Wie wahr
Stellen Sie sich vor, Sie seien mit dünnen Haaren geschlagen. Ihre Fusseln sähen frisch gewaschen und gefönt erträglich, am nächsten Tag – je nach Wetter innerhalb von sieben Minuten – aus, als seien sie furchtbar traurig und zögen es vor, aus der Welt zu verschwinden. Stellen Sie sich auch vor, Sie seien zu blöd, das zu akzeptieren. Und trügen Ihr, äh, Haar lang. Dann brauchen Sie keine Schmeicheltante, die Ihre dünnen Strähnen „fein“ nennt, sondern eine Meisterin mit klarem Blick für das, was geht. „Das geht ja gar nicht!“, waren die ersten Worte in einer nunmehr zehnjährigen Liebesbeziehung zwischen meinem Haar und ihr: Luciana Monopoli. Sie schaut uns an und weiß, ob langes Haar geht, ob es bescheuert hängt, ab muss, welche Farbe es haben darf, ob überhaupt. Ich neige mein Haupt und folge. Die Scherenkünstlerin nennt ihren Laden zudem „deine heimat kollektiv“. So fühlen sich meine 17 Haare und ich bei La Monopoli schön zu Hause. (Lia Venn)
deine heimat kollektiv, Frankfurt, Bornwiesenweg 71, Telefon 069/95518001
Wie raffiniert
Der Friseursalon meiner Wahl ist ein eleganter Schlauch, kühl im Sommer, behaglich im Winter. Wir könnten eine fünfstöckige Pyramide aus Kundinnen bilden und kämen immer noch nicht an der Decke an. Schöner ist es, einen milden Kräutertee zu trinken und sich die sparsam verteilten Kunstobjekte anzuschauen, darunter eine Art Saline. Es muss ein striktes Nippesverbot herrschen, das sich aber nur auf Raum und Angestellte bezieht, nicht auf die Kundschaft. Die Kundschaft darf tragen und tun, was sie will. Umlullt von diskreter Endlosmusik – dazu gehört als Gipfel der Gefühlsseligkeit eine lässige Variation auf eine „Madame Butterfly“-Arie – gewinnt sie sowieso gleich etwas an Niveau. Es erscheint mir wesentlich und sinnvoll, dass meine Friseurinnen etwas raffinierter sind als ich, es sich aber nicht anmerken lassen. Keiner redet hier über meine Wirbel, und über meine grauen Haare nur, wenn ich es will. (Judith von Sternburg)
Haareszeit, Wiesbaden, Markt 3, Telefon 0611/3602900
Wie beim Zahnarzt
Dass der Friseursalon den gleichen Namen trägt wie ich, nämlich Ochs, also vertraut ist mit all seinen unangenehmen Assoziationen, das hat mich für ihn eingenommen. Ich muss nach solchen Kriterien gehen, denn jede Hoffnung, dass ich nur auf die richtige Friseurin treffen müsste und schon hab‘ ich die Haare schön, ist lange begraben. Friseur ist fast so schlimm wie Zahnarzt, und Wunder passieren nicht. Sich mit dieser Sicht auf Strähnchen einzulassen, das grenzte doch an ein Wunder. Mit wachsender Panik, anschließend wie ein Streifenhörnchen auszusehen, begab ich mich in Behandlung.Bitte ganz, ganz, ganz dezent, greinte ich, die Geduld der Friseurin war grenzenlos. Die Strähnchen sind fantastisch, so dezent, dass sie noch keiner bemerkt hat. (Jutta Ochs)
Barbara Ochs, Frankfurt, Königsteiner Straße 3a, Telefon 069/33091848
Wie Sharon Stone
Friseur „Schamlos“: Zugegeben, für einen Friseur ist der Name etwas, sagen wir, irreführend. Tatsächlich ist ein Besuch bei „Schamlos“ aber reine Kopfsache. Die kolossal liebenswürdigen Menschen, die dort arbeiten, verstehen nicht nur ihr Handwerk. Sie bringen auch noch die Kunststücke fertig, 1. zu verstehen, was man will („Irgendwie kürzer und wuschelig mit Pony“), 2. empathisch zu erklären, was sie als Profis davon halten („Jetzt hast du sie doch gerade erst wachsen lassen, morgen ärgerst du dich“) und 3. entwaffnende Alternativen anzubieten („Wie wär’s mit einem Schnitt wie Sharon Stone?“). Und das Beste ist: Man sieht danach nicht aus wie Hund, der aussehen will wie ein Sharon Stone – sondern nur verdammt gut. Sogar, wenn man sich am nächsten Tag selbst die Haare gewaschen und gefönt hat. (Tanja Kokoska)
Schamlos Friseure, Frankfurt, Eckenheimer Landstraße 124, Telefon 069/591655
Wie eine Schachtel Pralinen
„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man bekommt“, sagt Forrest Gump. Na ja. Auf das Leben folgt in der Regel der Tod, und wenn der einen erwischt, sieht man meist scheiße aus. Das kann einem auch bei Deniz passieren. Muss aber nicht. Das Einzige, was bei Deniz feststeht, ist der Preis: elf Euro. Mit dem Haarschnitt verhält es wie bei der Schachtel Pralinen. Entweder verlässt man den Salon mit einer schicken Frisur, wie sie auch ein 100-Euro-Haarstylistencoiffeur hätte hinschnipseln können, oder mit einer asseligen Bürste, für die man sich in Grund und Boden schämt (auch wenn’s im Sommer recht praktisch ist). Das brave internationale Friseur-Kollektiv hält sämtliche Typen parat: vom charmanten Dummbabbler bis zum wortkargen Misanthropen, vom zärtlichen Kopfhautkitzler bis zum dominanten Scheitelzieher. Alle auf ihre Art einzigartig. Alle Deniz. Wartezeiten gibt es kaum, und falls doch, sorgt das authentisch-multikulturelle Publikum für kurzweilige Betrachtungen und anregende Gespräche. Gerne serviert einer der Denize einen anständigen Kaffee ohne Schnickschnack. Der Friseursalon für alle, die sich gerne überraschen lassen, die mal was wagen wollen, die gerne spielen. Ohne großes Risiko. Der Einsatz: elf Euro und die Haare. Und selbst wenn Deniz Letztere mal verschneiden sollte: direkt vor der Haustür bieten junge Straßenhändler tröstende Spezereien aus dem Morgenland an. (Stefan Behr)
Deniz Hairstyle, Frankfurt, Klingerstraße 24, Telefon 069/21994603