Es war einfach viel zu spät, um sich großartig zu freuen, erzählt Simone Laudehr am Tag nach dem mühsamen 1:0-Erfolg gegen Nigeria im zweiten Gruppenspiel der Frauenfußball-WM. So mühsam wie die Partie, so mühsam scheint ihr Auftritt bei der Pressekonferenz am Tag danach auf dem Frankfurter Messegelände. Mit schweren Schritten stapfen sie und ihre Mittelfeld-Kollegin Kim Kulig auf das Podium. Deutschland steht im Viertelfinale der Heim-WM, Deutschland hat den zweiten Sieg eingefahren. Und doch: Diese Euphorie ist verflogen, diese Leichtigkeit.
Die Begegnung von der ersten bis zu letzten Minute in unserem Ticker.
Alle Begegnungen des Tages - und der Spielplan des deutschen Teams.
Bundestrainerin Silvia Neid tobte im ausverkauften Frankfurter Stadion (48.817 Zuschauer) schon nach 20 Minuten an der Seitenlinie, die Glanzfigur Birgit Prinz wurde erneut früh vom Feld geschickt (53.) und ihre Kolleginnen auf der Bank bekamen ihre Wut zu spüren: Das obligatorische Abklatschen muss vor allem Martina Müller Schmerzen verursacht haben, so hart schlug Prinz gegen die Hand der Stürmerin. Als ihre Mannschaft den hässlichen, aber verdient erkämpften Sieg auf dem Feld feierte, schien es in der deutschen Spielführerin noch immer zu kochen. Sie klatschte nur kurz und schwach viermal in die Hände und verzog keine Miene. Der einsame Kapitän. „Es gibt keine Spielerin, die gern ausgewechselt wird, da kann man schon mal unzufrieden sein“, formulierte es Silvia Neid zurückhaltend. Andere wurden deutlicher: „Es ist schwer für Birgit. Man gönnt ihr vor der eigenen Kulisse ein besseres Spiel. Sie ist keine zwölf mehr, sie weiß auch, dass sie gerade nicht die besten Spiele spielt. Sie findet nicht den Weg“, sagte ihre Sturmpartnerin Inka Grings, die für Prinz eingewechselt wurde und keine bessere Figur machte.
"Wir sollten Birgit mal in Ruhe lassen"
Fühlte sich die sonst so medienscheue Prinz vor dem Eröffnungsspiel beinah wohl im Rampenlicht, so war am Donnerstagabend wieder die alte, die wortkarge Spielführerin in der Mixed Zone zu finden. Ihre Leistung analysieren? „Dazu habe ich keine Lust. Das können Sie selber machen“. Rums. Ihre Auswechslung? „Glücklich war ich nicht.“ Punkt. Auch die Bundestrainerin kam um die Prinz-Frage nicht herum. Ob sie weiterhin gesetzt ist? „Da muss ich mal schauen.“ Sie zeigte sich genervt: „Wir reden hier immer nur von Birgit Prinz. Andere Spielerinnen hatten auch nicht ihren besten Tag. Wir sollten die Birgit mal in Ruhe lassen. Auch eine Inka Grings, eine Alex Popp oder eine Célia hatten nicht ihren besten Tag“, so Neid.
Gehemmt hätten ihre Spielerinnen auf sie gewirkt, „gar nicht so federleicht, wie es in den Spielen zuvor war“, schätzte die Auswahltrainerin ein. Diese vier Vorbereitungsspiele, 4 Siege, 15:0 Tore. Aber was waren das für Gegner: Italien und die Niederlande (jeweils 5:0) sind bei der WM nicht dabei, konnten kein Maßstab sein. Gegen Nordkorea fanden die Deutschen beim 2:0-Sieg zunächst auch nicht leichtfüßig ins Spiel und was das 3:0 gegen Norwegen wert war, ist spätestens nach dem völlig verkorksten ersten WM-Auftritt der Skandinavierinnen gegen WM-Neuling Äquatorialguinea (mühsames 1:0) höchst fraglich. „Das kann schon sein, dass da ein bisschen Krampf dabei ist“, gab die ebenfalls nicht glücklich agierende Abwehrspezialistin Saskia Bartusiak zu. „Vielleicht war die Belastung zu groß, weil man ins Viertelfinale einziehen will“, suchte Neid weiter nach Erklärungen. „Es hängt schon mit dem Kopf zusammen. Ich werde die Trainingseinheiten jetzt so gestalten, dass sie viel Spaß machen und werde sehr viele Einzelgespräche führen.“
Auch mit Birgit Prinz. Neid wird sich fragen müssen, ob sie die WM-Rekordtorschützin weiterhin von Beginn an aufstellt. Den Leitwolf. Célia Okoyino da Mbabi versuchte sie zu schützen: „Sie ist eine sehr, sehr wichtige Spielerin für uns und wir sind eine Mannschaft.“ Am Tag nach dem Spiel aber hatte jeder mit sich zu tun. Simone Laudehr zumindest berichtete: „Ich habe Birgit am Morgen nicht gesehen. Aber wir sind ein Team.“ (dapd)
Die Begegnungen in den Stadien, die Emotionen beim Public Viewing - das Spezial mit vielen Bildern. Stets aktuell: unser Liveticker. Außerdem der Spielplan, Statistik und alle Teams.
Die Welt zu Gast bei Freundinnen
Sehen sie sich hier die Spielerinnen der Deutschen Nationalmannschaft an.
Verfolgen Sie unsere Nachrichten in Ihrer Lieblingsdarstellung - via RSS-Feed. Für Ihren Windows-PC bieten wir sogar einen kostenlosen Newsreader an. Informationen im Digital-Bereich.