Frankfurter Rundschau
Die Frankfurter Rundschau stellt den Insolvenz-Antrag - die Zeitung erscheint weiter

03. Dezember 2012

FR-Insolvenzverwalter: Verkaufsgespräche auf Hochtouren

Rechtsanwalt Frank Schmitt ist überzeugt davon, dass sich die FR gewinnbringend betreiben lässt. Foto: Andreas Arnold

FR-Insolvenzverwalter Frank Schmitt verhandelt mit wirtschaftlich starken Interessenten an der Frankfurter Rundschau, sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Seine Einschätzungen im Interview.

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Frankfurt a.M. –  

Herr Schmitt, am 13. November wurde der Insolvenzantrag für die Frankfurter Rundschau gestellt. Wie beurteilen Sie heute die Chancen, dass die Zeitung weiterarbeiten kann?

Frank Schmitt: Zunächst einmal: Es gibt die Zeitung noch! Sie erscheint weiterhin täglich mit einem vollständigen redaktionellen Angebot in unverändert hoher Qualität. Das ist eine gute Nachricht. Das sehen ja offensichtlich auch Ihre Leser so, da die Verkaufszahlen kräftig gestiegen sind. Ich rufe deshalb auch die Anzeigenkunden auf: Halten Sie der Frankfurter Rundschau die Stange. Schalten Sie weiter Anzeigen. Die werden nämlich jetzt von mehr Lesern gesehen als zuvor. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ja, es besteht durchaus Grund zur Hoffnung.

Es soll inzwischen mehrere Interessenten geben, die an einer Weiterführung der Zeitung interessiert sind. Können Sie dazu etwas sagen?

Richtig, das Interesse von Investoren am Verlag ist groß. Dabei handelt es sich um ernsthafte und wirtschaftlich starke Kaufinteressenten, sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Tatsächlich laufen die Verkaufsgespräche bereits auf Hochtouren. Bitte haben Sie aber Verständnis dafür, dass ich Ihnen keine Namen oder andere Informationen zu den Bietern geben kann. Investoren sind ein scheues Wild, das sofort verschwindet, wenn zu früh Details in die Öffentlichkeit geraten.

In welchem Zeitraum könnte eine Entscheidung über die Zukunft fallen?

Zur Person

Der Frankfurter Rechtsanwalt Frank Schmitt ist vom Insolvenzgericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Frankfurter Rundschau bestellt worden. Der 47-Jährige gehört der Kanzlei Schultze&Braun an.

Das Unternehmen ist aus einer Steuerberatungs-Kanzlei hervorgegangen, die der Rechtsanwalt Fritz Beck im Jahre 1949 im baden-württembergischen Achern gegründet hatte. 1975 wurde der Name Schultze&Braun begründet. Die Anwaltssozietät verfügte damals über nur zwanzig Mitarbeiter. Es war die erste interdisziplinäre Sozietät von Rechtsanwälten und Steuerberatern in Deutschland. Heute ist daraus der Unternehmensverbund Schultze&Braun mit 600 Mitarbeitern geworden.

Keine andere auf Insolvenzrecht ausgerichtete Kanzlei in Deutschland beschäftigt mehr Spezialisten und wird häufiger zum Insolvenzberater berufen als Schultze&Braun. Das Unternehmen ist weltweit tätig.

Um die Frankfurter Rundschau und ihre Zukunft kümmert sich neben Frank Schmitt ein Team von bis zu zwölf Spezialisten. Schultze&Braun hat mittlerweile 35 Niederlassungen in Deutschland und Vertretungen unter anderem in Straßburg, seit 2006 in London und seit dem Jahre 2010 auch in Paris.

Neben dem Insolvenzrecht gehören auch Steuerberatung, Rechts- und Sanierungsberatung zu den Aufgaben der Fachleute.

Die Zeit drängt. Das bedeutet, dass die Verkaufsverhandlungen bis spätestens Ende Dezember abgeschlossen sein sollten. Das ist ambitioniert, aber machbar, wenn die Investoren sich schnell genug entscheiden.

Ist es möglich, dass die Frankfurter Rundschau dann künftig nur noch in einer Online-Ausgabe erscheint? Oder zielen Sie in jedem Fall auf die Weiterführung einer Print-Ausgabe?

Mein erstes Ziel ist es, die Zeitung als Ganzes zu verkaufen, also auch die Print-Ausgabe zu erhalten. Letztendlich entscheidet das aber der Markt. Wenn sich kein Käufer für die Print-Ausgabe findet, müssen wir auch über einen Einzel-Verkauf der Online-Ausgabe nachdenken. Aber soweit sind wir noch lange nicht.

Wie beurteilen Sie überhaupt die Chancen für Tageszeitungen als Print-Ausgaben in der Bundesrepublik Deutschland?

Ich bin Insolvenzverwalter, kein Prophet. Aber als Insolvenzverwalter weiß ich eines ganz genau: Ein Unternehmen muss profitabel sein, um überleben zu können. Und es muss sich ständig anpassen, um auch profitabel zu bleiben. Ich glaube schon, dass klassische Zeitungen noch auf Jahrzehnte hinaus eine Existenzberechtigung haben. Sie müssen sich aber den Markt schon jetzt mit anderen Medienarten teilen, und dieser Wettbewerb wird auch weiter zunehmen. Wenn eine Zeitung also weiter profitabel arbeiten will, muss sie sich dem Markt anpassen und nach zusätzlichen Einnahmequellen suchen, die in Reichweite ihrer Kernkompetenzen liegen. Wenn ein Investor die Frankfurter Rundschau übernimmt, wird er genau hier ansetzen, er findet aber auch eine gute Grundlage vor. fr-online.de ist ein gut eingeführtes Medienportal. Und die „App“ der Frankfurter Rundschau ist im Vergleich zu denen der Konkurrenz sehr weit verbreitet.

Es gibt eine große Solidarität der Leserinnen und Leser mit ihrer Frankfurter Rundschau. Mehr als 1700 Solidaritäts-Abonnements sind bereits abgeschlossen worden, auch Solidaritäts-Anzeigen sind eingegangen. Hat Sie das überrascht?

Ich bin von so viel Unterstützung und Solidarität auf jeden Fall begeistert. Es ist beeindruckend, wie stark die Zeitung in Hessen und in ihrer bundesweiten Leserschaft verwurzelt ist. Eine Zeitung, die eine so treue Klientel hat, lohnt jeden Kampf für ihren Erhalt.

Wie beurteilen Sie die Stellung der Frankfurter Rundschau in der Stadt und in der Region? Es gibt ja hier Zehntausende von Abonnenten ...

Die Frankfurter Rundschau nimmt in der hessischen und bundesweiten Zeitungslandschaft eine Schlüsselrolle ein. Wenn sie vom Markt verschwände, entstünde eine echte Lücke. Und ich bin überzeugt, dass sich eine solche Zeitung mit einem klaren Profil und dem richtigen Konzept durchaus gewinnbringend betreiben lässt. Insofern ist die Zeitung für Investoren ein lohnendes Kaufobjekt.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

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