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Burnout bei FSV-Talent Wunderlich: Die Seele sagt nein

Äußerlich war ihm nichts anzumerken, doch der Druck drohte ihn zu zerbrechen: Mike Wunderlich hat sein Burn-out-Syndrom nicht überwinden können. Der Rheinländer kehrt vom FSV Frankfurt zurück zum Amateurklub Viktoria Köln.

Mike Wunderlich geht zurück nach Köln.
Mike Wunderlich geht zurück nach Köln.
Foto: dpa

Als die Profis des FSV Frankfurt am Freitagmorgen den Flieger nach Palma de Mallorca bestiegen, blieb ein Sitz leer. Mike Wunderlich war nicht an Bord der Maschine, die den Fußball-Zweitligisten ins zehntägige Trainingslager flog.

Der Grund: Der technisch versierte Mittelfeldspieler leidet weiterhin am Burn-out-Syndrom.

„Ich wollte gerne wieder für den FSV auflaufen und habe es probiert, aber ich sehe mich momentan leider den Anforderungen des Profifußballs nicht gewachsen. Ich fühle mich nicht stark genug, diesem Druck standzuhalten“, wird der 25 Jahre alte Rückkehrer in einer Presseerklärung zitiert.

Der gebürtige Kölner war erst am 4. Januar nach scheinbar überstandenem Burn-out zum FSV zurückgekehrt. „Ich will zurück in den Profisport, ich bin wieder gesund“, sagte Wunderlich nach dem Laktattest in der Leichtathletik-Halle in Frankfurt-Kalbach. Er flachste, er lachte − und er zeigte in den ersten Testspielen einen Fußball, der den Bornheimern Hoffnung für die Mission Klassenerhalt gab.

„Er spielte, als wäre er nie weg gewesen“, sagte seinerzeit der für den Sport verantwortliche FSV-Geschäftsführer Uwe Stöver.

Äußerlich nichts anzumerken

Ob in der Halle beim Hessen-Cup oder am Dienstag im Test gegen den Bundesligisten TSG Hoffenheim (2:2), Wunderlich spielte überragend. Nichts deutete darauf hin, dass der kleine Rheinländer da schon wieder unter dem Druck zu zerbrechen drohte. „Wir haben bis Mittwoch nichts bemerkt, er hat es sehr lange für sich behalten“, sagte Stöver nach der Ankunft auf Mallorca der FR.

Am Mittwochabend war Stöver von Wunderlichs Berater über den gesundheitlichen Rückschlag informiert worden, „zeitgleich informierte Mike Trainer Möhlmann“, so Stöver. Danach ging alles sehr schnell. Der Verein entsprach dem Wunsch Wunderlichs, erneut zum Fünftligisten Viktoria Köln ausgeliehen zu werden. Es wurde dieselbe Ausleihvereinbarung getroffen wie damals. Das Vertragsverhältnis bleibt gleich, auch die Option im Mai bleibt dieselbe. Sie ermöglicht es dem Fußballsportverein, Wunderlich ein weiteres Jahr unter Vertrag zu nehmen; Formalitäten, die angesichts des Krankheitsbildes nun nebensächlich sind.

Im April 2011 war Wunderlich am Burnout-Syndrom erkrankt. Er kehrte zu seiner Familie nach Köln zurück, sein Vater ist gleichzeitig Trainer der Viktoria. Nun sucht Wunderlich erneut den Rückhalt und das Vertrauen der Familie. „Ich weiß, dass er es sich selber nicht erklären kann, woran es liegt“, so Stöver. „Es ist die allgemeine Situation, mit der er nicht fertig wird. Das hat was mit Profifußball, Umfeld und familiärer Nähe zu tun. Das ist ein Gesamtpaket.“

Stöver wirkte geschockt, seine Stimme vibrierte: „Mich betrifft das sehr persönlich, der Kontakt zu Mike, zu seinem Vater und zu seinem Berater war in der Zeit seiner Abwesenheit sehr intensiv. In erster Linie sieht man die Krankheit und damit das persönliche Schicksal, aber das hat natürlich auch Konsequenzen für den Verein.“

Kisho Yano spielt vor

Der FSV muss nun personell nachlegen. „Wir werden uns am Freitagabend zusammensetzen und über die Situation sprechen“, kündigte Stöver an. Neben Wunderlich wird dem FSV auch Mario Fillinger fehlen, der sich Anfang der Woche im Training den Knöchel gebrochen hatte. Ein möglicher Neuzugang flog mit der Mannschaft auf die Baleareninsel: Kisho Yano. Der 27 Jahre alte Stürmer des SC Freiburg kam beim Erstligisten in dieser Saison nicht zum Einsatz. In der Spielzeit 2010/11 absolvierte er 15 Kurzeinsätze in der Bundesliga, schoss aber kein Tor. Stöver: „Er bleibt drei Tage, am Samstag kommt dann der nächste Gastspieler.“

Autor:  Jörg Hanau
Datum:  13 | 1 | 2012
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