Noch ein Blick in die Karten. Was? Wirklich? Verdammt. Ich habe ja gar nichts getroffen. Warum zum Teufel habe ich nicht gepasst?
Es folgt der Showdown und ich habe nichts, mein Kontrahent dagegen zwei Paare, Buben und Zehnen. Er nimmt sich zufrieden die bunten Jetons von der Tischmitte. Ich blicke stumm auf mein von Rauchschwaden umgebenes, halbleeres Whiskeyglas. Davon sollte ich echt weniger trinken. Egal, runter damit.
Um Geld zu pokern, ist illegal
Poker spielen ist toll. Fünf erwachsene Menschen sitzen um einen Tisch, jeder hält zwei Karten in der Hand. Dann werden nach und nach fünf Karten vom Stapel aufgedeckt, mit denen sich die Spieler ihr Blatt zusammenstellen. Vor dem Aufdecken einer neuen Karte wird gesetzt. Wer nicht mitsetzt, muss passen und ist raus. Die Chips, die er bis dahin in die Mitte gelegt hat, sind verloren.
Ich spiele mit guten Freunden, und der Einsatz sind nicht nur die bunten Chips. Um Geld zu Pokern ist Glücksspiel und damit illegal. Nur Spielbanken dürfen in Deutschland Pokern um Geld anbieten. Aber ohne Einsatz macht das Spiel keinen Sinn, da ist die Spannung raus.
Mein Kumpel, der mit den zwei Paaren, hat einen Buben und eine Zehn auf der Hand. In der Tischmitte liegen erst eine Zehn, eine Drei und eine Zwei. Er setzt den Mindestbetrag, ich gehe mit.
Callen nennen die Pokerspieler das. Ich habe Dame und König, suited. Das heißt, beide Karten haben dieselbe Farbe, Herz in diesem Fall. Eigentlich ganz gute Karten.
Ich habe zwar nichts getroffen, aber ich könnte noch fünf Karten in einer Farbe, einen Flush, oder eine Straße oder eben ein Paar bekommen. Könnte. Es kommt anders. Der Geber deckt noch einen Buben und eine Acht auf, ich verliere, mein Gegenüber gewinnt.
Die anderen Mitspieler sind bereits vor den ersten Karten, dem sogenannten Flop, ausgeschieden. So ist das beim Poker. Nur einer kann gewinnen. Doch es gibt ein neues Spiel. Die Karten werden gemischt und ausgeteilt. Jetzt kann ich mir alles zurückholen. Der erste Schritt zur Sucht, denke ich.
Es wird wenig gesprochen
Poker erfordert Zurückhaltung und Mut gleichermaßen, am besten entscheidet darüber ein kühler, nüchterner Kopf. Den ich nicht habe – neben mir steht ein Whiskeyglas, so hat das Spiel mehr Stil, finde ich.
Man braucht Glück, aber nicht nur das. Die Kunst des Weglegens von vermeintlich aussichtsreichen Karten entscheidet oft über Sieg und Niederlage. Wer im richtigen Moment aussteigt und dann mit noch besseren Karten zurückschlägt, kann am Ende der große Gewinner sein. Es gibt Bücher über Poker und die richtige Art zu spielen, und es soll Profis geben, die davon leben können.
Ich halte mich dann doch lieber an mein Glas. Das verbessert zwar nicht mein Spiel, steigert aber den Spaß, und die Atmosphäre ist gesichert. Poker ist ein Spiel, bei dem wenig gesprochen wird.
Fünf Männer, denn meistens verabreden Frauen sich nicht privat zum Pokern, blicken sich prüfend an oder versuchen, mit voller Konzentration und trotzdem vergeblich, das Symbol der nächsten Karte herbeizuwünschen.
Einer gibt, die beiden Nächstsitzenden setzen die sogenannten Blinds, den Mindesteinsatz. Dann geht es reihum weiter. Immer mit der Hoffnung auf das nächste gute Blatt, auf die nächste glückliche Hand.