Die Sache mit der Rundschau hat Bernadette Weyland nicht ruhen lassen. Schon am Donnerstag in der Sitzung des Stadtparlaments zeigte sich „Frankfurts erste Bürgerin“ sehr besorgt über eine drohende Insolvenz des Blattes. Am Freitag handelte die Stadtverordnetenvorsteherin. „Die Rundschau als Frankfurter Traditionsblatt muss unbedingt erhalten bleiben“, heißt es in einem Aufruf der CDU-Politikerin.
Die 55-jährige erfahrene Bankkauffrau, die in internationalen Kanzleien etwa in Afrika gearbeitet hat, kennt sich aus mit wirtschaftlichen Zusammenhängen. Sie repräsentiert den liberalen, weltoffenen Teil der Frankfurter CDU.

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Für sie ist klar, dass die FR „als bundesweit anerkanntes Medienorgan mit seiner langjährigen publizistischen Tradition“ die Medienlandschaft der Stadt bereichert. Also hat die Stadtverordnetenvorsteherin ein „eigenes, zusätzliches“ Abonnement für die Zeitung abgeschlossen. Und die Frankfurterinnen und Frankfurter aufgerufen, es ihr gleichzutun: „Nach dem Motto ,Frankfurter (für die) Rundschau‘ kann jeder von uns seinen Beitrag leisten.“
Weyland steht nicht alleine. Die Redaktion und die Belegschaft der Frankfurter Rundschau dürfen sich über eine Welle von Solidarität freuen, die ihresgleichen sucht. Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) zeigt ebenso seine Betroffenheit wie Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU). Der frühere Bürgermeister Hans-Jürgen Moog (CDU) richtet seine guten Wünsche aus für das Weiterbestehen der Zeitung.
In der Landeshauptstadt Wiesbaden hat die frühere Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), an ihre Parteifreunde appelliert, die Rundschau zu unterstützen.
Der Wiesbadener SPD-Stadtverordnete und Gewerkschaftssekretär der IG Bau, Veit Wilhelmy, hat einen weiteren Aufruf zur Unterstützung der FR formuliert. „Die FR mit der journalistisch hochwertigen Arbeit im
Medienmarkt mit ihren Arbeitsplätzen muss erhalten bleiben“, heißt es da. Dafür gebe es viele Gründe. Auch Wilhelmy ruft dazu auf, ein Abonnement der Zeitung zu erwerben. Den ganzen Tag über erreichen die Redaktion der Frankfurter Rundschau Anrufe und Mails, die ihre Solidarität mit der Belegschaft ausdrücken.
Das Plenum der Sozialpolitischen Offensive, hinter der Kirchen und Gewerkschafter stehen, hat „mit Sorge“ auf den Insolvenzantrag des Druck- und Verlagshauses Frankfurt reagiert. Gerade mit Blick auf die qualifizierte Berichterstattung über sozialpolitische Themen sei die Frankfurter Rundschau unverzichtbarer Bestandteil der Frankfurter und der bundesdeutschen Medienlandschaft.
Das Ende der Zeitung würde „einer weiteren Medienkonzentration Vorschub leisten und die Meinungsvielfalt auf dem Zeitungsmarkt in Deutschland spürbar verengen“. Die Sozialpolitische Offensive erklärt sich mit den Beschäftigten der FR solidarisch und fordert „die Verantwortlichen“ auf, alles zu tun, damit die FR eine Zukunft habe und die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter gesichert werden kann.
Die Fraktion der Linken im Römer sieht in dem Insolvenzantrag „ein eklatantes Beispiel für unternehmerisches Versagen“. Jetzt müsse die Erhaltung der Arbeitsplätze Priorität haben.
Das Verschwinden der Frankfurter Rundschau vom Markt hätte verheerende Folgen für die Medienlandschaft, urteilte die Fraktionsvorsitzende der Linken, Dominike Pauli. Die FR habe zu einer differenzierten Meinungsbildung in der Stadt beigetragen.
Die FR ist eine bedeutsame medienpolitische Institution, weit über Frankfurt hinaus erkennbar und wirksam. Eigentlich undenkbar, dass sie nicht mehr von Frankfurt aus über die Republik und darüber hinaus erscheinen könnte. Es ginge damit ein beträchtlicher Teil der Frankfurter Gesamt-Sphäre verloren. Im Rahmen seiner Möglichkeit würde der Club Voltaire die Einrichtung einer Genossenschaft als künftige FR-Trägerschaft – wie bereits von zahlreichen Zuschriften vorgeschlagen – kräftig unterstützen.
Der Vorstand des Club Voltaire, Frankfurt
Die Frankfurter Rundschau stellt einen Insolvenz-Antrag - die Zeitung erscheint weiter. Das Spezial.

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."
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