Manchmal bringen Leser einen Sachverhalt genauer auf den Punkt als Marktforscher in großen Konzepten. Es ist Herbst 2010, die Frankfurter Rundschau seit einigen Wochen als erste deutsche Tageszeitung mit einer ambitionierten Umsetzung auf dem iPad abrufbar. Über die begeisterten Kritiken in den Medien und von anderen Kunden im Apple-Store sei er auf die digitale FR aufmerksam geworden, schreibt ein Leser unserem Tablet-Team.
Er habe die App auf sein Gerät geladen, ausprobiert – und sei begeistert, wie die Frankfurter Rundschau die Stärken des iPads journalistisch nutze. Nach zwei, drei Wochen wird dann der Blick frei für weitere Dinge – und die Feststellung: "Eure Texte sind ja auch nicht schlecht!"
Die schreibenden Kolleginnen und Kollegen verwirrt eine solche Reaktion naturgemäß zunächst. Denn sie zeigt: Auf dem Tablet zählt nicht der kluge Gedanke allein. Es kommt ebenfalls darauf an, wie verpackt er daher kommt.
Die preisgekrönte FR-App bekommen Sie im Abonnement als Paket mit unserem E-Paper oder im Einzelverkauf im App-Store und bei Google Play.
Das muss nichts mit Effekthascherei zu tun haben. Wer auf dem Tablet-Computer das Beste aus der Frankfurter Rundschau liest, darf sich zurücklehnen, blättern und genießen: Die Titelseite, die ein Thema grafisch illustriert. Die großformatigen Bilder des Tages, die in einer außergewöhnlichen Schärfe und Farbintensität daherkommen – und daher besonders dynamisch und emotional wirken.
Mehrere Texte zu einem Thema bündeln wir in einem Dossier, das wir multimedial aufarbeiten. Wir illustrieren mit Fotosammlungen. Geht’s um eine Künstlerin, sehen Sie ihr jüngstes Video. Vielleicht liest Ihnen ein Kommentator der Rundschau seinen Leitartikel vor – oder Sie hören Ausschnitte aus Interviews im Originalgespräch. Große Infografiken werden interaktiv. Antworten auf wichtige Fragen zu einem Thema lassen sich Schritt für Schritt auf einer liebevoll gestalteten Seite abrufen. Eine Aufbereitung, die also ankommt bei unseren digitalen Lesern.
Nach dem ersten Schock darüber, dass noch etwas anderes als der gute Text wichtig wird, sehen auch unsere Autoren schnell einen wichtigen Aspekt: Mit unserer Tablet-Ausgabe gewinnen wir Leser – und zwar in den meisten Fällen solche, die bisher mit der Frankfurter Rundschau wenig zu tun hatten, die sie in vielen Fällen sogar noch nie auf Papier gelesen haben. Dafür spricht neben den Rückmeldungen der Leser auch, dass nur ein geringer Anteil der App-Abonnenten regelmäßig die Zeitung im Briefkasten hat.
Die FR-App bietet mehr als Zeitungstexte auf dem Tablet-Computer. Was genau, das möchten wir Ihnen zeigen am Beispiel unserer Ausgabe vom 4. Oktober. Titelthema: Die Angst vor der Rente.
Das heißt: Die FR, ihre Autoren und deren engagierte Meinungen dringen über die App zu Lesern vor, die wir bisher nicht erreichen konnten. Diese Frauen und Männer sind zehn Jahre jünger als unsere Zeitungskäufer und schätzen teure Produkte, etwa Reisen. Dass diese Leser Woche für Woche erkennbar mehr werden, ist eine Entwicklung, die inzwischen alle bei der Frankfurter Rundschau als sehr ermutigend empfinden – sowohl journalistisch als auch ökonomisch betrachtet.
Fachleute aus der Branche sehen das ähnlich. Vor einigen Tagen wurde die FR-App zum dritten Mal in Folge mit dem European Newspaper Award ausgezeichnet – das ist so etwas wie der europäische Zeitungs-Oscar. Im Jahr unserer Premiere hatten wir einen der begehrten Hauptpreise – als einzige Zeitung überhaupt aus Deutschland.
Im Sommer wurde unsere Tablet-Ausgabe als erste App einer Zeitung für den Grimme Online Award nominiert – die zentrale Auszeichnung der Online-Welt. Und seit dieser Woche stehen wir im iMonitor, einer Aufstellung aus den USA der 9000 besten Magazin-Apps, in der Gruppe der Zweitbesten weltweit.
Unsere Anwendung steht zwischen gedruckter Zeitung und Internet; sie bietet die Multimedialität des Webs, kombiniert mit der Qualität eines ruhigen Zeitungstextes im anspruchsvollen Stil eines Magazins.
Erstellt wird die Tablet-Ausgabe in der Digitalen Redaktion der Frankfurter Rundschau. Es ist das gleiche Team, das auch hinter der Webseite FR-Online.de steht. Im Internet präsentieren wir nicht nur die letzten Nachrichten. Wir ergänzen schnelle Texte zur aktuellen Lage mit eigenen Beiträgen unseres Autorenteams, das oft einen anderen Blickwinkel ansetzt als die Zeitung. Und das, wichtiger Punkt, deutlich früher arbeitet als die Kollegen im Print.
Denn Online haben wir die meisten Besucher am Morgen, nachdem unserer Leser zuhause oder im Büro ihren Rechner gestartet haben, und am Mittag – für den Infocheck vor der Pause. Um zu den Hauptzeiten gut dazustehen, sitzen die ersten Kollegen bei uns um sechs Uhr in der Redaktion.
Seit einigen Monaten überarbeiten wir das Layout unseres Webangebots fortlaufend. Hier haben wir noch viele Ideen, vor allem was das Regionale betrifft. Unseren Lesern scheinen auch hier die Änderungen zu gefallen: Die Zahl der Besucher und Besuche von FR-Online ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen.
Die Besatzungsmacht steht am Anfang. Zu den Aufgaben, die sich die Alliierten nach dem Sieg über den Nationalsozialismus setzen, gehört die Gründung freier Zeitungen mit demokratisch gesinnten Redakteuren im Nachkriegsdeutschland. Im April 1945 bereits gibt das US-Militär die Frankfurter Neuesten Nachrichten heraus. Die Blätter in der amerikanischen Zone werden von einer Agentur des US-Militärs mit Nachrichten beliefert, den German News Services, die in Bad Nauheim ihren Sitz hat.
„Die Frankfurter Rundschau muss eine Zukunft haben. Das ist wichtig für unsere Stadt, wichtig für die Meinungsvielfalt in Frankfurt und der Republik und wichtig für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Verlages. Der Insolvenzantrag darf jedenfalls nicht das letzte Wort sein.
Die FR hat mich mein Leben lang begleitet. Sie hat eine große publizistische Tradition, die Frankfurt und das ganze Land geprägt hat. Sie war die zweite deutsche Tageszeitung nach dem Zweiten Weltkrieg und zählte über Jahrzehnte zu den bundesweit meinungsbildenden Organen.
Schon deshalb muss alles unternommen werden, um einem neuen Investor den Einstieg zu ermöglichen. Ich freue mich über die große Resonanz bei den Frankfurtern, den vielen Abonnenten und den vielen anderen Menschen aus dem ganzen Land. Der Schock und die Bestürzung über die Insolvenz-Nachricht waren nachvollziehbar. Gefreut haben mich aber die vielen Solidarerklärungen bis heute.
Die Rundschau erfährt gerade große Unterstützung. Dieser Rückenwind muss genutzt werden, um eine wetterfeste neue Zukunft für die FR aufzubauen.“
Peter Feldmann ist Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main
Foto: dapdDie Frankfurter Rundschau stellt einen Insolvenz-Antrag - die Zeitung erscheint weiter. Das Spezial.

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."
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