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07. Februar 2012

Aqua-Cycling: Tritte im Wasser

 Von Jana Schulze
Kein Kindergeburtstag: Unsere Autorin tritt im Rebstockbad kräftig in die Pedale.  Foto: C. Boeckheler

Aqua-Cycling ist doppelt so effektiv wie Radfahren an Land – und auch viel anstrengender, findet unsere Autorin. Trotzdem werden die Kurse in Frankfurt wie wild gebucht.

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Den Feldberg bin ich noch nicht einmal trockenen Fußes hinaufgeradelt. Nun soll ich mich in einem Schwimmbecken mit Baby-Badewasser-Temperatur abstrampeln. „Und Tempo, Tempo, Tempo die Damen“, ruft Wolfgang Krzyzanowsky. Er ist unser Animator an diesem Nachmittag im Rebstockbad. 55 Jahre alt, durchtrainiert und klitschnass geschwitzt – und das liegt nicht nur an der feuchtwarmen Luft, sondern vor allem daran, dass der Mann im gelben T-Shirt willigen Teilnehmern zeigt, wie guter Sport im Wasser funktionieren sollte.

Eine Stunde Aqua-Cycling: Unsere Drahtesel sind ergonomisch gebaut für Menschen mit einem Körpermaß zwischen 1,60 und 2 Meter. „Darunter oder darüber wird’s schwierig“, sagt Animiermeister Krzyzanowsky. Zur Not könnten noch die Pedale etwas ein- oder ausgefahren werden. Ich sitze also auf diesem Edelstahl-Rad ohne Räder. An den Füßen Stoffbadeschuhe, eineinhalb Nummern zu groß, die später unaufhörlich in der Pedalschlaufe hin- und herrutschen werden. Unter meinem Hintern ein Sattel, der im Badeanzug keinen Spaß macht. Der Trainer schaut, ob meine Ellenbogen ausgestreckt auf dem langen Lenker sauber aufliegen und ob meine Beine die Pedale erreichen, ohne dass die Knie zu einer Geraden werden.

Frauen kommen zum Abnehmen

Im Wasser sind wir zu acht. Kein Mann, dafür jede Menge gut ausgestattete Schwimmringe, die weg sollen. „Warum sind wir Frauen wohl hier?“, sagt eine Mit-Radlerin und grinst. „Na, zum Abnehmen! Im Fitness-Center müsste man ja einen Vertrag eingehen, viel zu kompliziert.“ Die Probestunde kostet zwölf Euro, inklusive Eintritt. Fünf Wasserrad-Einheiten dann 60 Euro. Der Kopf arbeitet: Erst geben wir das Geld fürs Hüftgold aus und dann noch einmal, um es wieder wegzubekommen.

Platsch. Das letzte Rad fliegt ins 1,35-Meter tiefe Wasser. Krzyzanowsky schmeißt eines nach dem anderen an seine Position. Aufsitzen. Brustaufwärts ist der Körper über Wasser. Die Beine strampeln gegen unerwartete Widerstände. Je länger, desto anstrengender. Wir fahren in Position 2 (mittleres Tempo), möglichst gleichmäßig.

„Geht’s euch gut, die Damen“, ruft Krzyzanowsky. Seine Stimme ist angenehm, die schwungvolle Animiermusik auch. Erste Wellen schwappen durchs Becken. Mir mir wird mit jedem Pedal-Tritt wärmer, das ist kein Kindergeburtstag mehr. Gleichmäßiges Tempo zu halten, ist nicht einfach, denn das Nass wackelt. „Geht mit den Armen ins Wasser und zieht sie an euch vorbei, vor-zurück, vor-zurück“, ruft der Aqua-Man. Auf seiner Stirn tummeln sich Schweißperlen. Auf meiner auch. Die freundliche Dame hinter mir lächelt, strampelt – sie wird am Stundenende entscheiden, sich für den nächsten Kurs anzumelden.

Doppelt so effektiv wie Radeln an Land

Die meisten der Kursteilnehmer seien übergewichtige Frauen, berichtet Wolfgang Krzyzanowsky, der gemeinsam mit André Kalic, einem passionierten Ironman, seit Jahren die Animationen im Rebstockbad verantwortet. Das Aqua-Cycling im Rebstockbad gibt es allerdings erst seit Oktober 2011. Seitdem starten alle zwei Monate fortlaufende Kurse. Im Textorbad in Frankfurt-Sachsenhausen gibt’s Aqua-Cycling bereits ein Jahr länger – und wird wie wild gebucht. „Aqua-Cycling kann jeder, der Spaß am Radfahren hat“, sagt Krzyzanowsky. Und es sei doppelt so effektiv wie Radeln an Land. Man brauche keine Vorkenntnisse, nur Menschen mit Herzproblemen sollten sich vorher beim Arzt durchchecken lassen. „Außerdem wirkt das Wasser wie eine Lymphdrainage, optimal für weibliches Gewebe.“

Mein Gewebe fühlt sich an, als schlage es gerade Purzelbäume, so wild wirbelt das Wasser um mich herum. Kleine, schnelle Schläge mit den Unterarmen, die Oberarme bleiben an den Körper gepresst – das erwartet der Kursleiter. Wir fahren Stufe 2, dann Stufe 3. Bewusstes Atmen kann mehr Leistung erzeugen, habe ich im Pilates-Kurs gelernt. Ich pruste, als käme gleich ein Kind auf die Welt.

Strampeln im Stehen

Die Damen lächeln immer noch. Dann müssen die Hintern hoch. Strampeln im Stehen. „Die Hüften gerade lassen, die Oberschenkel arbeiten! Los, das packt ihr!“ Wolfgang Krzyzanowsky belohnt uns, indem er Frischluft einlässt. Mittlerweile bin ich völlig ausgepowert. Dieser Kurs schwemmt jedes Bewusstsein, nicht zu den Unsportlichsten zu gehören, weg.

Dann kommt der Ritt auf den Vogelsberg, sagt zumindest der Animier-Meister. „Geht’s Euch noch gut? Dann geht’s auf. Los, treten, treten, treten, die Damen!“ Nach fast 60 Minuten haben wir rund 250 Kalorien verbrannt, sagt er, und damit mehr als beim Trockenradeln.

Im Sommer fahr’ ich, das hab’ ich mir nun vorgenommen, den kompletten Vulkanradweg ab: 94 Kilometer, 400 Meter Höhenunterschied. Vielleicht schick’ ich dann eine Postkarte ins Rebstockbad, an Wolfgang vom Aqua-Cycling.

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