Das also war die Keimzelle. Hier fing alles an. 1975 öffnete im Römer zum ersten Mal der „Literaturzirkus“. Und das war tatsächlich so gemeint. Autorinnen und Autoren lasen aus ihren Büchern – und zwischendurch gab es „zirzensische Einlagen“. Es moderierte Reinhard Hoffmeister.
Aus dieser ersten literarischen Veranstaltung der Stadt wurde später „Literatur im Römer“ – und das ist heute noch der Titel. Peter Weidhaas, der langjährige Direktor der Frankfurter Buchmesse (1975 bis 2000), erinnert sich: „Wir wollten damals unbedingt die Stadt miteinbeziehen und bei den Lesungen mehr Leute erreichen.“ Der damalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) setzte den „Literaturzirkus“ durch. Es kamen Ende der 60er Jahre politisch bewegte Zeiten, die auch die Veranstaltung im Römer nicht unberührt ließen. Die Studentenrevolte sorgte dort für manche Kontroverse. Zwischenzeitlich, das weiß Weidhaas noch, zog man auch einmal in ein Zirkus-Zelt auf dem Römerberg um.
„Literatur im Römer“ hat sich bis heute behauptet – nur Artisten treten keine mehr auf. Dafür bieten die zwei Abende am Mittwoch, 12. Oktober, und Donnerstag, 13. Oktober, wieder einen tollen Einblick in die Neuerscheinungen der deutschsprachigen Belletristik. Da ist zum Beispiel am ersten Abend Maja Haderlap zu erleben, mit ihrem Roman „Engel des Vergessens“. Die Kärntner Slowenin gewann mit Auszügen aus dem Buch den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Sie erzählt mit einer Familiengeschichte auch von Verfolgung zur nationalsozialistischen Zeit in ihrer Heimat.
Am gleichen Abend tritt aber auch Ilja Trojanow auf, der in seinem Roman „EisTau“ den Klimawandel als Hintergrund für eine dramatische Erzählung nimmt.
Am zweiten Abend ist etwa Sibylle Lewitscharoff mit ihrem Philosophie-Roman „Blumenberg“ zu hören – in dem plötzlich ein Löwe auf dem Wohnzimmer-Teppich sitzt.
Lewitscharoff steht ebenso auf der Short List des Deutschen Buchpreises wie Angelika Klüssendorf mit ihrer beklemmenden Geschichte „Das Mädchen“, die von Unterdrückung in der Familie erzählt. Auch Eugen Ruge ist zu treffen, der seinen bewegenden DDR-Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ vorstellt.
Es moderieren am 12. Oktober Sigrid Löffler und Gerwig Epkes, am Tag darauf Kathrin Fischer und Alf Mentzer. Der Eintritt ist wie immer frei, mit großem Andrang muss also gerechnet werden. (jg.)