Wenn man es genau nimmt, wäre Costantino Gianfrancesco ohne Sascha Roßmüller vielleicht nie so weit gekommen: Hätte nicht mehr als fünf Jahre im Asta-Vorstand gesessen, wäre nicht Sprecher der Hochschulgruppe der Grünen geworden und nicht Hauptorganisator einer Demonstration, die unter dem Motto „Occupy Frankfurt“ 10.000 Menschen gegen die Macht der Finanzmärkte auf die Straße lockte.
Und vielleicht hätte der 36-Jährige ohne Sascha Roßmüller auch nicht vor knapp zwei Wochen die Gruppe „Rettet die Frankfurter Rundschau“ auf Facebook gegründet. Innerhalb kürzester Zeit traten ihr mehr als 600 Mitglieder bei. „Die Rundschau ist für Frankfurt und überregional unersetzbar. Ich wollte etwas tun“, begründet er die Aktion.
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Foto: Andreas ArnoldOb sich Sascha Roßmüller, heute NPD-Bundesvorstandsmitglied, über ein Dankeschön des Politikstudenten freuen würde, ist zu jedoch bezweifeln. Beide Männer besuchten zwar dasselbe Gymnasium im bayrischen Straubing. „Sascha war ein ganz normaler Typ, eine Klasse über mir“, erinnert sich Gianfrancesco. Man kannte sich, man grüßte sich.
Bis zu jenem Tag, an dem Sascha sich eine neue Frisur zulegte. Statt kurzen Haaren und Sneakers trug er nun Glatze und Springerstiefel. „Sascha begann Leute um sich zu scharen, die so aussahen wie er“, sagt Gianfrancesco.
Die vielen kleinen Saschas irritierten den damals 15-Jährigen. Auf der Suche nach Erklärungen landete er bei der Antifa. „Ich hatte zwar keine Ahnung, was die genau redeten“, gibt er zu. Aber: Sie engagierten sich gegen Rechtsradikale. Und das reichte ihm. Von diesem Tag an hatte auch Costantino Gianfrancesco, der Junge mit dem dunkelbraunen Lockenschopf und dem bayrischen Dialekt, einen neuen Kleidungsstil: T-Shirts, auf denen ein durchgestrichenes Hakenkreuz prangte.
Die braunen Locken trägt er noch immer, der bayrische Dialekt hingegen ist gemeinsam mit den T-Shirts verschwunden. Heute blickt Gianfrancesco auf 20 Jahre politische Erfahrung zurück.
Nach dem Abitur 1998 zog er nach München und begann eine Lehre zum Hotelfachmann. Dort wurde er in der Gewerkschaft aktiv. 2000 entsendete die ihn per Stipendium der „Akademie der Arbeit“ nach Frankfurt. Im Anschluss daran schrieb er sich an der Goethe-Universität ein. Gerade macht er seinen Abschluss zum Diplom-Politologen. „Seit Jahren fehlen mir zwei Scheine. Aber ich hatte anderes zu tun“, sagt er und lächelt.
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Die Frankfurter Rundschau stellt einen Insolvenz-Antrag - die Zeitung erscheint weiter. Das Spezial.

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