Nun ist sie wieder überall zu sehen, die Krippe mit dem Christuskind, davor die Heiligen Drei Könige und über ihnen ein Stern, der die edlen Herren mit Geschenken im Gepäck zur biblischen Stätte geführt haben soll. Im Matthäus-Evangelium ist zu lesen, wie die drei Weisen den Weg nach Bethlehem fanden: „Ein Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis er ankam und über dem Ort stillstand, wo das Kindlein war.“ Zeugen soll es auch gegeben haben, Hirten, die zu dieser Zeit auf dem Feld waren.
Was ist dran an dieser Himmelserscheinung, die vor mehr als 2000 Jahren aufgetaucht sein soll? Gab es den Stern von Bethlehem wirklich? Selbst in Rom, an höchster theologischer Stelle, gibt es dazu keine befriedigende Auskunft: „Wir wissen nicht, was die Hirten gesehen haben“, sagte der Vatikan-Astronom Guy Consolmagno im Interview mit der Vatikanzeitung Osservatore Romano.
Also ein Anruf bei der Sternwarte in Frankfurt. Die Astronomen müssen Licht ins 2000 Jahre alte Dunkel bringen. Dort werde ich an Friedrich Volck verwiesen. Der Physiklehrer hat sich mit den Theorien rund um den Stern von Bethlehem beschäftigt, von denen drei immer wieder diskutiert werden. Eine davon ist, dass die Weisen einen Kometen erblickt haben könnten. Eine These, die auch vom Florentiner Maler Giotto di Bondone aufgegriffen wurde. Er stellte in seinem Fresco „Anbetung der Könige“, das er um 1304 und 1305 in Padua erschuf, einen Stern mit Schweif über der Krippe dar. Giotto hatte 1301 den Halleyschen Kometen beobachtet und diesen in seinem Werk verarbeitet. Die Sensation in Giottos Werk ist die erste realistische Darstellung eines Kometen.
„Der Halleysche Komet kann es nicht gewesen sein“, sagt Volck. Er besucht auf seiner Bahn um die Sonne nur alle 76 Jahre das Zentrum unseres Sonnensystems und war viel früher sichtbar, nämlich im Jahre 12 vor Christus. Und dessen Geburtsjahr wird heute zwischen 7 und 4 angesetzt. Generell gegen einen Kometen spreche, dass er im antiken Volksglauben mit Unheil in Verbindung gebracht wurde.
Könnten die drei Weisen eine Sternenexplosion, eine sogenannte Supernova, gesehen haben und dieser bis zur Krippe gefolgt sein? „Es gibt Hinweise, dass in China 4 vor Christus eine Supernova am Himmel zu beobachten war“, so Volck. Allerdings sei diese nicht hell genug gewesen.
Und wie sieht es mit einer besonderen Planetenkonstellation am Firmament aus? Der Astronom Johannes Kepler errechnete im 17. Jahrhundert, dass es im Jahr 7 vor Christus eine dreifache Begegnung von Jupiter und Saturn im Sternbild Fische gegeben hat. Jedoch verschmolzen die Planeten nie zu einem einzigen Himmelskörper. Auch mit bloßem Auge hätte man zwei getrennte Sterne gesehen.
Auch andere Planeten-Begegnungen werden im Zusammenhang mit dem Weihnachtsstern-Mythos genannt: So kamen sich zwischen 3 und 2 vor Christus auch Jupiter und Regulus sowie Jupiter und Venus optisch sehr nah. Diese passen dann allerdings nicht mehr zum Geburtsjahr Christi.
„Ich finde viel am Sternenhimmel und habe zu wenig Informationen aus glaubwürdigen Quellen“, meint Volck. Auf eine der Theorien festlegen will er sich nicht.
So scheint es bis heute keine schlüssige Erklärung für den Stern von Bethlehem zu geben. Was die drei Weisen aus dem Morgenland gesehen haben, wissen wir nicht. Der Stern gehört zur Weihnachtsgeschichte und ist vor allem als Symbol zu sehen, das der Geburt Jesu Bedeutung verleihen soll.