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Junge Eltern: Mein kleiner Sohn, die Windel und ich

Das Neugeborene zu wickeln, ist für viele Eltern eine Herausforderung. Unser Autor kennt alle Höhen und Tiefen.

        

Hält das Baby beim Windelwechsel mal still, erfreut dies das Vaterherz gar sehr.
Hält das Baby beim Windelwechsel mal still, erfreut dies das Vaterherz gar sehr.
Foto: Miss X / photocase.com

Es gibt viel wichtigere Fragen im Leben als: Ist die Erde rund oder eine Scheibe? Kommunismus oder Kapitalismus? Sein oder Nichtsein? Die zentrale Frage ist: Wickeln oder nicht wickeln? Einmal habe ich „nicht wickeln“ gewählt. Unser Sohn, der zu dem Zeitpunkt noch keine zwei Monate alt war, hatte gerade gut gegessen, seine Augen schlossen sich langsam, sein Köpfchen senkte sich, die Arme ergaben sich der Schwerkraft. Ein seliger Zustand.

Und dann: ein Riesenpups! So laut, dass Max zuckte, die Augen aufriss, die Arme zur Brust zog, mit den Beinen zappelte. Und dann rasch wieder einschlief. Na also, dachte ich. Wenn er schläft, schläft er. Dann muss ich ihn nicht wickeln. Das war ein Fehler. Und FEHLER kann ich gar nicht groß genug schreiben.

Das hilft

Der Griff: Einfach an den Beinchen hochziehen - das ist nicht mehr gern gesehen. Wer aus Versehen zu stark zieht oder zu hoch, kann im schlimmsten Fall den kleinen Hüften schaden. Am besten greifen Sie mit der linken Hand, nehmen Sie das Baby am linken Oberschenkel, dann liegt das rechte Bein ebenfalls auf Ihrem Arm. Nun können Sie das Becken leicht hochdrücken und die Windel drunter hervorziehen.

Der wunde Po: Viele Säuglinge müssen mit einem entzündeten Po kämpfen. Dagegen werden alle möglichen Cremes empfohlen, die möglichst Zink enthalten sollen. Günstig sind diese Cremes nicht und ehrlich gesagt hat keine der drei getesteten geholfen. Was dagegen die Rötung bei Max verschwinden ließ, war Heilwolle. Diese weiche Schafwolle enthält natürliches Fett. Das hilft und riecht angenehm. Bei voller Windel nimmt sie zusätzlich Feuchtigkeit auf. Wir bilden uns ein, dass Max damit besser schlief.

Max schlief seine drei Stunden, als ob nichts gewesen wäre. Das ist seine gewöhnliche Power-Nap-Phase. Nachdem er dann Kraft gesammelt hatte, hatte er wie selbstverständlich damit gerechnet, bereits gewickelt worden zu sein. Nach dem Aufwachen muss der Schreck riesig gewesen sein. Ich hätte nie gedacht, dass seine kleinen Lungen und seine Stimmbänder so einen Sound hervorbringen. Er schrie. Und er schrie laut. Das ist jetzt drei Wochen her. Das Piepen in meinen Ohren wird langsam leiser. Heute weiß ich: im Zweifel wickeln. Aber auch diese Entscheidung hat Tücken.

Sind Sie zufällig mal in einem Drogerie-Markt an einem Windelregal vorbeigegangen? Mehr als ein Dutzend verschiedene Windel-Typen liegen da aus. Schnell was kaufen, das funktioniert nicht. Schuhe kaufen mit meiner Frau – das geht schnell.

Das kleine Würmchen windet sich

Beim Windel-Kauf hat man eine Auswahl aus extra-trocken und extra-fit, extra-soft und extra-öko. Und diese Öko-Windeln, die sollte man verbieten. Nicht, dass ich etwas gegen Öko habe. Ganz im Gegenteil, bloß: Die konfrontieren mich jedes Mal mit meinem Über-Ich. Es verlangt, an die Zukunft meines Sohnes zu denken, an den sauberen Planeten, grüne Wiesen, blaue Seen … Und dann schreit mein Ich gegen das Über-Ich an: „Und wer denkt an die vollgemachten Hosen? Schmutzige Bodys? Nasse Bettlaken mitten in der Nacht?“ Solange Öko-Windeln nicht absolut dich halten, bleiben die im Regal! Pampers gegriffen und los geht’s.

Und dann der Moment der Momente: mein Sohn, die Windel und ich. Dieses kleine Frankfurter Würmchen wand und reckte sich, schlug die Papiertücher vom Wickeltisch, zog die Knie so an, dass die Windel nicht mehr richtig unter ihm lag – manchmal dauerte das Prozedere so lange, dass er Zeit fand, die neue Windel gleich wieder vollzumachen.

In seinen ersten Lebenstagen hatte ich beim Wickeln so allerlei Fantasien. Ich glaube, ich weiß jetzt, wie die Folterbank erfunden wurde. Die Ärmchen oben in Ketten legen, dann ginge das Wickeln leichter.

Eines Tages war ich zu müde, um seine Arme und Beine still zu halten. Er wedelte und tanzte damit schneller in der Luft, als ich seine vier Glieder greifen konnte. Mir gelang es schließlich, einen Fuß zu fassen. Und aus schierer Verzweiflung, dass Kraft nichts bringt, begann ich seinen Fuß zu massieren. Einige Sekunden noch zuckte er in meiner Hand, dann spürte ich, wie Max sich beruhigte, seinen Fuß in meiner Hand locker liegen und mich ohne Gegenwehr den anderen Fuß nehmen ließ. Da lag er also, die Windel voll, die Beine gestreckt, die Arme ausgebreitet, als möchte er die ganze Welt umarmen.

Eine Fussmassage erleichtert den Wechsel

Ich löste die Klebestreifen an der Windel, öffnete sie langsam und dann, was für gewöhnlich in einem Gladiatorenkampf mündete, hob ich Max ohne Probleme mit meiner linken Hand leicht an und zog die Windel unter im weg. Der Kleine lag immer noch entspannt da und streckte mir seine Füße entgegen. Sobald ich spürte, dass er sie wegziehen wollte, massierte ich sie noch stärker und er entspannte sich erneut.

In der Zwischenzeit hatte ich seinen Po abgewischt, eine neue Windel ausgebreitet und unter ihn gelegt. Max atmete nun viel ruhiger, hechelte kaum noch, ließ seine Arme ruhen und blickte mich an. Wie habe ich das bloß geschafft? Streicheln, massieren, zureden – geht es wirklich so einfach? Oh nein, so einfach ist es nicht. Es funktioniert mal und mal nicht.

Was mich am Prozess des Wickelns bis heute beeindruckt, dass eine gebrauchte Windel ein Vermögen wert ist. Das denken sich zumindest die Hersteller von Hightech-Windelmülleimern. Die Firmen haben ein zentrales Grundbedürfnis vieler moderner Eltern erkannt: Man möchte ein Baby, aber es darf zu Hause nicht die Luftqualität beeinträchtigen. Deshalb gibt es jetzt Mülleimer, die den Inhalt luftdicht verschließen und zwar jede Windel einzeln.

Das Geschäft hierbei funktioniert wie bei Tintendruckern und den Patronen: Der Eimer kostet fast nichts, die Müllbeutel dagegen umso mehr. Und da sag einer, aus Baby-Pups ließe sich kein Geld machen.

Autor:  Nikolas Adams
Datum:  1 | 2 | 2012
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