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08. September 2011

Hessisches Eldorado: Goldrausch an der Eder

Goldsuche mit der ganzen Familie. Foto: Veit-Enno Hoffmann

Die Aktienkurse fallen, der Goldpreis steigt. Immer mehr Deutsche schürfen selbst nach dem Edelmetall. Auch in Hessen.

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Die Region um die Eder in Nordhessen ist derzeit ein noch beliebteres Reiseziel als ohnehin: Die Goldgräber sind los! Der Geologe Veit-Enno Hoffmann aus Kassel wusch schon an Flüssen auf der ganzen Welt Gold. Seit sechs Jahren leitet er gemeinsam mit Gerhard Stöbener Goldsucherkurse an der Eder.

Herr Hoffmann, Ihre Goldwaschschule hat normalerweise sehr überschaubare Besucherzahlen. Erleben Sie jetzt einen kleinen Goldrausch?

Ja, das kann man sagen. Die Zahl der Interessenten hat sich verdoppelt. In diesem Jahr haben schon fast 700 Leute bei uns Gold gewaschen. Sonst sind es 300 bis 350. Die Kurse sind so voll, dass wir jetzt zusätzliche Termine anbieten. Auch Schulklassen sind dabei.

Wie erklären Sie sich das?

Gold ist das magische Metall. Schon die Farbe hat einen Reiz. Jeder, der schon einmal selbst gewaschen hat und der aus Sand und Dreck auf einmal dieses glänzende Metall herauswäscht, der kriegt leuchtende Augen. Durch den gestiegenen Goldpreis haben jetzt deutlich mehr Leute mitbekommen, wie wertvoll Gold ist. Deswegen wollen sie das selbst ausprobieren. Sie staunen dann darüber, dass es Gold vor der Haustür gibt. Viele kaufen sich sogar eine eigene Pfanne.

Träumen die Menschen tatsächlich davon, mit dem Goldwaschen in Nordhessen reich zu werden?

Goldfieber
        

Veit-Enno Hoffmann aus Kassel, 31, promoviert an der Universität Göttingen über Datierungen von Gesteinen.

Die Körnchen, die in der Goldwaschschule entdeckt werden, sind nur für geübte Augen zu erkennen. Glänzende Pünktchen – nur etwa zwei Zehntel Millimeter groß – finden die Goldsucher in der Eder. Der Gewinn ist steuerfrei. Zudem winkt ein Goldwäscherdiplom.

Die Goldwaschschule hält ihre Kurse an jedem ersten Sonntag im Monat. Meist kommen Familien, Rentner und junge Männer. Sondertermine für Gruppen sind möglich. Die nächsten Termine sind am 10., 11. und 18. September, jeweils um 14 Uhr. Anmeldung: Tel. 0163/4054970, www.goldwelten.de

Eine Goldgräber-Tour bietet der Geopark Grenzwelten. Sie führt von den alten Stollen im Eisenberg über die Goldfunde im Korbacher Museum bis zur Talsperre. Mehr dazu unter www.geopark-grenzwelten.de

Einzelne Leute wollen wirklich damit Geld verdienen. Wir hatten mal einen Hartz-IV-Empfänger dabei, der sein Gehalt aufbessern wollte. Der war auch mit großem Einsatz dabei und hat sich ausgerechnet, auf wie viel Euro er kommt, wenn er eine gewisse Menge Gold findet. Das ist aber die Minderheit.

Wie viel Gold kann denn ein erfahrener Goldwäscher aus der Eder herausholen?

Ich würde sagen, dass es schwierig wird, mit einem Tag Arbeit die Kosten für ein Abendessen hereinzuholen. Man findet hier ja keine Nuggets, sondern feinen Goldstaub. Und es ist harte Arbeit. Ein Job am Schreibtisch bringt mehr Geld.

Wie viel Ederkies muss man auswaschen, um ein Gramm Gold zu gewinnen?

Für ein Gramm Edergold muss man 50 Tonnen Sand auswaschen. Wenn man richtig gut ist, schafft man das in zehn Tagen. Der Goldpreis liegt zur Zeit bei etwa 40 Euro pro Gramm. Weil das Edergold so selten ist, zahlen Mineraliensammler aber teilweise mehr als das Zehnfache.

Was lernen die Goldsucher bei Ihnen?

Sie lernen das Goldwaschen mit der Goldwaschpfanne. Das ist das grundlegende Werkzeug, das jeder Goldgräber beherrschen muss. Damit kann man sehr schnell sehen, ob im Sand eines Baches ein paar Körnchen vorhanden sind. Ich erkläre, wie das Gold in den Bach kommt und an welchen Stellen es sich anreichert. Ein bisschen Goldstaub nimmt fast jeder mit nach Hause.

Wie viel Gold steckt noch in den Ederauen?

Wir haben hier noch mindestens 35 Tonnen Gold. Das erstreckt sich aber über Fließgewässer von fast 70 Kilometern.

Der nahe gelegene Eisenberg birgt die größte Goldlagerstätte Deutschlands. Würde es sich lohnen, das Gold aus dem Berg abzubauen?

        

Wer wäscht, der findet: Das galt schon 1898 am Klondike River in Kanada.
Wer wäscht, der findet: Das galt schon 1898 am Klondike River in Kanada.
Foto: Getty

Nach der offiziellen Meinung liegt im Eisenberg ungefähr eine Tonne Gold, die sich auf ganz kleine Bereiche verteilt, so dass sich der Abbau nicht lohnt. Ich bin aber davon überzeugt, dass dort eher zehn Tonnen liegen. Das würde sich ökonomisch durchaus tragen. Allerdings ist Goldbergbau sehr umweltschädlich. Es wird zum Beispiel mit dem giftigen Cyanid gearbeitet. In Goldhausen wohnen aber eine Menge Menschen, die das Bergwerk sicher nicht in ihrem Garten haben wollen. Heute ist die touristische Nutzung viel gewinnbringender.

Gibt es noch mehr bedeutende Fundstellen in Deutschland?

Im Rhein kann man an einigen Stellen sehr schöne Flitter und relativ viel Gold finden. Auch im Thüringer Wald gibt es Gold. Aber generell ist die Eder natürlich ein besonders spannendes Gebiet für Goldgräber.

Wie viel Gold haben Sie schon gefunden?

Schon einige Gramm. Das meiste kommt aus Italien, aus Schweden, aus verschiedenen Stellen in Deutschland und aus der Türkei. Inzwischen reicht es für zwei Eheringe. Ich möchte aber Gold aus allen Erdteilen darin haben. Australien fehlt mir noch.

Das Interview führte Gesa Coordes.

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