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Freizeit
Ausstellungen, Theater und Sport - Was ist los in Frankfurt?

16. März 2016

Ausstellung: Reise durch die jüdische Musikgeschichte

 Von Tanja Andres
Trichter-Grammophon „Model B“ von 1906 aus Paris.  Foto: Museumsstiftung Post und Telekommunikation/Dieter Herwig

Das Frankfurter Museum für Kommunikation präsentiert bekannte und unbekannte Welten der populären Kultur - begleitet von persönlichen Erzählungen über Schallplatten, die manches Leben verändert haben.

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Es könnte auch ein Plattenladen sein, im ersten Moment, auf den ersten Blick. Denn dieser fällt unmittelbar auf die rund 450 Schallplatten und Cover, die wie Vorhänge an der Wand aufgehängt sind, sowie auf den großen Tresen, der mit seinen Hörstationen mitten im Raum eine enorme Fläche einnimmt.

Die Ausstellung

„Jukebox. Jewkbox! Ein jüdisches Jahrhundert auf Schellack & Vinyl“ läuft noch bis zum 29. Mai im Museum für Kommunikation Frankfurt, Schaumainkai 53.

Geöffnet ist das Museum Dienstag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr, samstags, sonn- und feiertags von 11 bis 19 Uhr. Der Eintirtspreis beträgt 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro.

Öffentliche Führungen gibt es sonntags um 15 Uhr und mittwochs um 16 Uhr.

Hanno Loewy, Kurator der Ausstellung, legt am 5. Mai, 19 Uhr, im Jüdischen Museum Frankfurt, Untermainkai 14/15, Platten auf und lädt ein zu einer akustischen Reise durch die Popmusik auf Schellack und Vinyl: von den Kantoren zu den Rebellen des Punk, von der jüdi-schen Migrantenbühne zum Broadway, von Casablanca bis ins „Shtetele Belz“ der Fantasie. Der Eintritt kostet 5 Euro.

Mehr: www.mfk-frankfurt.de. prta

Tatsächlich ist die Optik eines Plattenladens gewollt, und ein Besuch der Ausstellung „Ju-kebox. Jewkbox! – Ein jüdisches Jahrhundert auf Schellack & Vinyl“, die noch bis zum 29. Mai im Museum für Kommuniaktion (MFK) Frankfurt gastiert, hat wenig mit einem klassischen Museumsbesuch gemeinsam.

Exponate wie alte Grammophone gibt es zwar, doch noch häufiger finden sich Kopfhörer im Raum. Auf gerade einmal 140 Quadratmetern möchte die Sonderausstellung die Besucher auf eine Reise durch die jüngere Musikgeschichte mit Fokus auf ihre jüdischen Einflüsse einladen.
„Was als sehr persönlicher Blick auf Schallplatten und einer individuellen damit verbunden Prägung und Identitätsfindung begann, wuchs schnell auf einen universellen Rundumschlag über den großen Einfluss jüdischer Künstler, Erfinder und Ökonomen auf die Musikindustrie an“, erzählt Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums im österreichischen Hohenems und Kurator der Ausstellung.

Und der jüdische Einfluss auf die Entwicklung der Musik und Populärkultur des 20. Jahrhunderts ist unbestreitbar. Von der Entwicklung des Grammophons und der Schallplatte durch den deutsch-jüdischen Erfinder Emil Berliner, bis zur Punk-Bewegung. Auch die Idee des jüdischen Grafikers Alex Steinweiss, Plattencover individuell zu gestalten, revolutionierte die Musikindustrie.

Von Kantor bis Punk

Man stelle sich nur einmal vor, legendäre Cover wie das von „Abbey Road“ von den Beatles hätten niemals existiert. Oder das Prisma von Pink Floyds „The Dark Side Of The Moon“, das ein von Steinweiss 1942 für Beethovens 5. Klavierkonzert gestaltetes Schallplattencover zitiert.

Die Reise durch die Geschichte der Massenunterhaltung kann gut und gern drei Stunden dauern, wenn man sich auf die unterschiedlichen musikalischen Stile einlässt. Von traditioneller Kantorenmusik, über Jazz, Musical, Pop und Folk bis zum Punk und Pop, von Yossele Rosenblatt, Sophie Tucker und George Gershwin über Bob Dylan, die Ramones und Iggy Pop bis hin zu Amy Winehouse bietet die Ausstellung ein buntes Sammelsurium unterschiedlichster Genres.

Und so verwundert nicht, dass man in einem Moment noch den Klängen von Barry Manilow und „Copacabana“ lauscht und im nächsten Augenblick der Song „You’ve got to fight for your Right“ von den Beastie Boys erklingt.

Sound aus Original-Jukebox

An verschiedenen Hörstationen entlang des Tresens besteht für Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, aus rund 40 musikalischen Stücken, sowie den begleitenden Audiokommentaren auszuwählen, was gefällt - oder sich einfach überraschen zu lassen.
Und weil es zu zweit mehr Spaß macht und die Kommunikation im Museum für eben jene nicht zu kurz kommen soll, gibt es an jeder Station zwei Paar Kopfhörer. Wer danach noch nicht genug hat, kann weitere Musik finden.

Leicht versteckt hinter einem Vorhang von Schallplatten, in eine Sitzecke integriert, steht eine original Jukebox, bestückt mit Dutzenden Liedern, wie dem berühmten „Over the Rainbow“, dessen Text aus der Feder des jüdischen Liedtexters E. Y. Harburg stammt. Für Multimedia-Fans gibt es Tablets, auf denen man sich Videos auf „JewTube“ anschauen kann. Was die Sängerin Gwen Stefani mit der Ausstellung verbindet, lässt sich hier ebenfalls herausfinden.

Die Ausstellung, die nach einer zweijährigen Vorlaufzeit und einem weiteren Jahr konkreter Planung zunächst im Jüdischen Museum Hohenems in Österreich startete, ist eine Zusammenarbeit zwischen den Jüdischen Museen in Hohenems und München. Nach ihrer Ausstellungszeit in München zog die Ausstellung um nach Frankfurt, wo sie – in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Frankfurt – im MFK zu sehen und zu hören ist. Ende Mai zieht die Schau dann weiter ins Jewish Museum in London und anschließend nach Warschau.

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