Freizeit
Ausstellungen, Theater und Sport - Was ist los in Frankfurt?

22. Januar 2013

Ausstellungen Frankfurt: Konsequent für die Kunst

 Von 
Horst Appel vor schwarzer Kunst. Foto: Alex Kraus

Horst Appel ist Galerist aus Leidenschaft – seit mehr als 50 Jahren. Nun öffnet der Frankfurter, der im Broterwerb Zahnarzt war, aber nie seiner Passion abhold wurde, sein Lager und zeigt einen Teil der gehorteten Schätze.

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Horst Appel ist Galerist aus Leidenschaft – seit mehr als 50 Jahren. Nun öffnet der Frankfurter, der im Broterwerb Zahnarzt war, aber nie seiner Passion abhold wurde, sein Lager und zeigt einen Teil der gehorteten Schätze.

Wenn Horst Appel eines seiner Lager öffnet, dann gehen dem halbwegs Kunstinteressierten die Augen über: fest verschnürte, oder halb verpackte Bilder in einem riesigen Regal, links auf einem Hocker Grafik-Blätter. Der Galerist greift in dem Stapel nach einer Zeichnung. „Wissen Sie, was das ist?“, fragt er. Und ohne auf die Antwort zu warten, gibt er sie selbst: „Das ist ein Schwitters, Kurt Schwitters.“ Zu sehen sind Gebäude, eigentlich ein Haushaufen, vom dadaistischen Künstler zu Beginn des letzten Jahrhunderts mit Stift auf einen Bogen geworfen.

Der Galerist

Horst Appel betreibt seine Galerie schon seit 1959. Auf der Zeil hat er mit Ausstellungen begonnen. Seit 1977 ist die Galerie in einer Gründerzeitvilla in der Corneliusstraße 30 im Westend untergebracht.

„Selten oder nie …“ heißt die neue Ausstellung, in der der Galerist Bestände aus seinem Lager zeigt. Die Ausstellung ist bis zum 16. Februar zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 14 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Maler der Frankfurter Gruppe „Quadriga“ und Vertreter der „Ecole de Paris“ wurden von Appel und einem seiner Partner, Wolfgang Fertsch Röver, regelmäßig präsentiert. Ein Schwerpunkt ist stets auch Bildhauerei.

Und während der Gast noch denkt: Mensch, da habe ich jetzt einen echten Schwitters für Sekunden in der Hand gehalten, ist Appel schon weiter, flink die Treppe hoch gestiegen und öffnet den nächsten Raum. In ihm warten die schlanken, Gelassenheit und Ruhe ausstrahlenden Skulpturen von Walter Moroder auf die nächste Ausstellung in der Galerie Appel im Frankfurter Westend.

Appel muss Inventur machen

Doch ehe sie zum Zuge kommen, zeigt der sammelnde Galerist Kunst, die er vor 30 bis 40 Jahren erworben hat und seitdem einmal – oder noch nie gezeigt hat. Insgesamt besitzt er rund 150 Bilder und Skulpturen. Wie viele Grafiken er hat, kann Appel nicht einmal selbst abschätzen, will aber schon bald per Inventarisierung das Chaos etwas transparenter machen. „Ein bisschen verrückt muss man sein“, sagt Appel – und lächelt sein Gegenüber gewinnend an.

Oder man muss Leidenschaft haben, vielleicht auch mutig und verantwortungsbewusst sein. Es geht schließlich um die Freiheit der Kunst. Appel interessiert sich ausschließlich für Kunst, „die nicht im Dienst einer Zweckbestimmung steht“, sagt er. Die also keiner Religion, keinem Mächtigen und keiner Politik dient. Besonders pflegt Appel nichtgegenständliche und abstrakte Malerei und abstrakt-figürliche Bildhauerei und Skulptur. Ende der 50er Jahre habe er sich nicht vorstellen können, dass es noch mal gegenständliche Kunst geben könne. „Mit den Jungen Wilden ist es doch anders gekommen.“

Jetzt jedenfalls zeigt uns der Galerist Appel Werke von Karl Bohrmann, das Bild „Die Erscheinung von Lucio Fontana beim Messerschleifen in Mailand“ von Rolf-Gunter Dienst, ein kosmisches Island-Gemälde der Städel-Schülerin Angelika Gilberg, Bilder von Icke Winzer und Gerhard Wittner. Die Schau ist überschrieben: „Selten oder nie – gezeigte Bilder aus dem Bestand der Galerie“.

Horst Appel ist ein Besonderer unter den rund 40 Galeristen in Frankfurt. Bereits 1959 gründete der heute 85-Jährige an der Zeil seine erste Galerie. Eine solche Kontinuität kann in der gesamten Bundesrepublik nur noch eine Handvoll Galerien vorweisen. In Frankfurt geboren, studierte Appel unter anderem in Paris Zahnmedizin und Kunstgeschichte. In der französischen Hauptstadt schwor er sich, nie wieder ins spießige, verdruckste Nachkriegsdeutschland zurückzugehen, ging in die Schweiz – und kehrte 1957 doch an den Main zurück, um hier dann 35 Jahre als Zahnarzt zu praktizieren.

Verhasste Bequemlichkeit

Und seine Galerie auf- und auszubauen mit und ohne Partner, aber bis zu ihrem Tod immer mit Ehefrau Tull (Maria) Appel. Das Ehepaar sei nie allein am Kommerz interessiert gewesen, die Praxis habe genug abgeworfen für die Familie, sagt der Galerist. Natürlich freue er sich, wenn er Kunden für seine Künstler findet. Aber vor allem sei er ein Kämpfer gegen die „Kulturbequemlichkeit“.

Auch wenn die Schirn im vergangenen Jahr einen Besucherrekord mit ihrer Ausstellung des US-amerikanischen Künstlers Jeff Koons erzielte, für Appel ist es einen „Schande“, dass die städtische Kunsthalle den Kitsch ausgestellt habe. Appel sind Snobs zuwider, die sich von Kunst bedienen, aber nicht berühren lassen wollen.

Schon als Schüler habe er Butterbrote für Zeichnungen seiner Mitschüler getauscht, erzählt Appel. Er habe sich auch als Künstler versucht, aber schon bald die Finger davongelassen. „Meine Begabung liegt nicht im Kreativen, sondern im Rezeptiven“, sagt er bescheiden. Und war doch so erfolgreich in der Vermittlung von Kunst. Appel hat nicht nur 15 Ausstellungen im Frankfurter Karmeliterkloster gezeigt, er hat als Kurator gearbeitet, sich für Kunst am Bau starkgemacht und war 1967 Mitbegründer der Kölner Kunstmesse. Er darf mit Fug und Recht den Rückzug von Stadt und Messe GmbH aus der Kunstmesse Frankfurt „eine Blamage“ nennen.

Besucher der Galerie Appel können nun einen Monat lang schauen und staunen, sich in einer Zeitreise begeistern lassen von den Aufbruchjahren nach dem Zweiten Weltkrieg, die Distanz spüren zu dieser abstrakten Art der Kunst. Und wenn es gutgeht, plötzlich das Bleibende entdecken.

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