Samurai, Sushi, Sake und Konnichiwa. Meine Japanischkenntnisse sind schnell erschöpft und beschränken sich auf wenige Worte, die von Speisekarten japanischer Restaurants oder von zufälligen Zusammentreffen mit japanischen Reisegruppen auf dem Frankfurter Römer herrühren. Japanisch zu lernen muss doch wahnsinnig anstrengend und zeitraubend sein. Oder?
Schenkt man dem Mini-Sprachkurs des Fachverlags Pons Glauben, ist alles gar nicht so schwer. Nach nur fünf Stunden könne man mitreden, heißt es da. Das muss ich ausprobieren. Die japanische Sprache fasziniert mich seit jeher. Nur schreckten mich die geheimnisvollen Schriftzeichen, deren Bedeutung sich mir nie erschlossen hat, immer ab. Eine ganz andere Schrift zu lernen, das heißt ja, wie in der Grundschule von vorne anzufangen. Da gab es viele Sprachen, bei denen man schneller Erfolge erzielen konnte. Das gesprochene Japanisch ist nicht weniger kryptisch.
Schnellkurs: „Mini-Sprachkurs Japanisch“ von Angela Kessel, Pons-Verlag Stuttgart, 6,99 Euro.
Bessere Sprachkenntnisse vermitteln professionelle Lehrer in zahlreichen Sprachkursen. Die werden zum Beispiel beim Japanischen Kultur- und Sprachzentrum in Frankfurt, Roßmarkt 13, angeboten. Mehr dazu unter www.japanisch-sprachzentrum.de
Auch die Volkshochschule bietet Japanisch-Kurse an: Japanisch für Anfänger, VHS Frankfurt, Sonnemannstraße 13. Nächster Kurs ab 14. Februar, Unterricht dienstags von 18.30 bis 20.45 Uhr, 15 Wochen lang. Teilnehmer zahlen 160 Euro.
Weitere Kurse in Hessen unter www.hessen.vhs-bildung.de
2100 Kanji und jeweils 46 Zeichen
Erfolg in fünf Stunden, das ist natürlich ein niedrigschwelliges Angebot. Etwas skeptisch, aber hochmotiviert schlage ich das Schnellkursbuch auf. Es beginnt mit dem japanischen Schriftsystem. Hiragana und Katakana heißen die beiden Silbenalphabete, die, als wäre das nicht schon verwirrend genug, in Kombination mit den chinesischen Schriftzeichen, Kanji genannt, benutzt werden. Insgesamt sind es rund 2100 Kanji und jeweils 46 Zeichen der beiden Silbenalphabete. Ich schlucke. Allein das zu lernen, dauert ewig. Eine Kollegin berichtet, sie habe fünf pro Woche gelernt. Jahrelang. Das sei „harte Arbeit“ gewesen. Sie kenne noch längst nicht alle.
Doch alles ist halb so wild. Das Buch benutzt die anfängerfreundliche lateinische Transkription. In Japan kommt man damit zwar nicht weit, nur wenige Schilder sind nicht nur mit Kanji beschriftet. Mangas auf Japanisch erschließen sich mir auch nicht. Aber mein Fünf-Stunden-Lernziel heißt Mitreden, nicht Lesen oder Schreiben. Da darf ich mich mit den Schriftzeichen nicht aufhalten.
In 25 kleinen Lektionen auf jeweils vier Seiten werden Themen rund um Urlaub und Alltag behandelt. Ich merke schnell: Fünf Stunden reichen nicht. Lektionen samt dazugehörige Audiodateien abzuarbeiten schafft man zwar – zeitaufwendig sind die Vokabeln.
Ich lasse mich nicht entmutigen
Nach einer Viertelstunde habe ich die wichtigsten Ausspracheregeln halbwegs verinnerlicht. Ei wird „e-i“ ausgesprochen, das e dabei stärker betont; ein j wird wie im englischen Japan ausgesprochen. Manche Wörter kommen einem dabei durchaus bekannt vor, erinnern an das Englische. Baiku etwa heißt Motorrad. Im Japanischen wird ein kurzes u in vielen Fällen fast verschluckt, so dass baiku wie bike klingt. Spanien heißt supein und wird ähnlich wie Spain ausgesprochen. Einige Wörter richtig auszusprechen, klappt also schon mal. Ein erstes Erfolgserlebnis! Das sei toll am Japanischen, sagt meine erfahrene Kollegin, am Anfang lerne man recht schnell. Doch das höre ziemlich schnell wieder auf. Ich lasse mich nicht entmutigen.
„wakarima sen“, „Ich verstehe nicht“
Der Satz „Japanische Nomen besitzen weder Singular- und Pluralformen noch eine weibliche und männliche Form“ gibt mir Zuversicht. Auch Verben sind leicht zu lernen, sie werden nicht gebeugt. Das bedeutet aber, dass man unbedingt den Satzzusammenhang verstehen muss. Die japanische Sprache hält noch andere Hürden bereit: Hilfswörter, sogenannte Partikeln. Sie markieren Ortsangaben, Fragen und vieles mehr.
Nach den 25 Lektionen wage ich den Praxistest. Ich bestelle in einem japanischen Café einen Tee. „O-cha wo hitotsu kudasai“, sage ich. Die Bedienung nickt und ein strahlendes Lächeln macht sich auf ihrem Gesicht breit. Dann prasselt ein japanischer Redeschwall auf mich ein, auf den ich nur entschuldigend lächelnd „wakarima sen“ antworten kann. Das bedeutet „Ich verstehe nicht“. Das habe ich mir gemerkt.
Verdutzte Gesichter, fragende Blicke beim Praxistest
Die Bedienung nickt wissend, lächelt höflich und bringt mir den Tee. Immerhin. Ich schaffe es sogar, auf Japanisch nach dem Preis zu fragen: „Ikura desu ka?“ Steht zwar auch in der Karte, aber ich will ja wissen, ob sie mich versteht. Tut sie und antwortet, diesmal langsam und deutlich: „San yuuro goju cent desu.“ Drei Euro und 50 Cent. Zur Sicherheit werfe ich aber doch einen Blick in die Karte, bevor ich bezahle.
Den nächsten Härtetest stellt eine Konfrontation mit einer japanischen Reisetruppe vor der Paulskirche dar. Ich stelle mich auf Japanisch vor, nenne meinen Nachnamen zuerst, wie es sich gehört und frage, wo mein Gegenüber herkommt. Ich ernte verdutzte Gesichter, fragende Blicke, aber bevor die Gesichtszüge zu entgleisen drohen, stellt sich das höfliche Lächeln ein. Immerhin erfahre ich, dass die Gruppe aus Sapporo kommt. Das war es aber auch. Kommt eine andere Antwort als eine im Schnellkursbuch vorgegebene, verstehe ich nicht viel.
In etwas mehr als fünf Stunden habe ich einen groben Überblick über das Japanische erhalten und beherrsche erste simple Sätze. Mitreden kann ich aber noch lange nicht. Dafür braucht es dann doch mehr Zeit. Oder einen Urlaub in Japan.