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Frauen-WM: Kein Mädchenfußball mehr

Die steigende Athletik und Härte im Frauenfußball gilt als logische Folge der Professionalisierung des Sports. Das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Nigeria zeigt aber: Die Schiedsrichterinnen haben sie an die neuen Bedingungen offenbar noch nicht angepasst.

        

Völlig überfordert: Schiedsrichterin Cha Sung Mi.
Völlig überfordert: Schiedsrichterin Cha Sung Mi.
Foto: dapd

Natürlich ist auch Monika Staab unter den exakt gezählten 48817 Augenzeugen gewesen, die sich Donnerstagabend in der Frankfurter Arena den zweiten deutschen Auftritt bei dieser Frauen-WM ansahen. Ein stimmungsvoller Rahmen, gewiss. Aber wegen zahlloser Fehlpässe und Fouls auch ein Fußballspiel als Stimmungskiller, so urteilten etwas vorschnell vor allem männliche Betrachter.

Doch Monika Staab, früher Trainerin des 1. FFC Frankfurt in ihrer Heimatstadt, heute im Fifa-Auftrag als Entwicklungshelferin für den Frauenfußball unterwegs, gehört zu jenen ständigen Beobachtern, die aus solchen Partien auch etwas Positives ableiten. „Der Frauenfußball ist weltweit athletischer, schneller und kampfbetonter geworden“, insistiert die 52-Jährige, „die vielen Ruppigkeiten sind die logischen Folge davon, dass die Fußballerinnen weltweit besser trainiert und ausgebildet sind.“

Härte als afrikanische Waffe

Überdies hätten afrikanische Vertreter schon immer eine Gangart gepflegt, die billigend in Kauf nehme, die Grenze des Erlaubten zu übertreten. „Es ist deren Waffe, so unfair zu spielen. Bei afrikanischen Team ist das nicht ganz neu.“

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Für die vielreisende Förderin des Frauenfußballs sei es vielmehr an der Zeit, „dass die Schiedsrichterinnen insgesamt besser durchgreifen, sie lassen einfach zu viel laufen.“ Der Südkoreanerin Cha Sung Mi etwa entglitt die Spielleitung des Deutschland-Spiels völlig − der Gast kam mit nur einer Gelben Karte fast ungeschoren davon. Manche Unparteiische scheint bei der WM vor allem darauf aus zu sein, möglichst keine Karte zücken – wie übrigens auch Bibiana Steinhaus beim Gruppenspiel Nordkorea gegen USA −, was aber kein Erfolgskriterium sein darf. Denn: „Die Frauen haben dieselbe Spielzeit, dieselben Tore, dasselbe Spielfeld und denselben Ball wie die Männer – nun spielen sie auch mit derselben Härte“, wie Monika Staab plakativ beschreibt.

Verwundern könne den Umstand nur, wer den Frauenfußball nicht aufmerksam verfolgt habe. Überdies sei es auch keine Ruhmestat, wenn ein WM-Duell beispielsweise mit jenem 11:0 ende, mit dem die deutschen Fußballerinnen vor vier Jahren zum Auftakt der WM in China einst gegen Argentinien siegten. „So etwas hat dem Frauenfußball geschadet“, erklärt Staab, die es begrüßt, dass 2015 in Kanada bereits 24 Teams die WM-Bühne betreten, darunter dann mindestens drei afrikanische Teams. Weltweit gehe der Trend zu arg umkämpften Spielen und immer knapperen Ergebnissen. Und aktuell zeigt sich diese Tendenz: Die Fouls werden mehr, die Tore weniger. In den ersten zehn Partien der WM 2011 sind erst 19 Treffer gefallen. Bei der WM 2007 in China lag der Toreschnitt noch bei 3,47 pro Match − bei allen bisherigen WM-Turnieren von 1991 an bei 3,64.

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Die angestachelten Afrikanerinnen, die offiziell in der Foulstatistik mit lediglich 13 Vergehen (zum Vergleich: Deutschland zehn) geführt wurden, machten im Frankfurter Stadtwald nun einer breiten Öffentlichkeit deutlich, dass der Frauenfußball endgültig in einer neuen Dimension angekommen ist. „Das ist kein Mädchenfußball mehr“, sagte Stürmerin Inka Grings.

Krafttraining der Deutschen

Ihre Kollegin Babett Peter betreibt deshalb seit Jahren Krafttraining, das ihr den Beinamen „Hulk“ eingebracht hat. „Da muss jeder mitziehen, denn die Entwicklung in die athletische Richtung ist ein schleichender Prozess“, so die 23-Jährige. Und: Alexandra Popp, 20 Jahre jung, trumpfte erst auf, nachdem sie sechs Kilo abspeckte. Die deutschen Hauptdarstellerinnen wollen über die gestiegenen athletischen Anforderungen nicht klagen.

„Ich habe ja schon in Schweden gespielt, da ging es genauso ab wie bei dieser WM“, beteuert etwa Torfrau Nadine Angerer. Und Simone Laudehr („Ich hatte bei keiner Aktion das Gefühl, dass die Zuschauer gegen uns pfeifen“) behauptet, die Physis sei von allen Nationen als Basis für erfolgreichen Fußball ausgemacht worden. „Jedes Land will vorankommen, es geht eben mit allen Mitteln zur Sache.“ Kim Kulig, ihre Partnerin aus der umkämpften Mittelfeldzentrale, glaubt: „Die körperbetonte Spielart dominiert. Das ist nicht nur im Männerfußball, sondern mittlerweile auch im Frauenfußball so.“ Wenigstens lächelte sie dabei noch lieb.

Autor:  Frank Hellmann
Datum:  2 | 7 | 2011
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