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Welten im Wandel: Multimedial denken

Die Bücherwelt bricht wie das Universum des Automobils zu neuen Grenzen, neuen Welten auf. Gemeinsam präsentieren sich Bücher und Autos unter dem Motto "Driven by ideas".

        

Christopher P. Baker liest aus seiner Installation.
Christopher P. Baker liest aus seiner Installation.
Foto: Reuters

Manche Gäste wähnen sich in einer Zeitfalte. „Audi – Vorsprung durch Technik“ heißt es an der weißen Außenhülle des großen blasenförmigen Raumschiffs, das auf der Agora, dem „Marktplatz“ des Frankfurter Messegeländes, niedergegangen ist. Aber gehört die Internationale Automobilausstellung nicht längst der Vergangenheit an – sollte nicht die Frankfurter Buchmesse eröffnet werden? Keine Sorge. Vor der Kulisse glänzend polierter PS-Riesen – der neue Q3 2.0 TDI quattro ist aufgefahren – sitzen dann doch noch vertraute Gestalten. Zum Beispiel Juergen Boos, der Direktor der Buchmesse, der freudestrahlend vom neuen Partner aus Ingolstadt berichtet: „Audi und die Buchmesse sind einander im Januar vorgestellt worden – und wir haben ähnliche Anforderungen an Unternehmens-Kultur-Techniken.“

Während die Besucher noch rätseln, welche das sein könnten, gibt Boos das „Stichwort“ des Tages vor: „Aufbruch“. Die Bücherwelt bricht wie das Universum des Automobils zu neuen Grenzen, neuen Welten auf. „Ich werde gefragt: Warum stoßt ihr das Alte über den Haufen?“, berichtet der Direktor. Und gibt gleich selbst die Antwort: „Wir haben keine andere Wahl.“

Eintritt und Anreise

Von Mittwoch, 12. Oktober, bis Samstag, 15. Oktober, ist die Buchmesse täglich von 9 bis 18.30 Uhr geöffnet, am Sonntag, 16. Oktober, von 9 bis 17.30 Uhr. Von Mittwoch bis Freitag haben allerdings nur Fachbesucher Zutritt, erst am Wochenende ist das Gelände für die Allgemeinheit zugänglich.

Die Tageskarte für Privatbesucher kostet 15 Euro, das Wochenend-Ticket für Samstag und Sonntag 21 Euro. Die Fachbesucher-Tageskarte kostet 40 Euro.

Für eine leichte und bequeme Anreise zur Frankfurter Buchmesse empfiehlt die Stadt Busse und Bahnen. Das Messegelände mit dem Eingang City am Messeturm erreicht man am schnellsten mit der U-Bahn-Linie 4 (Station Festhalle/Messe). Während der Buchmesse bietet die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) die Linie U 4 mit zusätzlichen Wagen an. Auch die Straßenbahn-Linien 16 und 17 sowie die Busse 32 und 50 bedienen die Haltestelle Festhalle/Messe. Zum Eingang Torhaus des Messegeländes fahren die S-Bahn-Linien S3, S4, S5 und S6 (Station Messe). Für Messebesucher, die vom Rhein-Main-Flughafen kommen, fährt ab Dienstag, 11. Oktober, eine Express-Bus-Sonderlinie vom Flughafen zum Messegelände und wieder zurück.

In den USA zum Beispiel werden schon „50 Prozent der Liebesromane auf dem iPad gelesen.“ Die Büchermenschen, sagt der Manager, „müssen multimedial denken“.

Doch jetzt kommt ein beliebtes Spiel zur Aufführung, das Boos bei den Eröffnungs-Pressekonferenzen seit Jahren mit Gottfried Honnefelder, dem Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, aufführt. Boos gibt den „good guy“, Honnefelder eindeutig den Bösen. Er verrät: „60 Prozent aller elektronischen E-Books werden illegal heruntergeladen.“ Das beunruhige die Buchbranche sehr. Die Politik aber tue nichts dagegen, „bemerkenswerterweise“. Diese Einstellung nennt der Vorsteher „katastrophal“ und prophezeit ein „ernsthaftes Problem des Urheberrechts“.

Während Boos und Honnefelder sich die Bälle zuspielen, kämpfen die Techniker im Inneren des hochmodernen Raumschiffs mit eher banalen Problemen. Es gelingt ihnen nicht, trotz verdrossener Appelle des Vorstehers, („Ich seh ja gar nichts“) den Saal vollständig zu beleuchten. Über die Hälfte der internationalen Journalisten-Schar hockt schlicht im Dunkeln. Honnefelder erzählt ins Schwarze hinein von einem Zukunftstreffen vor zwei Wochen in Frankfurt, bei dem 150 Verleger und Buchhändler sich die Zukunft der Branche im Jahr 2025 ausmalten.

Die seltsam ambivalente Prognose des Vorstehers: Im stationären Buchhandel werde „gut die Hälfte des Umsatzes“ gehalten. Mit einer schweren, dunklen Limousine seines Hauses rollt Peter Schwarzenbauer, Vorstand Marketing und Vertrieb von Audi, bis vor den Eingang der weißen Blase. Er beruhigt die Büchermenschen gleich: „Wir wollen ihnen kein Auto verkaufen.“ Aber auch in der automobilen Welt stehe ein „grundlegender Paradigmen-Wandel“ an.

Schwarzenbauer entwirft vor dem Publikum das Fahrzeug der Zukunft. Es sichere sich selbstständig einen Parkplatz, es navigiere autonom und wandele sich „zum Lebens-. und Arbeitsraum“. Auf die Windschutzscheibe lassen sich „unterschiedliche Realitäten projizieren.“ Da schauen sich die Buchaffinen im dunklen Saal doch erschrocken an: Im Auto leben?

Wie schön, dass Juergen Boos versucht, dem Wandel die Spitze zu nehmen: „Das Neue ist nicht zwangsläufig das Bessere, es ist erst einmal nur das Neue“. In Ray Bradburys Buch „Fahrenheit 451“ über eine Welt, in der Lesen und Bücher verboten sind, treffen sich die Menschen am Ende illegal im Wald: Jeder von ihnen vermag ein komplettes Buch zu erzählen.

Auf der Frankfurter Buchmesse mit ihren 7400 Ausstellern haben die 280.000 Besucher, die bis Sonntag erwartet werden, noch die Möglichkeit, ganz real und ausgiebig in Zehntausenden von Neuerscheinungen zu blättern. 2200 Veranstaltungen wenden sich explizit an ein breites Publikum, außerhalb des Messegeländes warten in Stadt und Region weitere 450 Literatur-„Events“.

Boos zitiert denn auch Ray Bradburys Appell und fordert die Büchermenschen auf: „Starrt Euch die Augen aus dem Kopf.“ Draußen, vor dem Saal, reihen Antiquare im blendend weißen Ambiente gerade wunderschöne alte Bände auf ihren Regalen. Hier, in der mobilen Bubble, gefällt es ihnen: „Es ist warm und trocken“. An der Wand leuchtet die neue gemeinsame Parole von Auto und Buch: „Driven by ideas“.

Autor:  Claus-Jürgen Göpfert
Datum:  12 | 10 | 2011
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Messetage: Die Frankfurter Buchmesse ist von Mittwoch, 12., bis Freitag, 14. Oktober für das Fachpublikum geöffnet. Am Wochenende sind auch Privatbesucher willkommen.

Öffnungszeiten: 9 bis 18.30 Uhr (Sonntag nur bis 17.30 Uhr).

Preise: zwischen zehn Euro für eine Tageskarte (Privatbesucher, ermäßigt mit RMV-Ticket) bis zu 40 Euro für Fachbesucher am Kassenverkauf. Für eine nichtermäßigte Tageskarte für Privatbesucher sind 15 Euro fällig.

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