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Frankfurter Rundschau
Die Frankfurter Rundschau stellt den Insolvenz-Antrag - die Zeitung erscheint weiter

14. November 2012

Interview mit Insolvenzverwalter: Die Zeitung erscheint weiter

Im Newsroom der Frankfurter Rundschau.Foto: Alex Kraus

Wie geht es weiter mit der FR? Viele Solidaritätsadressen treffen ein. Insolvenzverwalter Frank Schmitt erklärt im Interview, wie sein Team versucht, das Blatt und die Arbeitsplätze zu erhalten. Seine Empfehlung: Die Leute sollen die FR kaufen und Anzeigen schalten.

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Herr Schmitt, lassen Sie uns über die Zukunft der Frankfurter Rundschau sprechen. Es ist der Eindruck erweckt worden, als sei es vorbei und die Zeitung würde nicht mehr erscheinen.

Dieser Eindruck ist falsch. Unser Team hat jetzt gerade erst mit der Arbeit begonnen. Etwa ein Dutzend Fachleute geht jetzt der Frage nach, ob und wie eine wirtschaftliche Sanierung des Druck- und Verlagshauses möglich ist. Die Frankfurter Rundschau erscheint weiter. Währenddessen läuft ein „großes Brainstorming“, ob und wie wir das Produkt Frankfurter Rundschau neu aufstellen können. Wir sammeln Ideen, kein Vorschlag ist tabu.

Der Geschäftsbetrieb geht weiter?

Ja, ganz normal. Die Zeitung erscheint weiter, die Druckerei in Neu-Isenburg arbeitet weiter. Die aktuell beauftragten Dienstleister werden aus den verwalteten Massemitteln bezahlt. Das ist die Voraussetzung dafür, um überhaupt über die Sanierung des Hauses nachdenken zu können. Wir sind dabei in der ersten Phase: Wir prüfen die Zahlen und erstellen einen Liquiditätsplan.

Was können die Leserinnen und Leser jetzt tun, um der Frankfurter Rundschau zu helfen?

Das Wichtigste ist: Weiterhin an den Kiosk gehen und die Frankfurter Rundschau kaufen und Anzeigen schalten. Alles, was aktuell zum Umsatz beiträgt, ist hilfreich.

Was bedeutet der Begriff vorläufiger Insolvenzverwalter?

Ich bin als vorläufiger Insolvenzverwalter der Geschäftsführung des Druck- und Verlagshauses zur Seite gestellt. Die Geschäftsführung bleibt aber im Amt. Bei Entscheidungen, die Geld kosten, muss sie allerdings mit uns Rücksprache halten. „Vorläufig“ bedeutet, dass wir uns jetzt zunächst in einem Vorverfahren befinden. Es ist ja noch kein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Das wird leider in der Öffentlichkeit immer wieder durcheinandergebracht. Es gab nur den Insolvenzantrag der Geschäftsführung des Druck- und Verlagshauses, daraufhin wurde ich vom Insolvenzgericht bestellt.

Und Ihr Auftrag ist jetzt, die Lage des Druck- und Verlagshauses zu beurteilen?

Ganz genau. Wir erstellen jetzt für das Insolvenzgericht ein Gutachten über die wirtschaftliche Situation und gehen der Frage nach, wie das Unternehmen in diese Lage gekommen ist. Außerdem müssen wir klären, ob die Kosten des Insolvenzverfahrens gedeckt sind. Erst wenn das der Fall ist, kann das Verfahren eröffnet werden. Das verlangt der Gesetzgeber.

Wann fällt eine Entscheidung?

Wir erstellen im Rahmen des gerichtlichen Gutachtens jetzt eine Übersicht, in der die aktuellen Vermögenswerte des Verlagshauses aufgelistet werden, dies vom Fahrzeug bis zum Computer etc. Sie können davon ausgehen, dass ich dieses Gutachten im Hinblick auf den Insolvenzgeldzeitraum spätestens Ende Januar beim Insolvenzgericht einreichen werde. Ein Insolvenzverfahren könnte möglicherweise dann am 1. Februar 2013 eröffnet werden. Die Entscheidung hierüber trifft die zuständige Insolvenzrichterin.

Ein wichtiger Teil Ihrer Aufgabe ist ja, zu überlegen, wie man den Betrieb fortführen kann.

Der übliche Weg ist, einen Investor zu finden, der die Vermögenswerte aus der Masse herauskauft. Von den Verbindlichkeiten ist dieser Investor frei, diese verbleiben bei der Insolvenzmasse. Als Insolvenzverwalter kann ich mich auf Basis der Insolvenzordnung auch von vielen Verträgen lösen, von denen sich die Geschäftsführung nicht lösen konnte. Anders herum: Ein Investor übernimmt grundsätzlich nicht die Vertragsverhältnisse der Schuldnerin. Das ist hilfreich.

Frank Schmitt, Rechtsanwalt aus Frankfurt, ist zum vorläufigen Insolvenzverwalter der FR bestellt worden. Er gehört der Kanzlei Schultze&Braun an.
Frank Schmitt, Rechtsanwalt aus Frankfurt, ist zum vorläufigen Insolvenzverwalter der FR bestellt worden. Er gehört der Kanzlei Schultze&Braun an.
Foto: Andreas Arnold

Sie versuchen auch, die Arbeitsplätze zu erhalten, das ist der Sinn des Verfahrens?

Der Sinn des Insolvenzverfahrens ist nach der Insolvenzordnung in erster Linie die Befriedigung der Gläubiger. Das erreichen wir aber häufig am besten dadurch, das wir den Geschäftsbetrieb weiterführen. Wenn ein Investor einsteigt, übernimmt er in der Regel auch die Arbeitsplätze.

Wer sind die Gläubiger? Es wird in manchen Berichten behauptet, die Zeitung sei überschuldet.

Reaktionen

Über Facebook erreichen uns zahlreiche Kommentare zum Insolvenzantrag der FR. Eine Soli-Aktion wurde hier initiiert.

Wir wüssten aktuell nicht, dass die Zeitung überschuldet ist. Der Antrag auf Insolvenz ist gestellt worden wegen einer drohenden Zahlungsunfähigkeit im Jahre 2013. Es ist absehbar aufgrund der Verluste, dass in der Zukunft Geld fehlen wird. Beide Gesellschafter, Neven Dumont und DDVG, haben der Geschäftsleitung nicht signalisiert, weiteres Geld zur Verfügung zu stellen.

Wenn es zu einem Arbeitsplatzabbau käme, dann über einen Sozialplan?

Das können wir bisher noch nicht sagen, weil wir die vorhandenen Mittel und das sich weiter ergebende Szenario noch nicht überschauen können. Wir sind ja erst seit Dienstagmittag überhaupt bei Ihnen im Unternehmen. Aber die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und den Gewerkschaften ist sehr gut und vertrauensvoll. Derartige Themen betreffen einen Interessenausgleich, und einen Insolvenzplan werden wir konstruktiv mit diesen Gesprächspartnern abstimmen. Wir werden im Weiteren aber natürlich mit beiden Gesellschaftern reden, inwieweit sie uns hier in Zukunft noch unterstützen werden. Es gab von beiden Seiten eine finanzielle Zusage der Gesellschaft gegenüber, die noch nicht ausgeschöpft ist.

Das Interview führten Arnd Festerling und Claus-Jürgen Göpfert

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