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13. Dezember 2012

Weihnachtsmarkt in Erbach : Krippen als Kunstwerk

 Von Nikolas Sohn
Zöller: Wenn es sein muss, lässt die Studentin auch mal den Unterricht sausen.  Foto: peter-juelich.com

Der Weihnachtsmarkt in Erbach ist bekannt für seine Holzkrippen. Die Schnitzkunst-Studentin Vanessa Zöller hat ein ganz besonderes Konzept.

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Der Weihnachtsmarkt in Erbach ist bekannt für seine Holzkrippen. Die Schnitzkunst-Studentin Vanessa Zöller hat ein ganz besonderes Konzept.

Erbach im Odenwald ist bekannt für seine Schnitzkunst, besonders für solche mit Mammut-Elfenbein als Werkstoff. Auf der diesjährigen Erbacher Schlossweihnacht ist die größte Attraktion allerdings ganz klassisch aus Holz: eine Krippe in Originalgröße, die vom Schnitzer- und Drechslernachwuchs aus der Odenwälder Region hergestellt wurde.

Maria, Josef, das Jesuskind, die Hirten, die Schafe: Lebensgroße Krippenfiguren samt Stallgebäude stehen mitten im festlich hergerichteten und mit Weihnachtsbuden gesäumten Hof des prächtigen Schlosses zu Erbach.
Ein Rondell, sonst für Blumenbeete gedacht, scheint wie gemacht für eine Krippenszene mit 360-Grad-Ansicht.

Vanessa Zöller ist die Schöpferin dieses lebensgroßen Ensembles. Die angehende Elfenbein-Schnitzerin hat im vergangenen Jahr einen von der Berufsfachschule Holz-Elfenbein Michelstadt und der Stadt Erbach initiierten Krippen-Wettbewerb gewonnen.

Dreht es sich bei Zöllers Arbeit sonst nur um zentimetergroße Figürchen, die die Schülerin aus Mammut-Elfenbein oder Ersatzstoffen bearbeitet, handelt es sich in diesem Falle um lebensgroße Holzfiguren. Zöller entwarf die Stallszene aus Weymouth-Kiefer für die diesjährige Schlossweihnacht. Ihr sorgsam gestaltetes, detailliertes Modell im Maßstab 1 zu 20 beeindruckte die Jury.

Zöller drechselt, bohrt und sägt selbst

Im Advent herrscht in Erbach besonders romantische Stimmung. Jetzt gehen in der Dämmerung überall im „Städel“, wie die Innenstadt von den Bewohnern genannt wird, die Lichter an. Sie beleuchten Fachwerkhäuser, das Alte Rathaus, die Stadtkirche und das Schloss. An den Eingängen des adeligen Prachtbaus werden Kerzen auf riesigen Ständern entzündet, die mit ihrem warmen Licht die erfahrungsgemäß zahlreichen Besucher der Erbacher Schlossweihnacht willkommen heißen.

Bis kurz vor der Präsentation am 30. November drechselte, bohrte und sägte Vanessa Zöller mit tatkräftiger Unterstützung von einem guten Dutzend Mitschülern und drei Fachlehrern am weihnachtlichen Werk. Bereits im Sommer 2011 haben sie mit den Vorbereitungen begonnen. Gesponsert wurde das 10000-Euro-Projekt von einem örtlichen Geldinstitut. Vanessa Zöllers überzeugendes Konzept ist so simpel wie genial: aus eins mach zwei. Die 20-Jährige Studentin hat Vorder- und Rückansicht der zwölf Krippen-Figuren gänzlich unterschiedlich gestaltet. Eine Seite der aus massiven Holzblöcken gearbeiteten Gestalten ist zum Beispiel schnörkellos und naturbelassen angelegt, die andere in satten Farbtönen lackiert.

Gesichter sind keine zu erkennen auf den flachen, schablonenhaften Formen. „Die Linienführung ist einfach und zeitgemäß. Details lenken nur ab“, erklärt die Elfenbeinschnitzerin. „Jeder erkennt sofort, um wen es sich handelt.“ Auffällig sind die auf der Farbseite eingearbeiteten Schriftzüge Glaube, Hoffnung, Zuversicht sowie neun andere positiv besetzte Begriffe. „Farben und Wörter korrespondieren dabei“, sagt die Schülerin.

Für das umfangreiche Unterfangen musste sie mit ihren Schnitzer- und Drechslerkollegen auch mal die eine oder andere Unterrichtsstunde sausen lassen. Dafür macht sie in den schulischen Werkräumen Überstunden und arbeitete auch häufig an den Wochenenden.
Maria ist weiß lackiert, sie hat die 20-Jährige mit dem Begriff „Vertrauen“ versehen. Josef hingegen ist in Blau gehalten, er repräsentiert nach Zöller’scher Farbwahl den Glauben. Die Hirten in Grün werden von den zwei Schafen „Neugierde“ und „Unschuld“ begleitet.

Zöller will den Besuchern der Schlossweihnacht eine Botschaft mitgeben. „Die Leute sollen sich intensiver mit Weihnachten auseinandersetzen. Ich möchte, dass sie etwas Sinnliches erfahren, positive Bilder mitnehmen. Mein persönlicher Favorit ist der Stern, die Hoffnung. Mit ihm verbinde ich Weihnachten“, sagt sie.

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