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25. Januar 2013

Wintersport Taunus: Frische weiße Spuren

 Von Alexander Kraft
Der Schneeschuh, der hat Zähne. Und der Prototyp des „Hive“ sogar welche zum Wegklappen. Foto: Andreas Arnold

Wintersport im Taunus? Na klar! Unser Autor testet Langlaufskier fürs Hinterland und neuartige Schneeschuhe, die erst noch auf den Markt kommen sollen.

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Was für ein Frust. So gefreut auf Schnee und Langlaufskier. Doch Loipen im Taunus? Garstig. Das ist, würde ich sagen, das richtige Wort. Alles hässlich zusammengetrampelt, statt einer Spur eine an Eis erinnernde schräge Ebene. Da kann man jetzt hadern und auf die Masse Mensch im Rhein-Main-Gebiet schimpfen, und dass die noch jedes etwas einsamere Natur-Erlebnis im Sturmschritt zunichtemacht. Oder: Man nimmt es als Realität – wer könnte ernsthaft den anderen den Schneespaß missgönnen? Muss man sich eben neue Wege suchen!

Das geht. Sogar in unseren ach so durchzivilisierten Mittelgebirgen rund um Frankfurt. Fast möchte ich sagen: Fahren Sie einfach die Landstraßen in den Taunus hoch, rollen an den maßlos überfüllten drei Zentralparkplätzen vorbei und halten erst an am nächsten Waldweg, der rechts rein geht. Wie ein Versprechen liegt es da, ein endloses weißes Band. Rechts und links die überzuckerten Bäume, dunkle Fichten hier, bizarr eingeeiste Birken da. Nichts wie rauf also auf die Bretter, die hier oben die Welt bedeuten.

Waldeinsamkeit garantiert

Back Country Ski nennen die sich in dem Fall. Im Grunde sind es etwas zu breit geratene Langlauf-Latten mit Stahlkanten. Erfunden wurde das Hinterland-Gerutsche in Nordeuropa, wo sie reichlich „Back Country“ haben. So ursprünglich wie in Lappland geht’s knapp unterhalb vom Pferdskopf nicht zu. Doch das Material ist perfekt für den Zweck. Die Kanten geben richtig Halt. Kaum mal ein Kippeln, wie es bei den normalen Langlauf-Brettern für Loipenbetrieb ständig der Fall wäre.

Waldeinsamkeit ist garantiert. Wobei – Spuren finden sich allerlei. Der Jeep von einem Jäger muss sich vor Tagen hier durchgewühlt haben, um eine Wildfutterstelle anzufahren. Und dann die Spuren von denen, die er bedacht hat. Ein Hase? Ein Reh? Ein Hirsch? Hase ist einfach, zwei Tapfen nebeneinander, zwei versetzt hintereinander. Bei den anderen … Darüber sinnt der Hobby-Fährtenleser nach, während er mit gleichmäßigem Ausfallschritt seine Bahn zieht.

Langlauf ohne Loipe: Dann heißt es Back Country Skiing.
Langlauf ohne Loipe: Dann heißt es Back Country Skiing.
Foto: Andreas Arnold

Dann wird’s Zeit zum Umkehren, der zweite Akt wartet: Ski ins Auto, Schneeschuhe raus. Die sind, zugegeben, angesichts der nicht ganz sibirischen Schneehöhen etwas unterfordert. Aber Spaß macht’s. Zumal der Untergrund nicht ganz ohne ist: Der kräftige Neuschneebelag deckt eine ältere Schneeschicht zu, die an der Oberfläche angetaut gewesen sein muss und nun wieder vereist ist. Wer da mit normalen Winterwanderschuhen durchstapft, bricht bei jedem Schritt ein, kippelt links und rechts weg, rutscht. Die Stahlzähne von meinen Schneeschuhen kennen da gar nichts. Etwas breitbeinig zwar, aber mit sehr flottem Marschtempo stiefele ich vom Ortsrand Treisberg los. Es knackt und knirscht, die spitzen Stahlzähne hacken in den Altharsch. Auf halber Strecke zum Pferdskopf weist rechts hinein ein leicht verschneites Holzschild zum „Aussichtsturm“. Meine Plastikfüße fressen die fast auf den Zentimeter genau 100 Höhenmeter wie nichts. Oben wartet ein Wintertraum.

Die kahlen Laubbäume völlig weiß. Daran vom Wind waagrecht ausgezogene Kristallgebilde, wie ein kleiner Stachelpanzer umschließen sie die Äste. Der Tiefschnee auf der Freifläche um den Aussichtsturm ist watteweich. Am Aufgang zum 34 Meter hohen Holzriesen warnt allerdings ein Schild: Bei Gewitter, Eis und Schnee gesperrt.

Testtour sportlicher als gedacht

Egal, ich will jetzt eh den Schneeschuhen auf den Zahn fühlen. Denn die sind eine Sonderkonstruktion, die erst nächsten Winter auf den Markt kommen soll. Mit wenigen Handgriffen sind die Stahlstifte hochgeklappt und die Bindungen festgestellt. Die breite Plastikfläche ist zwar nicht mit einem Skibelag zu vergleichen. Aber gleiten sollen sie können, verspricht der Hersteller des „Hive“ (Das Kunstwort setzt sich aus Hiken und Drive zusammen).

Wer schon mal in den Alpen lange Schneeschuhtouren gemacht hat, ahnt, um was es geht: Nach dem langen Aufstieg wäre es schön, wenn man auf dem Abstieg mal schön rutschen könnte. Also: Ein paar Doppelstockschübe – und der Skifahrer in mir jubelt! Es klappt. Und gar nicht mal schlecht. Spitzen entlasten, in die Knie gehen, Gewicht verlagern. Und am Ende war die Testtour sportlicher als gedacht, wie die kleine GPS-Uhr verrät: 27:12 Minuten auf 2160 Metern ist wie strammes Walken.

Ein grandioser Wintertag im Taunus.

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