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10. Dezember 2012

Tanzen : Die HipHop- Familie

 Von Antonia Yamin
Leben seit fünf Jahren zusammen: Kris Zcham Krauß (links), Truong Hai Le und Truong Giang Le (unten).  

Drei Frankfurter tanzen wie Stars und haben gemeinsam ihren Traum verwirklicht – mit der Tanzschule Groove Dance Classes. Unsere Autorin hat sie besucht.

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Drei Frankfurter tanzen wie Stars und haben gemeinsam ihren Traum verwirklicht – mit der Tanzschule Groove Dance Classes. Unsere Autorin hat sie besucht.

Die riesigen Fenster im Tanzraum von Groove Dance Classes sind beschlagen. Draußen ist es kalt, aber drinnen in der Frankfurter Tanzschule ist es heiß, sehr heiß. Auf den 150 Quadratmetern, die die zwölf Meter lange Spiegelwand noch größer erscheinen lässt, verwandelt sich jeder, der sich genug einsetzt, in einen kleinen HipHop-Star.

Mantas Rimeikis, 20 Jahre alt, ist schon 45 Minuten vor der HipHop-Stunde da, um die Choreografie von voriger Woche zu üben. Er ist sehr groß, hat eine schlanke Figur und trägt einen grauen Trainingsanzug. Auf den ersten Blick sieht er ein bisschen schüchtern aus. Aber wenn er anfängt zu tanzen, total konzentriert auf seine Moves, bemerkt man sofort die Veränderung. Er blüht dann zu einem selbstbewussten Tänzer auf.

HipHop - Schulen

Groove Dance Classes, Frankfurt, Wächtersbacher Straße 76,
Telefon 0176/62020820; Fitness Factory in Hanau, Kinzigheimer Weg 102.

Brothers and Stylez, Frankfurt,
Hanauer Landstraße 213,
Telefon 069/90430270.

Motionz - Hip Hop und Streetdance School, Frankfurt, Tanzraum, Alt-Bornheim 42, Tel. 0162/2414902; Darmstadt, Tanzwerkstatt,
Spreestraße 2.

Da F.U.N.K, Activ Sports, Wiesbaden, Moritzstraße 5, Tel. 0821/7106299.

Donatos Dance Coaching, Aschaffenburg, Friedhofstraße 41, Telefon 0178/1863184; Offenbach, Tanzschule Weiss, Geleitstraße 40.

Rimeikis verließ Litauen und zog nach Frankfurt, nachdem er seine jetzigen Tanzlehrer auf YouTube gesehen hatte. Drei von diesen Jungs – Kris Zcham Krauß, Truong Giang Le und Truong Hai Le – haben nämlich HipHop zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. Ohne viel Kapital, ohne externe Hilfe, nur mit dem Traum, so zu tanzen wie der US-Star Usher, haben sie ein kleines Frankfurter HipHop-Imperium aufgebaut.

Kris Zcham Krauß hat vor zehn Jahren mit dem Tanzen angefangen. „Ich hab Disco Fox, Cha-Cha-Cha, Rumba und Walzer in einer Tanzschule in Hanau erlernt“, erinnert sich der 27-Jährige. „Aber ich wusste auch, dass diese Standardtänze nichts mit dem zu tun haben, was ich im Fernsehen gesehen habe.“ 2004 lernt er zufällig eine private HipHop-Gruppe in Offenbach kennen. Dort traf er Truong Hai Le, heute 31 Jahre alt, und über ihn auchdessen jüngeren Bruder, Truong Giang Le, heute 28 Jahre alt.

Mehr als 20.000 Youtube-Fans

Heute, nachdem sie fünf Jahre lang HipHop an der Zeil und in Bornheim unterrichtet haben, leiten die jungen HipHop-Tänzer eine eigene Tanzschule in Frankfurt mit über 100 Schülern – auf YouTube folgen ihnen angeblich mehr als 20.000 Fans. Im Oktober eroberten sie den ersten und dritten Platz der Deutschen DTA HipHop & Videoclip Meisterschaft mit ihren zwei HipHop-Gruppen, Groove Dance Company und I Groove.

Ein Blick auf die YouTube-Kommentarwand reicht, um zu verstehen, wie die drei rüberkommen. „I think that was the BEST choreo EVER!!! congrats guys from italy“, steht dort oder: „The guy on the left is totally hot“, oder: „you are so cool guys“. Das sind nur einige Beispiele. Die Mitglieder der Gruppe sind jung, schön, erfolgreich – und sie tanzen wie Superstars.

Die drei, die sich als eine Familie sehen, sind heute gleichberechtigte Inhaber und Geschäftsführer der Tanzschule. Krauß und der ältere Le geben Tanzunterricht, dessen jüngerer Bruder kümmert sich um Organisatorisches und Finanzen. In diesem kleinen Unternehmen kommt keine Entscheidung zustande, ohne dass alle drei zustimmen.

Die HipHop-Familie lebt schon fast fünf Jahre lang zusammen in einer WG. „Unser Alltag läuft locker ab. Unsere WG hat keine speziellen Regeln, auch keinen Putzplan. Wir sind fast immer zusammen und wenn wir nicht gerade tanzen, dann gehen wir gemeinsam aus, gucken Serien an oder spielen miteinander Computerspiele“, sagt der jüngere Le. Und obwohl ihre Schule das Image einer Tanzfamilie pflegt, bleibt die Qualität am wichtigsten für sie. „Das kann man aber nur erreichen, wenn man wirklich versucht, in jedem Kurs mitzumachen“, sagt der jüngere Le.

Gina Casciaro, 22 Jahre alt, fährt viermal in der Woche 45 Minuten von Neu-Isenburg zum Unterricht nach Frankfurt. „Die Stimmung in den Kursen ist einfach klasse, und wirklich jeder kann mitmachen“, schwärmt sie. Ihr Lieblingsstil ist Slow Jam. „Weil der so gefühlvoll ist, gibt es manchmal Schüler und Schülerinnen, die einfach anfangen zu weinen“, erzählt sie.

HipHop ist auf vielen Tanzbühnen angesagt. Er zieht nicht mehr allein die ganz Jungen an, sondern auch Endzwanziger wie Julia Otto. Die 29-Jährige hatte selbst eine Tanzschule in Aschaffenburg, bis sie vor einem Jahr die Firma ihres Vater übernommen hat. „Ich habe ein ganzes Jahr nicht getanzt, weil ich mich auf die Arbeit konzentrieren musste.“ Vor anderthalb Monaten habe sie sich gedacht: „Genug. Ich muss wieder tanzen, selbst wenn es nur als Hobby ist.“ Dass die meisten Schüler Anfang 20 sind, stört sie nicht. „Tanzen hat kein Alter“, sagt sie.

Obwohl die drei Freunde in relativ kurzer Zeit eine erfolgreiche Tanzschule in Frankfurt aufgebaut haben, blicken sie bescheiden in die Zukunft. „Wir haben nicht den Traum, Deutschland zu verlassen und nach Amerika zu ziehen, auch wenn man dort vom Showbusiness besser leben kann“, sagt Krauß. „Deutschland ist unser Zuhause, und wir werden hier weiter tanzen.“

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