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18. Januar 2013

Afrika: Starke Stimmen

 Von Claus-Jürgen Göpfert
Helon Habila stammt aus Nigeria. Foto: Jide Alakija

Bilder und Nachrichten, die uns aus Afrika erreichen, sind meistens negativ: Krieg, Zerstörung, Hunger. Die „Afrikanischen Literaturtage“ in Frankfurt wollen andere Signale dagegensetzen: Die Autoren beschreiben ihre Heimat kritisch, vermitteln aber auch Hoffnung.

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Krieg in Mali, Krieg in der Zentralafrikanischen Republik, im Kongo. Flüchtlingsströme, Hunger, Zerstörung, Tod. Die Nachrichten, die aus Afrika kommen – wenn sie überhaupt Europa erreichen – zeichnen ein düsteres Bild. Beschreiben einen Kontinent, der taumelt, sich in Auflösung befindet. Die „Afrikanischen Literaturtage“ in Frankfurt unternehmen jetzt den Versuch, ein anderes Afrika zu zeigen. Am 25. und 26. Januar präsentieren sich Autorinnen und Autoren aus Nigeria, Sao Tomé und Principe, Kamerun, Senegal, Südafrika, Ghana und Simbabwe im Frankfurter Literaturhaus.

Afrikanissimo

Unter diesem Titel versammeln sich am 25. und 26. Januar im Literaturhaus Frankfurt an der Schönen Aussicht „Starke Stimmen und neue Geschichten“.

Am 25. Januar um 16.15 Uhr gibt es im Lesesaal eine Diskussion zur Frage, wie die Geschichten aus Afrika zu uns kommen. Um 20 Uhr präsentieren dort Mike Nicol und Nii Parkes Kriminalliteratur aus Südafrika und Ghana.

Vier Werkstattgespräche beherrschen den Samstag, 26. Januar. Parallel werden im Lesekabinett Filme über afrikanische Autoren gezeigt.

Das Abschlusspodium zur Frage „Starke Stimmen aus Afrika - wer hört sie?“ beginnt um 18 Uhr im Lesesaal. Ab 20.30 Uhr treffen dort Lyrik und Percussion aufeinander.

„Es geht darum zu zeigen, dass es auch positive Signale aus Afrika gibt – dass sich an verschiedenen Orten eine Zivilgesellschaft entwickelt“, sagt Peter Ripken von litprom, der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Und Anita Djafari, die Geschäftsleiterin von litprom, fügt hinzu: „Wir reden nicht von Afrika als dem dunklen, vergessenen Kontinent – das wollen wir nicht mehr hören.“

Noch nie hat es in Frankfurt und der Region ein solches Treffen afrikanischer Autoren gegeben wie jetzt im Literaturhaus. Das Auswärtige Amt, die Stadt Frankfurt, die Frankfurter Buchmesse oder das Institut Français haben sich zusammengetan, um Begegnung und Austausch zu ermöglichen. Und natürlich litprom, die seit mehr als 30 Jahren dafür kämpft, Literatur aus Afrika bekanntzumachen.

        

Fatou Diome ist im Senegal geboren.
Fatou Diome ist im Senegal geboren.
Foto: Peter Jülich

Die Erzählerinnen und Erzähler präsentieren eine breite Palette moderner Literatur: Gedichte, Familienromane, Erzählungen, Krimis. Aber dieses Wochenende bietet nicht einfach nur Lesungen, es gibt Werkstattgespräche und Diskussionen. Und natürlich Musik: Der deutsche Jazzer Günter „Baby“ Sommer spielt zum Abschluss am Samstagabend zu Gedichten, die Conceicao Lima, die aus Sao Tomé und Principe stammt, und Chirikure Chirikure aus Simbabwe vortragen.

Einige der Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben in Europa und in Deutschland bereits auf sich aufmerksam gemacht. Fatou Diome zum Beispiel, 1968 im Senegal geboren. Gleich mit ihrem Debüt-Roman „Im Bauch des Ozeans“ gelang ihr ein großer Erfolg. Diome, auf der kleinen Insel Niodiou vor der Küste Senegals geboren, erzählt in dem Buch ihre eigene Geschichte: von Salie, die nach Frankreich auswandert, während ihr kleiner Bruder Madické davon träumt, dorthin zu gelangen. Doch Frankreich ist nicht das Paradies …

        

Mike Nicol beschrieb den Apartheid-Staat.
Mike Nicol beschrieb den Apartheid-Staat.
Foto: litprom.de

Der kritische, realistische Blick auf ihr Land kennzeichnet die Bücher aus Afrika. Helon Habila aus Nigeria hat mit „Öl auf Wasser“ im Jahr 2011 Schlagzeilen gemacht. Er beschreibt eine wahre Todeszone – und das ist nicht nur ökologisch gemeint. Im Nigerdelta holt der Konzern Royal Dutch Shell mit allen Mitteln das Öl aus dem Boden. Leckende Pipelines, brennende Gasfackeln sind Zeichen einer Umweltkatastrophe, während die Bewohner des Deltas versuchen, mit der Entführung weißer Geiseln Lösegeld zu erpressen …

Oder Patrice Nganang, der aus Kamerun stammt und mehrere Jahre in Deutschland gelebt hat. Er erinnert mit seinem Roman „Der Schatten des Sultans“ an die deutsche Kolonialzeit in seinem Heimatland, die nur kurz war und bis zum Ersten Weltkrieg dauerte – aber dennoch bis heute nachwirkt.

        

 Patrice Nganang kommt aus Kamerun.
Patrice Nganang kommt aus Kamerun.
Foto: imago

Weit in die Vergangenheit des Apartheid-Staates Südafrika reicht das Werk des heute 61-jährigen Mike Nicol zurück. Schon 1985 beschrieb er mit „Die Feuer der Macht“ die Polizeigewalt des rassistischen Regimes und die brutale Unterdrückung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit. „The Ibis Tapestry“, 1998 erschienen, beschäftigte sich mit Waffenschiebereien des südafrikanischen Geheimdienstes.

Aber auch deutsche Autoren, die einen starken Bezug zu Afrika haben, werden im Literaturhaus vertreten sein. Ilija Ttojanow zum Beispiel, der in Kenia aufgewachsen ist und sich in mehreren Büchern mit seinen Erlebnissen beschäftigte. „In Afrika – Mythos und Alltag“, erschienen 2006, beschreibt eindrücklich die Jugend eines Weißen in Ostafrika. Der Journalist und Autor Holger Ehling wird dabei sein, früher einmal Sprecher der Frankfurter Buchmesse. Drei Jahrzehnte hat er sich mit afrikanischer Literatur beschäftigt und unter anderem „Matatu“ gegründet, eine Zeitschrift für afrikanische Kultur.

Ehling moderiert das Abschlusspodium am 26. Januar ab 18 Uhr: Es kreist um die zentrale Frage, wie die starken Stimmen aus Afrika hörbar gemacht werden können in den anderen Teilen der Welt, wie sich das düstere Bild des Kontinents überwinden lässt.

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