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20. Juli 2012

Feuer-Jongleure: Wirbelnde Flammen

 Von Franziska Schubert
Es gehört schon etwas Übung dazu, mit den Pois zu spielen.  Foto: Andreas Arnold

Ursprünglich stammt das Spiel von den Maori in Neuseeland, hat sich aber mittlerweile auf der ganzen Welt ausgebreitet: das Poi-Spiel - das Jonglieren mit brennenden Keulen, Stäben, Kugeln. Auch in Frankfurt treffen sich regelmäßig Artisten, um mit dem Feuer zu spielen. Ein Feuerlöscher steht immer bereit.

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Ursprünglich stammt das Spiel von den Maori in Neuseeland, hat sich aber mittlerweile auf der ganzen Welt ausgebreitet: das Poi-Spiel - das Jonglieren mit brennenden Keulen, Stäben, Kugeln. Auch in Frankfurt treffen sich regelmäßig Artisten, um mit dem Feuer zu spielen. Ein Feuerlöscher steht immer bereit.

Ein paar Jogger und Spaziergänger sind noch am Mainufer unterwegs. Der Tag geht zu Ende, doch an der Weseler Werft denkt niemand daran, jetzt schon nach Hause zu gehen. Wie an so vielen Dienstagen wird es auch heute Abend wieder einen „burn“ geben. Dann entzünden die Jongleure ihre Keulen, Stäbe, Kugeln oder Handkerzen.

Vorher aber üben sie ohne Feuer. Da werden fast mannshohe Stäbe durch die Luft gewirbelt und die Peitsche geschwungen. Um die Körper rotieren Stoffsäcke, Hula-Hoop-Reifen und ganz viele Pois. Die können ganz unterschiedlich aussehen, meistens aber ist eine Kugel an einem Band oder einer Kette befestigt, die die Artisten mit der Hand zum Kreisen bringen. Ursprünglich stammt das Spiel von den Maori in Neuseeland, hat sich aber mittlerweile – besonders durch die Traveller-Szene – auf der ganzen Welt ausgebreitet.

Severin Schad, der heute zum ersten Mal dabei ist, hat Poi-Spieler in Thailand am Strand beobachtet und „war total fasziniert“. Anhand von Videos hat sich der 26-jährige Physiker das Spiel dann selbst beigebracht. Mit ein paar Freunden ist er nun hergekommen, um seit langem mal wieder zu trainieren.

Die Stimmung ist gelöst, zwei Jungs von Jam Session Frankfurt rappen zum selbst gebastelten Didgeridoo, nebenan haben es sich ein paar Leute auf großen Fellen gemütlich gemacht und zwischendrin sitzt die kleine Yuna. „Mit 19 Monaten ist sie unser jüngstes Mitglied“, scherzt Mutter Keiko Schmitt. Wenn sie mal selbst ihren Feuerfächer entzünden will, findet sich immer jemand, der ein paar Minuten auf ihr Baby aufpasst. Man kennt und mag sich eben.

Verspielt

In den Sommermonaten treffen sich Jongleure und Feuerkünstler regelmäßig dienstags ab 19 Uhr an der Weseler Werft in Frankfurt, um Tricks zu üben und mit Feuer zu spielen. Wer mitmachen will, kann einfach vorbeischauen oder über Facebook zur Gruppe „Jonglage Freunde Raum Frankfurt“ Kontakt aufnehmen.

Um auch in der kalten Jahreszeit trainieren zu können, suchen die
Jongleure dringend eine Halle, in der sie – selbstverständlich ohne Feuer – spielen dürfen.

Eine Choreographie von 18 Feuerjongleuren samt Pyroeffekten wird am 18. August um 23 Uhr auf dem Osthafenfest, Lindleystraße, in Frankfurt zu sehen sein. Programmübersicht:
www.100jahreosthafen.de

Auf Youtube gibt es viele beeindruckende Videos zu Fire Poi. Für Anfänger gibt es diverse Webseiten mit
Anleitungen, eine Auswahl:
www.poiforyou.com (Lernvideos) www.homeofpoi.com

Ihr Partner Gerald Richter hat die Gruppe 2005 gegründet. Er ist in der Feuerspieler-Szene bestens vernetzt, organisierte eine der ersten großen Zusammenkünfte in Mainz und hat sein Hobby erfolgreich zum Beruf ausgebaut. Er gibt Workshops an Schulen oder tritt bei Hochzeiten auf.

Derzeit freut sich Gé, wie er von allen gerufen wird, auf den Auftritt beim Osthafenfest, bei dem er mit 17 anderen Feuerjongleuren eine Flammenshow hinlegen wird. Während beim Training an der Weseler Werft aus Kostengründen keine Feuereffekte gezündet werden, soll es am 18. August einen spektakulären Flammenrausch geben.

Monatelang werden Tricks geübt

Selbst einige Meter entfernt ist das Getöse der Flammen noch gut zu hören, wenn die Jongleure ihre Pois im Affenzahn herumwirbeln lassen, ein anderer schleudert vier brennende Keulen in die Luft und auch Gerold zeigt jetzt, was er drauf hat: Er hält in jeder Hand einen Poi. Mitten in der Bewegung verknotet er dann beide miteinander. Für solche komplizierten Tricks wie diesen Hyperloop bedarf es monatelanger Übung. Profis zeichnen mit den brennenden Pois sogar Blumen, Sterne oder Kleeblätter in die Luft.

„Bei uns kannst du jeden fragen, wie er einen Trick macht und dann zeigt er ihn dir“, sagt Gerald Richter. „Vielleicht klappt es nicht gleich, aber Konkurrenzdenken gibt es bei uns nicht.“ Das Community-Gefühl schätzt auch der Musiker und Rapper Kenzo. „Wir ergänzen uns perfekt.“ Er liefert den Rhythmus zum Feuertanz, der manchmal bis tief in die Nacht andauert. Frei von Zwängen könne er so ganz meditativ den Alltagsstress abbauen. Der Platz vor der im Bau befindlichen neuen Europäischen Zentralbank sei ein toller Freiraum, betont Richter. „Natürlich nehmen wir auch Rücksicht auf die Anwohner, die sich bislang aber nicht beschwert haben.“

Ab zehn Uhr wird die Musik leise gedreht und die Feuerspieler achten darauf, dass kein Lampenöl auf den Boden tropft. Auch ein Feuerlöscher steht immer bereit und die Anwesenden kennen die wirksamen Löschtechniken.

So einen Notfall habe es aber noch nicht gegeben, sagt Richter. „Bei einem Auftritt habe ich mir mal die Augenbraue weggekokelt“, erzählt die 21-jährige Isabelle Zentner aus Schwalbach, die die Feuer-Tricks bei einer Schul-AG erlernte. Das Wichtigste sei, stets genügend Sicherheitsabstand zum Publikum zu halten.

„Poispielen“, erklärt die junge Frau, „kann jeder lernen, aber man muss auch mit Rückschlägen umgehen können.“ Mit ihrer besten Freundin trainiert sie gerade Paarübungen. Wenn der Rhythmus zeitlich nicht perfekt aufeinander abgestimmt ist, kracht’s. Aber die beiden sind ein eingespieltes Team – schließlich üben sie fast jeden Dienstag zusammen.

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