Carolina Morace fahndete gerade mit ernster Miene nach den Ursachen für die grausame Demontage ihrer Mannschaft, da zuckte die Trainerin der kanadischen Fußballerinnen zusammen. Denn draußen vor dem provisorischen Zelt setzte in dem Moment gerade ein hemmungsloses Hupkonzert ein. Ausgelöst von den siegreichen Frauen aus Frankreich, die Moraces Team beim 4:0 an der Nase herumgeführt hatten – und sich ihren Fans nun als wüste Feiertanten präsentierten.
Für die wummernde Musik, die aus dem Mannschaftsbus der Equipe Tricolore an die Bochumer Abendluft drang, sorgte Ersatzkeeperin Céline Deville, während Angreiferin Élodie Thomis, Schützin des vierten Treffers, wie immer die Vortänzerin gab. Und Bruno Bini, der Trainer des leidenschaftlichen Haufens, stand etwas abseits und kultivierte sein Flair des nachdenklich-ironischen Mannes.
Die Begegnung von der ersten bis zu letzten Minute in unserem Ticker.
Alle Begegnungen des Tages - und der Spielplan des deutschen Teams.
Pure Ironie war es auch, als der 56-Jährige die aufkommende Begeisterung über die technisch anspruchsvolle, schnelle und nach dem Führungstor Mitte der ersten Hälfte auch sehr selbstbewusste Darbietung seines Ensembles flugs drosselte. „Jeder weiß doch, dass Deutschland Weltmeister wird. Wir spielen nur um den zweiten Platz“, ulkte Bini hintergründig – sowohl über den Ausgang des WM-Turniers, wie auch über den Zieleinlauf in der Gruppe A, wo Frankreich und Deutschland am Dienstag im direkten Duell die Plätze eins und zwei unter sich ausmachen.
Den zuletzt furiosen Französinnen, denen der WM-Start gegen Nigeria (1:0) noch deutlich schwerer gefallen war, genügt in Mönchengladbach ein Remis zum Gruppensieg. Mittelfeldspielerin Camille Abily neckt die weiter wacklige Auswahl von Bundestrainerin Silvia Neid schon mal dezent. „Deutschland“, sagt die 26-Jährige, „ist immer noch ein Stück vor uns. Aber wir wissen, dass wir sie in einem einzelnen Spiel schlagen können.“
Davon konnte bei der EM 2009 in Finnland noch keine Rede sein. Beim Gruppenspiel in Tampere fing sich Binis Mannschaft ein 1:5 gegen die Neid-Elf ein und schied anschließend bereits im Viertelfinale gegen die Niederlande aus. Doch das kontinentale Turnier ist längst abgehakt, jetzt geht es um den Weltmeister-Titel.
Mit dem ersten Kantersieg des Turniers sind die Französinnen, bei denen der halbe Kader aus Spielerinnen von Champions-League-Sieger Olympique Lyon besteht, dabei gerade mächtig nach vorne geprescht. Und Madame Abily betont: „Wir sind älter und reifer als noch 2009. Viele von uns sind jetzt 25 oder 26 – und für Fußballerinnen ist das ein sehr gutes Alter.“
Die Begegnungen in den Stadien, die Emotionen beim Public Viewing - das Spezial mit vielen Bildern. Stets aktuell: unser Liveticker. Außerdem der Spielplan, Statistik und alle Teams.
Die Welt zu Gast bei Freundinnen
Sehen sie sich hier die Spielerinnen der Deutschen Nationalmannschaft an.
Verfolgen Sie unsere Nachrichten in Ihrer Lieblingsdarstellung - via RSS-Feed. Für Ihren Windows-PC bieten wir sogar einen kostenlosen Newsreader an. Informationen im Digital-Bereich.