Zuerst war das Buch da, „Chinesische Dinge“, das bei der Frankfurter Buchmesse 2009 vorgestellt wurde. Peter Schneckmann vom Verein Drachenbrücke fiel es auf. Im Kontakt mit den Autoren von der chinesischen Designprojektgruppe Popcorn-Idea-Factory sowie dem Museum für Angewandte Kunst und seinem Asien-Kurator Stephan von der Schulenburg entstand die Ausstellung. Sie war zuerst in Peking zu sehen, jetzt ist sie nach Frankfurt gewandert – wo sie ein deutsches Publikum auf andere Weise verblüffen wird.
Kurator Wu Xuefu von Popcorn erzählt, dass er eine der Blumen-Thermoskannen, die in China zum Alltag gehören, in einem Pariser Designerladen gekauft hat. Über die rote Unterhose wird ein Chinese lächeln, während sie einem Europäer erst etwas erzählt, wenn er erfährt: Im Jahr des Drachen, also jetzt, zum Beispiel tragen alle Chinesen, die in einem Jahr des Drachen geboren wurden, rote Unterhosen. Wer das albern findet, wird von seinen Eltern bedrängt. Denn die rote Unterhose bringt ihn heil durchs Jahr. Die Wäscheindustrie ist froh, sagt Wu Xuefu.
Chinesische Dinge, bis 27. Mai im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, Schaumainkai 17. Als Katalog gibt es das gleichnamige Buch für 15 Euro an der Museumskasse.
Zum großen Rahmenprogramm gehören Vorträge, Führungen, Workshops. Mehr dazu unter angewandtekunst-frankfurt.de
Zwischen Dampfnudel und Duschleuchte mit Heizung dämmert dem Besucher, wie sehr sich das Leben in der Tat aus Einzelteilen zusammensetzt. Und wie schön oft das Nützliche ist und wie gruselig das Nutzlose. Beachten Sie das beliebte Schreibtischset „Geschäftskalender“!
Glückskeks und goldenes Sparschwein
Sind Chinesen also kitschig, rückwärtsgewandt, modern, technikbegeistert, sonderbar? Die Ausstellungsmacher denken nicht daran, das zu beantworten. Es ist einfach so, dass das einfache chinesische Dinge sind. Darum gibt es auch nirgendwo einen Glückskeks.
Das goldene Sparschwein ist auch Europäern nicht direkt ungeläufig. Sie kennen aber vermutlich nicht das Gedicht des buddhistischen Mönches, dem die besondere Pointe auffiel: Ein Sparschwein will ja seinen Bauch füllen, ohne zu ahnen, dass es genau deshalb einmal zerhauen/geschlachtet werden wird (wie angenehm, wenn ein Schwein einen kompromisslerischen Gumminoppen im Bauch hat). Dass das in Frankfurt gezeigte goldene Sparschwein wie eine Katze aussieht, machen allein die hübschen Wimpern.