Frankreichs Fußballerinnen warfen sich übereinander, sie jubelten und sie herzten sich. Das Publikum feierte das Team mit stehendem Applaus für ein wundervolles Fußballspiel: Mit 4:0 (1:0) bezwang die Equipe Tricolore Kanada bei der Frauen-WM am zweiten Spieltag der Gruppe A. Vor 16591 Besuchern in Bochum zeigten die Französinnen eine beeindruckend starke Leistung und ließen Kanada keine Chance.
Mit dem zweiten Sieg in der zweiten WM-Partie ist den Französinnen die Viertelfinal-Teilnahme schon vor der abschließenden Begegnung gegen Deutschland am Dienstag in Mönchengladbach kaum noch zu nehmen. Kanada ist dagegen ausgeschieden.
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Frankreichs Nationaltrainer Bruno Bini wollte sein Team trotzdem nicht in den Himmel loben und wehrte alle Fragen nach möglichen Titelträumen ab. Trotzdem war der Coach sichtlich entzückt von der Leistung seines Teams. „Kanada hat normal gegen uns eine Chance. Aber wir haben sehr gut gespielt. Wir haben die Bälle erobert und das wichtige erste Tor gemacht“, sagte der französische Cheftrainer.
Dabei ging es für Kanada, das im Auftaktspiel gegen Deutschland mit 1:2 unterlegen gewesen war, im zweiten Spiel bereits um Alles oder Nichts. Mit entsprechend großem Einsatz starteten die Nordamerikanerinnen in die Partie gegen Frankreich, das zuvor 1:0 gegen Nigeria gewonnen hatte. Kanadas Kapitänin Christine Sinclair war nach ihrem Nasenbeinbruch mit einer Gesichtsmaske im Einsatz. Sie hätte ebenso gut auf der Bank sitzen und sich schonen können, denn auf dem Platz war nichts von ihr zu sehen. Die Verteidigung der Blauen nahm die gehandicapte Offensivkraft mühelos aus dem Spiel. „Sie war nicht die Gleiche wie im ersten Spiel“, stellte Kanadas Trainerin Carolina Morace fest.
Ohne Sinclair ging das simple Spielkonzept der kanadischen Auswahl nicht auf. Die vielen langen Bälle, die die Spielerinnen nach vorn schlugen, hatten kein Ziel. Überhaupt zeigte das Team Kanada zwar Einsatz, in Sachen Spielwitz, individueller Klasse und Technik konnte es aber zu keinem Zeitpunkt mithalten.
Die ballsichere französische Offensivabteilung spielten sich dagegen langsam aber sicher warm. Herausragend war der Auftritt der 24-jährigen Louisa Necib, die wegen ihrer technischen Fähigkeiten immer wieder mit Zinedine Zidane verglichen wird. Sie glänzte mit Überblick und schönem Passspiel und war an vielen Offensivaktionen beteiligt.
Als „Player of the Match“ wurde aber die ebenfalls brillante Gaetane Thiney vom Pariser Vorortklub Juvisy FCF ausgezeichnet, die Frankreich mit Toren in der 24. und 60. Minute den Weg zum Sieg geebnet hatte. Zunächst traf die 25-Jährige aus abseitsverdächtiger Position per Kopf (24.), dann mit einem geschlenzten Schuss aus 20 Metern, der vom Innenpfosten ins Netz sprang (60.).
Damit war der kanadische Widerstand gebrochen. In der letzten halben Stunde durften die Französinnen zur Freude des Publikums fröhlich kombinieren. Camille Abily (66.) und Elodie Thomis (83.) machten den 4:0-Endstand perfekt. „Die Tore sind nicht wichtig. Es zählt nur das Resultat“, sagte Thiney über ihren Doppelschlag und fügte an: „Vor ein paar Wochen hat mit uns keiner gerechnet.“ Thiney hatte sofort nach dem Abpfiff die nächste Partie im Blick: „Jetzt müssen wir uns für die Begegnung gegen Deutschland erholen. Wir müssen unser Bestes geben, um ein richtiger Gegner zu sein.“ ( mit sid)
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