren hat. „Trotz der digitalen Revolution werden gedruckte Kinderbücher bleiben“, ist sich Ronja Wiedeking von pikcha.tv sicher. „Gedruckte Bücher kann ich sehen, riechen und fühlen. Die Haptik ist nicht zu ersetzen. Es hat eine eigene Wertigkeit, dass alle Sinne angesprochen werden.“

Pikcha.tv bietet verschiedene digitale Lösungen für Kinderbuch-Verlage an, wie beispielsweise eine App, die es möglich macht, Bilderbuchfilme vom „kleinen Raben Socke“ oder „Käpt'n Sharky“ auf einem Tablet-PC anzusehen. Doch das Unternehmen versteht sich genau wie vergleichbare Anbieter nicht als Konkurrent des gedruckten Buches: „Eine App setzt bei einem bekannten Buch an, aber ersetzt es nicht - sondern vertieft es.“

So zum Beispiel in der App zum träumerischen Kinderbuch „Die große Wörterfabrik“. Während die Druckfassung die Geschichte einer Welt erzählt, in der Wörter nur gegen teueres Geld gekauft werden können, müssen Kinder in der App-version selber Wörter in einem Buchstabensalat finden und daraus eigene kleine Texte zusammensetzen.

Auch bei anderen Verlagen tummeln sich altbekannte Romanfiguren in neuen virtuellen Welten. Am Stand der Oetinger Verlagsgruppe können an der Tablet-Station Abenteuer mit Pippi Langstrumpf erlebt werden und bei Carlsen wird mit „Pip und Posy“ Memory gespielt oder es werden per Fingerdruck Puzzles zusammengesetzt. Doch auch die E-Book-Version bekannter Bilderbücher bietet mehr als schnödes Blättern: Hier funkelt das Sonnenlicht, das durchs Schlossfenster fällt, dem User als glitzernde Animation ätherisch entgegen. Die Königstochter zappelt aufgeregt umher, wenn das Tablet berührt wird, so als würde sie ordentlich durchgekitzelt. Und der Piratenbande von Tigerbooks kann zugeschaut werden, wie sie in See sticht.

Neben den kleinen Animationen sind Soundeffekte ein weiteres Gimmick der Kinder-E-Books: Wer beispielsweise zur Seite im Märchenwald blättert, hört Vogelgezwitscher, wenn er die Amsel antippt, die auf einem Ast sitzt. Auch kann sich das Kind aussuchen, ob es gerne den Text selber liest oder ihn sich vom Tablet vorlesen lässt. Sogar die Stimme der vorlesenden Mama läßt sich aufnehmen und immer wieder abspielen.

„Eigentlich sind das alles keine neuen Sachen. Es gab schon vorher Hörspiele, Computerspiele und Zeichentrickfilme. Apps und E-Books sind lediglich eine mediale Konzentration“, sagt Martina Lenhardt von Zuuka, einem weiteren Anbieter digitaler Lösungen für Kinderbücher.
Der Kampf zwischen gedruckten Buchstaben und virtuellem Text scheint vorüber. Auch die internationalen Verleger betonen bei Diskussionsrunden, dass es keine „Competition“, also keinen Wettbewerb zwischen den Branchen gebe. „Die Verlage haben verstanden, dass App und E-Book Kinder spielerisch zum Lesen animieren können.“, so Lenhardt.

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