Frankfurter Rundschau
Die Frankfurter Rundschau stellt den Insolvenz-Antrag - die Zeitung erscheint weiter

31. Januar 2013

Frankfurter Rundschau Insolvenz: Die FR erscheint weiter

Insolvenzverwalter Frank Schmitt in der FR. Foto: Alex Kraus

Auch im Februar wird die Frankfurter Rundschau jeden Tag am Kiosk für ihre Leser bereitliegen. Die Verhandlungen mit potenziellen Käufern dauern an. Im Gesamtbetrieb der FR droht der Verlust von 400 Arbeitsplätzen.

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Auch im Februar wird die Frankfurter Rundschau jeden Tag am Kiosk für ihre Leser bereitliegen. Die Verhandlungen mit potenziellen Käufern dauern an. Im Gesamtbetrieb der FR droht der Verlust von 400 Arbeitsplätzen.

So voll wie an diesem Mittag ist es im Forum der „Frankfurter Rundschau“ am Karl-Gerold-Platz lange nicht gewesen. Mindestens 300 der 500 Mitarbeiter sind in Sachsenhausen zur Betriebsversammlung gekommen. Sie alle wollen wissen, wie es mit dem Druck- und Verlagshaus weitergeht. Nach zwei Stunden sind die Botschaften klar: Für die Redaktion gibt es sehr gute Chancen auf Rettung.

Schlecht sind die Perspektiven aber für die Kolleginnen und Kollegen in der Druckerei in Neu-Isenburg und in der Verwaltung in Frankfurt. Unter dem Strich bedeutet das: Fast alle Mitarbeiter in der Druckerei und im Verlag könnten ihre Arbeit verlieren − rund 400. Entsprechend groß ist die Betroffenheit bei den Druckern, aber auch den Angestellten der Verwaltung. Gerade von den Mitarbeitern aus Neu-Isenburg gibt es empörte Zwischenrufe. Viele bedrückte Mienen sind zu sehen.

Insolvenzverwalter Frank Schmitt macht deutlich: Die FR wird auch den gesamten Februar über erscheinen. Die Zeitung wird so lange in jedem Fall in der gewohnten Form und im gewohnten Umfang erscheinen. Es gibt zur Zeit zwei Interessenten für einen Kauf, mit denen die Gespräche weitergehen.

Ein seriöser deutscher Interessent

Doch lediglich ein deutscher Investor, der freilich nur an der Weiterführung der Redaktion interessiert ist, wird von Schmitt als seriös angesehen. Die Angebote eines türkischen Verlegers zur Übernahme des Druck- und Verlagshauses nennt der Rechtsanwalt „wesentlich zu niedrig“ und „in keiner Weise überzeugend“.

Kommt es zu einer Einigung mit dem deutschen Investor, würde der Betrieb vermutlich zum 1. März in dessen Hände übergehen.

Niemand aus der Belegschaft wird derzeit freigestellt oder entlassen. Die Druckerei in Neu-Isenburg soll in jedem Fall noch bis April weiterarbeiten.

Da aber Springer den großen Druckauftrag für eine Teilauflage der „Bild“-Zeitung gekündigt hat und es keinen Ersatz gibt, droht Ende April das Aus für den Druckbetrieb.
Für alle Beschäftigten aus der Druckerei und der Verwaltung der FR, die ihre Arbeit verlieren, stellt der Insolvenzverwalter eine Transfergesellschaft in Aussicht. Sie soll sechs Monate bestehen. In dieser Zeit bekommen die Betroffenen das sogenannte Transfer-Kurzarbeitergeld – und sie sollen die Gelegenheit erhalten, sich weiterzuqualifizieren, um möglichst schnell wieder eine Arbeit zu bekommen. Am Abend zuvor, das gibt der Rechtsanwalt bekannt, haben die beiden FR-Hauptgesellschafter M. DuMont Schauberg und die SPD-eigene ddvg zugesagt, für diese Transfergesellschaft Geld zur Verfügung zu stellen.

Der Geschäftsführer des Druck- und Verlagshauses, Karlheinz Kroke, dankt allen Beschäftigten für ihr ungebrochenes Engagement seit dem Insolvenzantrag am 13. November. „Wir haben uns professionell präsentiert“, urteilt er.

"Das allergrößte Nebelfeld"

Doch den ersten Beifall der Versammlung bekommt der Betriebsratsvorsitzende Marcel Bathis. Auch er bedankt sich dafür, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dieser schwierigen Zeit durchgehalten haben. Er beklagt aber auch „das allergrößte Nebelfeld“, in dem sich der Betriebsrat bewegen müsse. Bathis fordert, dass die Transfergesellschaft für alle, die ihre Arbeit verlieren, zwölf Monate bestehen sollte.

Scharf kritisiert der Betriebsrat die „Hartleibigkeit“ der beiden Gesellschafter mds und ddvg. Beide weigerten sich, zusätzlich zur Transfergesellschaft Geld für einen Sozialplan und Abfindungen zu mobilisieren. Der Betriebsrat war zu Gesprächen mit mds nach Köln und auch zu einem Treffen mit dem SPD-Bundesvorsitzenden Siegmar Gabriel in Berlin gefahren.

Wenn es tatsächlich zum Aus für die Druckerei in Neu-Isenburg kommt, wollen die Drucker sich „mit einer großen Feier“ verabschieden. Da setzt es großen Applaus. Auf den Insolvenzverwalter und sein Team kommen anschließend viele Fragen aus der Versammlung zu. Während draußen vor der Tür schon die Journalisten und Journalistinnen der anderen Medien auf die ersten Interviews warten. (fr)

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