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08. November 2012

Filmmuseum Frankfurt: Im Filmmuseum wird's echt goldig

 Von 
Golden guys in Frankfurt. Foto: Christoph Boeckheler

So viele Oscars gab’s außerhalb von Los Angeles noch nie zu sehen: Das Deutsche Filmmuseum erlaubt weltweit einmalige Einblicke ins Archiv der Academy of Motion Picture Arts and Sciences.

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So viele Berühmtheiten dürften seit der Zeit der Kaiserkrönungen nicht mehr in Frankfurt versammelt gewesen sein. Sean Connery, Steven Spielberg, Cate Blanchett, Natalie Portman, Daryl Hannah, Paul McCartney und sogar Marlon Brando und Humphrey Bogart laufen neben vielen anderen über den roten Teppich.

Gut, die Filmstars kommen nicht persönlich nach Frankfurt, manche sind ja schon tot. Seit Mittwoch aber scheint der Glanz Hollywoods über Frankfurt nicht nur auf Fotos, sondern ganz in echt, in Form von elf goldenen Statuen, die die ganze Welt als Oscars kennt. Das gab es noch nie, dass die Academy of Motion Picture Arts and Sciences eine Mannschaft ihrer Goldjungen ins Ausland verlieh. Wer es bis Los Angeles, wo die Academy jährlich die Oscars verleiht und sie auch eher selten ausstellt, nicht schafft, kommt bis Ende April besser nach Frankfurt. So lange zeigt das Filmmuseum die Ausstellung „And the Oscar goes to… 85 Jahre Bester Film“ über die berühmteste Filmpreisverleihung der Welt, laut Museum die erste ihrer Art überhaupt.

Ein einmaliger Glanz

Jeder kennt sie, aber nicht für jeden sind sie bestimmt. Ein Oscar muss verdient werden, habe Steven Spielberg gesagt, als er die zwei Goldstatuen für die Academy zurückkaufte, die einst an Clark Gable (für „Es geschah in einer Nacht“, 1935) und Bette Davis (für „Jezebel“, 1939) gingen und damals vor Weiterverkauf noch nicht per Klausel geschützt waren, so berichtet es Jessica Niebel. Als Kuratorin der Ausstellung muss sie es wissen, zumal Michael Kinzer als weiterer Kurator nicht widerspricht, den Niebel als allwissend in Sachen Oscar vorstellt.

Davis’ und Gables Oscars stehen an diesem Mittwoch in einer Reihe von elf Goldjungen, zehn mit Siegerplaketten, einer ohne. Man tritt Maximilian Schell und seinem Oscar, den er 1962 für seine Hauptrolle in „Das Urteil von Nürnberg“ gewann und der als Leihgabe in der Dauerausstellung des Filmmuseums steht, hoffentlich nicht zu nahe und auch nicht dem in diesem Jahr für die visuellen Effekte in Martin Scorseses „Hugo Cabret“ mit einem Oscar ausgezeichneten Frankfurter Studio Pixomondo, wenn man sagt: Von dieser Reihe geht ein einmaliger Glanz aus. Zumal im Besitz der Academy ja nur die wenigsten Trophäen sind, die meisten stehen ja bei ihren Gewinnern oder deren Erben.

Die Nummer 1 von 1929 ist auch da

Die Ausstellung

„And the Oscar goes to… 85 Jahre Bester Film“ ist vom 14. November bis 28. April 2013 in Frankfurt zu sehen, Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr.

Zum ersten Mal werden viele Stücke aus dem Archiv der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die seit 1929 die Oscars verleiht, außerhalb von Los Angeles gezeigt. Das Konzept der beiden Kuratoren Jessica Niebel und Michael Kinzer überzeugte die Academy, die vor Jahren auch die von Niebel kuratierte Anime-Ausstellung des Frankfurter Filmmuseums übernommen hatte.

Im Begleitprogramm laufen Oscar-prämierte Filme aus dem Academy Film Archive wie „All About Eve“ und „The Sound of Music“, dazu berichten deutsche Filmschaffende über ihren Oscar-Gewinn. Details unter www.deutsches-filmmuseum.de

Einmalig ist schon die Zusammenstellung: die Oscars für Clark Gable und Bette Davis neben denen für Ernest Haller, dem Kameramann in „Vom Winde verweht“, für den Schauspieler Harold Russell in „Die besten Jahre unseres Lebens“, für John Huston für die Regiearbeit bei „Der Schatz der Sierra Madre“, für Herbert Bragg als Entwickler des Cinemascope-Breitwandverfahrens, für Harold Hecht als Produzent von „Marty“, für Regisseur Billy Wilder für „Das Appartement“, für Sam Spiegel als Produzent von „Lawrence von Arabien“, für Regisseur Frank Borzage für „Das Glück in der Mansarde“ (im Original: „7th Heaven“).

Der letztgenannte Oscar ist doppelt interessant, er stammt von der allerersten und noch kaum beachteten Preisverleihung im Jahr 1929. Name des Preisträgers und Titel des Siegerfilms sind nicht wie bei den späteren Statuen auf einer Plakette am Sockel eingraviert, sondern auf einem Schildchen, das dem kleinen Mann vor die Brust gehängt wurde. Der Oscar begann also als goldener Ritter.

Glamour und Rätsel

Noch immer kämpft er für die große Illusionsmaschine Kino, für anrührende und freudespendende Filme, für Geschichten, die größer sind als das Leben. Oder? Michael Kinzer, 30 Jahre alt, verfolgt die Oscar-Verleihungsfeiern seit frühen Jugendtagen und begeistert sich noch immer „für die dort versammelt Menge an Stars, die Spannung vorm Öffnen der Briefumschläge mit den Gewinnernamen und dem vorangehenden Rätseln, welche Nominierten Chancen auf den Preis haben“.

Es sei ja auch nicht so, dass immer nur die allergrößten Produktionen gewännen, sagt der studierte Filmwissenschaftler, der seine Abschlussarbeit über preiswürdige Kriterien bei Oscar-Verleihung (beispielsweise Epen, Biografieverfilmungen) schrieb und dabei auch auf eine Menge Ausnahmen stieß. Immer wieder schlage auch mal ein Kleiner einen Großen. „Als die Megaproduktion ,Cleopatra‘ nominiert war, ging sie leer aus, stattdessen gewann mit ,Tom Jones‘ ein kleiner, hintergründiger Film“, pflichtet Jessica Niebel bei.

Gewohnter Rummel

Diese Episode wie auch andere Aspekte der Oscar-Geschichte illustriert das Filmmuseum mit Filmplakaten, Originalschriftstücken von Meistern wie Alfred Hitchcock, Storyboards (etwa zu „West Side Story“) und einer Menge Fotos. Im Mittelpunkt aber stehen die Oscars.

Jeder kennt sie, aber nicht für jeden sind sie bestimmt, schon gar nicht für jedermanns Hände. Das Auspacken der guten Stücke übernahm am Mittwoch die Academy-Konservatorin Jennifer Kim, die dafür eigens aus Los Angeles anreiste. Wieso der ganze Aufwand? „Na ja, sie sind unser größter Schatz“, sagt die Hüterin der Oscars. Ihre erste Transatlantikreise überstanden die Goldjungen übrigens gut, mit dem Rummel in den kommenden Monaten dürften sie umgehen können. Sie sind das ja gewöhnt.

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