Indien - Gewalt gegen Frauen
Eine Vergewaltigung in Indien löst eine nationale Debatte aus.

21. Januar 2013

Vergewaltigungs-Prozess in Indien: Prozessbeginn in Neu Delhi

Der Prozessbeginn wird von Protesten begleitet. Foto: dpa

In Indien hat der Prozess gegen fünf Männer wegen der tödlichen Gruppenvergewaltigung einer Studentin begonnen. Die Angeklagten müssen sich vor einem Sondergericht in der Hauptstadt Neu-Delhi verantworten - der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

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In Indien hat der Prozess gegen fünf Männer wegen der tödlichen Gruppenvergewaltigung einer Studentin begonnen. Die Angeklagten müssen sich vor einem Sondergericht in der Hauptstadt Neu-Delhi verantworten - der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Fünf Wochen nach der tödlichen Gruppenvergewaltigung einer 23-Jährigen in Neu Delhi hat am Montag der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter begonnen. Die Anklageschrift sei dem Richter vorgelegt worden, teilte Staatsanwalt Dayan Krishnan mit, die Beweisaufnahme gegen die fünf Angeklagten solle am Donnerstag beginnen. Der Prozess findet hinter geschlossenen Türen statt.
Den fünf Angeklagten wird vorgeworfen, am 16. Dezember in Neu Delhi eine 23-jährige Studentin in einem Bus vergewaltigt und brutal misshandelt zu haben. Die Frau starb Ende Dezember an ihren schweren Verletzungen. Die Angeklagten sind laut Staatsanwaltschaft zwischen 19 und 35 Jahre alt.

Über einen sechsten minderjährigen Verdächtigen soll ein Jugendgericht urteilen. Am Tag der Prozesseröffnung erklärte der Anwalt eines der fünf Angeklagten, sein Mandant sei ebenfalls noch nicht volljährig und müsse daher vor ein Jugendgericht. Eine Entscheidung des Gerichts in dieser Frage wird am Donnerstag erwartet.

Der Prozess fand vor einem Sondergericht mit der Befugnis für ein beschleunigtes Verfahren statt. Allerdings nahm das Oberste Gericht inzwischen den Antrag eines Angeklagten zur Beratung an, den Verhandlungsort möglicherweise zu verlegen. Der Angeklagte argumentiert, dass er in der Stadt, in der das Verbrechen begangen wurde, keinen fairen Prozess bekommen könne. Die Verteidigung will für die Angeklagten auf unschuldig plädieren, da die vorliegenden Geständnisse unter Folter erzwungen worden seien.
Die Empörung über die Gruppenvergewaltigung ist in Indien groß. Beide Eltern des Opfers verlangen für die Täter die Todesstrafe. Der Vater der 23-Jährigen sagte, es sei „die Pflicht des Gerichts und der Richter dafür zu sorgen, dass das Urteil schnell gesprochen wird und alle Männer gehängt werden“. Kein Mensch habe das Recht, nach einem solch „abscheulichen“ Verbrechen weiterzuleben.
Die hohe Zahl von Vergewaltigungen und allgemein der Umgang mit Frauen sind seit dem Fall zu einem breit diskutierten gesellschaftspolitischen Thema in Indien geworden. Die Vorsitzende der regierenden Kongress-Partei, Sonia Gandhi, verurteilte am Sonntag die „beschämende“ Behandlung von Frauen in ihrem Land. „Wir können nicht eine beschämende Geisteshaltung in der Gesellschaft tolerieren, die zu unaussprechbaren Grausamkeiten gegen Frauen und Kindern führt“, sagte Gandhi bei einem Parteitreffen.
Die Zahl der Vergewaltigungen in Neu Delhi nahm laut Polizeistatistiken im vergangenen Jahr um 23 Prozent zu. Für das Jahr 2012 wurden 706 Fälle registriert. Allein seit der Gruppenvergewaltigung vom 16. Dezember wurden 45 Fälle von Vergewaltigung und 75 Fälle von sexueller Belästigung gemeldet.

Indien wird die Todesstrafe nur noch in Ausnahmefällen verhängt. Im November wurde zum ersten Mal nach acht Jahren ein Todesurteil vollstreckt. Hingerichtet wurde damals der einzige überlebende Attentäter der Anschläge von Mumbai im November 2008, bei denen 166 Menschen getötet worden waren. (dpa)

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