Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Freizeit
Ausstellungen, Theater und Sport - Was ist los in Frankfurt?

03. Januar 2012

Tragetuch: Bindung fürs Leben

 Von Sabine Balk
Bea Riexinger mit Raban, fünf Monate, und Halvor, zwei Jahre.

Viele Babys wollen sich am liebsten dauernd an Mama oder Papa schmiegen. Ein Tragetuch hilft dabei, sofern man mit dem meterlangen Stoff umzugehen weiß. Wer unsicher ist, fragt eine Trageberaterin.

Drucken per Mail

Bei Bea Riexinger sieht alles ganz einfach aus. Sie hebt Söhnchen Raban von der Couch auf und setzt ihn in die Tuchschlinge, die vor ihrem Bauch hängt. Geschickt richtet sie die Tuchenden, die über ihren Schultern bis zum Boden hängen, erst mit der einen, dann mit der anderen Hand auf den Schultern zurecht. Sie kreuzt die meterlangen Enden hinter ihrem Rücken, zieht sie an der Hüfte wieder vorbei zum Bauch und bindet unter dem Po des Babys einen Knoten. Und schon sitzt der fünf Monate alte Raban bequem und zufrieden im Tragetuch, an Brust und Bauch seiner Mutter geschmiegt.

Anne Afgin und ihr Mann Shay staunen nicht schlecht. Die 31-Jährige müht sich selbst mit einem 3,60 Meter langen Tragetuch ab, um sich ihr drei Monate altes Söhnchen Liam im sogenannten Känguru-Sitz vor dem Bauch festzubinden. Das gestaltet sich schwierig. Die Ärztin kriegt die Tuchenden nicht richtig über die Schultern drapiert. Bea Riexinger reicht ihr eine helfende Hand. Die Mutter von vier Kindern ist ausgebildete Trageberaterin und gibt ihr Wissen an interessierte Eltern weiter.

Heute ist sie zu Besuch bei Anne Afgin und ihrem Mann, die eigentlich in Israel leben und gerade drei Wochen Urlaub bei Annes Mutter in Frankfurt-Bonames machen. „In Israel werden Kinder auch viel getragen, aber es gibt keine Beratung wie hier in Deutschland“, sagt Anne Afgin. Eine Freundin wies sie auf die Internetseite www.stillen-und-tragen.de hin, über die sie Bea Riexinger fand.

#infobox

Obwohl Anne beim Binden ganz schön ins Schwitzen gerät, ist die Atmosphäre im Wohnzimmer der Familie Afgin sehr entspannt. Alle sind per du. Bea hat ihre beiden kleinsten Kinder mitgebracht und erklärt bei Tee und Keksen auf dem Sofa die Vor- und Nachteile der verschiedenen Tücher und Tragehilfen, die sie in zwei großen Taschen mitbrachte. Die Tragetücher gibt es in verschiedenen gewebten Stoffen und Qualitäten.

Tragehilfen lassen sich wie ein Rucksack aufschnallen

TRAGEN LERNEN

Eine Einzelberatung bei Bea Riexinger kostet 35 Euro. Bei Paaren verlangt die Trageberaterin 50 Euro, bei Kleingruppen bis zu vier Teilnehmern 75 Euro. Eine Beratung dauert bis zu zwei Stunden. Bea Riexinger kommt zu den Leuten nach Hause oder bietet Kurse im Familiengesundheitszentrum im Frankfurter Nordend an. Kontakt: Telefon 0176/62692260 oder www.tragerei.de
Empfohlen werden Tragetücher von der Herstellern Didymos, Hoppediz oder Storchenwiege. Auch die festen Tragehilfen von Hoppediz findet Bea Riexinger gut, ebenso die Tragehilfen von Manduca oder Ergo Baby Carrier. Von den Geräten von Baby Björn rät die Expertin hingegen ab.
Trageberatung in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet bieten auch Hebammen, Familieneinrichtungen und Kliniken an. Informationen dazu unter www.stillen-und-tragen.de und www.kidsgo.de

Wer partout mit dem Tuch nicht zurechtkommt, kann auf eine Reihe Tragehilfen (von Manduca bis Ergo Baby Carrier) zurückgreifen, die man sich meist sehr einfach wie einen Rucksack am Bauch oder am Rücken festschnallt. Außer der Baby-Björn-Tragehilfe, bei der das Baby nicht korrekt in der Hock-Spreiz-Stellung sitzt, sind alle eine praktische Alternative zum Tuch.

„Besser ist aber immer das Tuch, weil das Baby besser sitzt und es individuell dem Körper des Trägers angepasst ist“, sagt die Trageberaterin. Die Möglichkeiten, sich das Kind an Bauch, Rücken oder Hüfte festzubinden, sind mannigfaltig.

Anfangsschwierigkeiten sind ganz normal, versichert Bea Riexinger: „Um das Binden korrekt zu lernen, hilft nur üben, üben, üben. Eine Woche lang dreimal am Tag das Känguru binden, dann sitzt es – oder zehnmal an einem Tag.“

Viele Mütter und Väter geben das Binden mit dem Tragetuch jedoch meist schnell auf oder versuchen es erst gar nicht zu lernen, hat Bea Riexinger beobachtet: „Das ist schade, denn das Tragen hat viele Vorteile.“ Viele Babys schreien, wenn man sie ablegt. Sie brauchen die Nähe zu ihren Eltern und sind anatomisch auf das Getragenwerden ausgerichtet: Babys ziehen ihre Beinchen ganz natürlich in die Hock-Spreiz-Stellung an Bauch, Hüfte oder Rücken eines Erwachsenen. „Das Tragetuch erleichtert das um ein Vielfaches. Es schont den Beckenboden und entlastet Schultern und Arme. Man hat die Hände etwa für Hausarbeit frei und kommt problemlos Treppen hoch oder in die U-Bahn“, erklärt Bea Riexinger.

Im Internet finden sich etwa bei Youtube zahlreiche Bindeanleitungen für Tragetücher. „Wenn man auf ein Problem stößt und nicht mehr weiß, wohin mit den Tuchenden, gibt es im Internet aber keine Lösung. Deshalb habe ich mich für eine Trageberatung entschieden“, erklärt Anne Afgin. Und sie bereut es nicht: Nach knapp zwei Stunden schlingt sie den meterlangen Stoff schon viel gekonnter um sich und Söhnchen Liam, auch wenn sie noch viel üben muss, wie sie auch selbst sagt. Die Tuchenden machen einfach immer noch Probleme.

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Fotostrecken Frankfurt/Rhein-Main
Spezial
Alexander Kraft

Raus - und aufs Bike! Alexander Kraft präsentiert die FR-Mountainbike-Routen abseits der berüchtigten "Biker-Autobahnen".

Mountainbike-Touren im Video
Frankfurter Zoo
Bonobo-Dame im Frankfurter Zoo

Gorilla-Damen, Giraffe & CD. Die FR ist live im Zoo dabei - und hält Sie auf dem Neuesten.