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Schwimmen: Zug um Zug

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Unsere Autorin lässt sich von dieser alten Weisheit nicht beeindrucken. Sie will das Kraulschwimmen lernen.

        

Noch lacht sie: die Autorin mit Handflossen.
Noch lacht sie: die Autorin mit Handflossen.
Foto: Michael Schick (2)

Im Schwimmbad gibt es für mich nur zwei Gruppen von Schwimmern: Diejenigen, die gemächlich vor sich hinpaddeln und den Kopf aus dem Wasser gestreckt haben wie Schildkröten. Und die anderen. Sie gleiten pfeilschnell durchs Wasser und ziehen Bahn für Bahn scheinbar mühe- und schwerelos. Leider ist für mich das Kraulen bisher ein Mysterium geblieben. Doch ich möchte es schon lange können, vielleicht sogar mal einen Triathlon machen. Nur wie? Die Technik des Kraulens habe ich nie gelernt, autodidaktische Versuche scheiterten kläglich. Also einen Schwimmkurs buchen. Glücklicherweise hat der örtliche Verein einen Kraulkurs für Erwachsene im Angebot. Voraussetzungen laut Internetseite: sportliche Ambitionen, schwimmerische Grundkenntnisse und durchschnittliches Ausdauervermögen. Das klingt machbar.

Allein unter Wasserratten

KraulKurse

Der TV Langen bietet regelmäßig Kraulkurse im Langener Hallenbad an, den nächsten ab 10. Januar. Die Kursgebühr beträgt 100 Euro für zehn Termine. Anmeldungen unter www. tvlangen-schwimmen.de/kurse, weitere Auskunft gibt Trainer Norbert Herth, Telefon 0177/6060808.

In Frankfurt gibt es im Panoramabad Bornheim, im Hallenbad Höchst und in den Titus Thermen Kurse, die im Januar beginnen. Kurse mit sieben Stunden kosten 90 Euro, Kurse mit zehn Stunden 120 Euro Gebühr. Informationen zu Zeiten und zur Anmeldung auf der Homepage der Bäder-Betriebe Frankfurt: www.bbf-frankfurt.de, Menü Kurse.

In Wiesbaden finden Kraulkurse im Hallenbad Kleinfeldchen statt, zehn Stunden für 100 Euro. Auskunft unter www.wiesbaden.de, Menü Sport.

        

Auch nach dem Kurs heißt es: üben, üben, üben.
Auch nach dem Kurs heißt es: üben, üben, üben.

Zur ersten Stunde versammelt sich die zehnköpfige Truppe am Beckenrand, ausgerüstet mit Schwimmbrillen und Flossen. Beim kurzen Smalltalk merke ich, dass die meisten äußerst wasseraffin sind. Einige tauchen im Verein, ein Teilnehmer macht Unterwasser-Rugby, und auch ein mehrmaliger Ironman-Finisher ist dabei. Ich dagegen kann außer dem Seepferdchen keine nennenswerten Erfolge im Wasser vorweisen. Im Gegenteil: Ich habe sogar eine leichte Phobie davor, zu lange unter Wasser zu bleiben. Ob das gute Voraussetzungen sind? Zum Flüchten ist es zu spät: Trainer Norbert Herth, ehemaliger Hessenmeister und Schwimmer der 2. Bundesliga, ist gekommen und erklärt den Trainingsplan. In drei Monaten, so meint er, könnten wir alle kraulen. Ich bleibe erst mal.

In den kommenden Wochen werden uns folgende Folterinstrumente begleiten: Der Pull Buoy, eine Zugboje, die – zwischen die Beine geklemmt – Auftrieb gibt; die Paddles, Teller aus Plastik, die an die Hände geschnallt werden und diese zu Schaufeln mutieren lassen; und natürlich Schwimmflossen.

Hinein ins Becken. Wir sollen zeigen, was wir können. In meinem Fall also gar nix. Ich rudere mit den Armen, zucke mit den Beinen und verschlucke mich. Hoffentlich hat der Bademeister das im Blick und fischt mich zur Not raus. „Sieht bei allen schon mal ganz gut aus“, meint Trainer Norbert, offenbar ein Motivator. Nun mit Flossen. Wunderbar. Geht schon viel besser. Der Hintern hängt nicht mehr so durch. Federleicht gleite ich durchs Wasser. Von den Armzügen sprechen wir erst mal nicht.

Zweite Stunde: Es geht gar nichts. Ich bin total verkrampft, kann Arme und Beine nicht koordinieren. Von der Atmung ganz zu schweigen. „Locker bleiben“, ruft mir Norbert vom Beckenrand zu. „Und nicht so viel nachdenken.“ Wir üben, mit einem Arm zu kraulen. Ich kann dabei aber nicht gerade schwimmen und verheddere mich entweder in der Abgrenzungskette oder kollidiere mit dem Schwimmer auf der Bahn rechts neben mir. Beim Skifahren nennt man so jemanden, glaube ich, Pistendepp.

Zu schwach für die Maus

Dritte Stunde: Wir sollen ganz entspannt gleiten. Ich fühle mich ohne Flossen eher wie ein Keil aus Blei, der durchs Wasser pflügt. Ob das jemals was wird? Wir üben das Abschlagschwimmen. Ein Arm wird vom anderen abgelöst, die Flossen dürfen wir glücklicherweise anziehen. Am nächsten Tag kann ich vor lauter Muskelkater die Computermaus kaum halten.

Vierte Stunde: Norbert stellt eine Steigerung „um 100 Prozent“ fest. Das motiviert. Aber ich schaffe es nicht, eine 50-Meter-Bahn durchzukraulen. Ich habe zu viel Luft in der Lunge, komme mit der Atmung durcheinander. Wasser läuft in Nase, Ohren, Hals. Ich muss eine Übung mit dem Schwimmbrett machen. Mit den Beinen paddeln, Kopf nach unten, alles ausatmen. Nun kommt der Pull Buoy dran. Ich klemme ihn zwischen die Oberschenkel. Nach wenigen Metern habe ich die Boje verloren, sie treibt am Rand. Ein hoffnungsloser Fall!

Das bleibt auch in den folgenden beiden Stunden so. Erst in der siebten Stunde wird Licht am Schwimmbeckenrand sichtbar. Ich schaffe es, eine Bahn ohne Flossen durchzukraulen. Nun heißt es üben, üben, üben. Denn bei einer Bahn soll es nicht bleiben. Ich will ja in die Gruppe der pfeilschnellen Gleiter.

Autor:  Jasmin Schülke
Datum:  2 | 1 | 2012
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