Sie zanken. Und nehmen dabei kein Blatt vor den Mund, vor allem Lea, die Felix vorwirft: „Du denkst immer nur an dich.“ Konkret heißt das: „Und beim Fußball gibst du nicht ab und bei Partys gehst du immer, wenn aufgeräumt wird, und wenn du von dem Wolf erzählst, dann redest du eigentlich nur von dir.“ Sie zanken um Grundsätzliches, nämlich darum, ob einen als Teenager die ganze Welt kümmert oder nur die eigene, kleine.
Leas Vortrag ist programmatisch nicht nur für „Wolfsnacht“, sondern für das ganze jugendliterarische Werk des Autorenpaares Robert Habeck und Andrea Paluch. In „Jagd auf den Falken“ kämpften Lea und Felix um das Überleben des geschützten Vogels. Im „Turm ohne Türen“ geht es um eine verbotene Liebe im Dreißigjährigen Krieg und ebenfalls recht politisch zu. Auch „Unter dem Gully liegt das Meer“, eine Liebesgeschichte unter Globalisierungsgegnern in Heiligendamm, und „Zwei Wege im Sommer“, das 2007 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert war, sind der Überzeugung entsprungen, dass politisches Engagement und spannende Lektüre zusammengehen können.
Es funktioniert. „Wolfsnacht“, das ursprünglich der erste Teil einer Trilogie um Lea und Felix werden sollte, ist vor allem: spannend. Felix begegnet dem wilden Tier, als er für die Geburtstagsschnitzeljagd seiner kleinen Schwester Marzipanschweine im Wald verstecken will. Aus Angst vor dem Wolf wird, angetrieben von Leas Überzeugungsarbeit, Angst vor der Tötung des seltenen Gastes. Denn Anwohner, Bauern und die Polizei, sie alle wollen dem Wolf ans Fell. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, durch die Ämter, durchs Internet und immer wieder raus in den Wald. Dass die Geschichte nicht in einer reinen Anleitung zur Bildung eines grünen Gewissens mündet – Robert Habeck ist seit 2004 Fraktionsvorsitzender der Grünen in Schleswig-Holstein – ist der schlichten, frischen Sprache zu verdanken, in der ganz nebenbei auch alle anderen Themen des jugendlichen Alltags angesprochen werden: die Schule Eltern und Geschwister. Kumpel und Markenfahrräder. Und natürlich verwirrte Gefühle: Felix und Lea ringen ja nicht nur um den Wolf, sondern auch umeinander.
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