Etwas mehr als eine Woche ist vergangen, seit der Insolvenzantrag für die Frankfurter Rundschau gestellt wurde. Bei Insolvenzverwalter Frank Schmitt herrscht schon nach dieser kurzen Zeit Optimismus. Der Fachmann ist „sehr zuversichtlich“, eine Lösung zum Fortbestand und zur Sanierung der Zeitung finden zu können. Die Zeitung erscheint ganz normal weiter.
Die Solidaritäts-Abonnements der FR, die es erst seit dem Wochenende gibt, sind ein großer Erfolg. Bis zum Mittwochnachmittag hatten schon 750 Leserinnen und Leser neue Abos abgeschlossen, die Zahl steigt weiter.
Auch der Einzelverkauf der Zeitung wächst: Er hat um 20 Prozent zugenommen.
Beim Solidaritätsabo bestellen die Leserinnen und Leser die Zeitung für drei Monate.
Damit unterstützen sie die Zeitung und helfen, die Auflage zu stabilisieren. Das Abonnement, das monatlich bezahlt wird, kostet den normalen Preis von 37,75 Euro pro Monat beziehungsweise 36,55 Euro in Hessen. Zu bestellen auf www.fr-abo.de
Ein Sympathie-Spezial erscheint am Samstag, 1. Dezember. Auf den Seiten berichten wir über die aktuelle Situation der Frankfurter Rundschau, blicken auf unsere 67-jährige Geschichte zurück und beleuchten die Zukunft unserer Zeitung.
Schmitt und sein Team führen Gespräche mit mehreren potenziellen Investoren, die überlegen, bei der FR und ihrer Druckerei wirtschaftlich einzusteigen. Ziel der Verhandlungen ist eine sogenannte „übertragende Sanierung“.
Dabei würde der Investor die Aktiva des Unternehmens kaufen, Verbindlichkeiten aber nicht übernehmen. Der Insolvenzverwalter hat für den Verlag und die Druckerei der FR in Neu-Isenburg einen detaillierten Liquiditätsplan erstellt. Die Gespräche zeigten, dass noch immer Interesse an Print-Titeln vorhanden sei, sagte der Rechtsanwalt.
Ohnehin wandele sich das Verhältnis zwischen Print- und Online-Auftritt: Immer mehr Medien führten auch im Internet eine Bezahlschranke ein. Es werde deutlich, dass hochwertig produzierte journalistische Inhalte eben Geld kosteten und auch bezahlt werden müssten.
„Das kann man langfristig nicht alles kostenlos zur Verfügung stellen, das müssen dann auch die Leser verstehen“, so der Insolvenzverwalter.
Bisher gebe es keinen Online-Auftritt in Deutschland, mit dem Verlage gutes Geld verdienten. Ein Vorteil der FR sei ihr App-Angebot, das im Vergleich zu dem der Konkurrenz sehr weit verbreitet sei.
Die Geschäftsleitung und die Redaktion erreicht jeden Tag eine Flut von Briefen und E-Mails, in denen die Leserinnen und Leser sowie Institutionen des öffentlichen Lebens ihre Solidarität und Unterstützung bekunden. Schmitt betonte die „sehr gute Zusammenarbeit“ mit Geschäftsleitung, Mitarbeitern und Betriebsrat der FR. Die Beschäftigten seien „sehr motiviert“. Niemand gebe auf.
Als Hauptprobleme, die zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Zeitung führten, nannte der Rechtsanwalt den in Deutschland massiv eingebrochenen Anzeigenmarkt, insbesondere bei den Stellenanzeigen. Außerdem seien die Aufträge der Kunden wie etwa Axel Springer und Verlagsgruppe Handelsblatt für die Druckerei zurückgegangen.
Auf ihn blicken am Dienstag, 13. November, die Mitarbeiter der FR genauso wie viele TV-Kameras: Karlheinz Kroke berichtet von seinem Gang zum Frankfurter Amtsgericht. Er ist Geschäftsführer des Druck- und Verlagshauses, das die FR herausgibt.
Foto: dpaDie FR ist eine bedeutsame medienpolitische Institution, weit über Frankfurt hinaus erkennbar und wirksam. Eigentlich undenkbar, dass sie nicht mehr von Frankfurt aus über die Republik und darüber hinaus erscheinen könnte. Es ginge damit ein beträchtlicher Teil der Frankfurter Gesamt-Sphäre verloren. Im Rahmen seiner Möglichkeit würde der Club Voltaire die Einrichtung einer Genossenschaft als künftige FR-Trägerschaft – wie bereits von zahlreichen Zuschriften vorgeschlagen – kräftig unterstützen.
Der Vorstand des Club Voltaire, Frankfurt
Die Frankfurter Rundschau stellt einen Insolvenz-Antrag - die Zeitung erscheint weiter. Das Spezial.

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."
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