Mitte der zweiten Hälfte nahm Mario Fillinger dann Tempo auf, fackelte nicht lange und fuhr dem Auer Routinier Enrico Kern mittels humorloser Grätsche herzhaft in die Parade. Kern und der Ball landeten jenseits der Außenlinie, Fillinger rappelte sich auf und ging seines Weges. Es war eine völlig untypische Szene für den flinken Offensivspieler des FSV Frankfurt, aber auch eine, die belegt, dass da einer brannte und sich auch für die Schmutzarbeit nicht zu schade war. „Er hätte der Held des Tages werden können“, sagte Trainer Hans-Jürgen Boysen und seufzte. Wurde er aber nicht.
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Fillinger, bald 27, machte gegen den FC Erzgebirge ein richtig gutes Spiel, er war auf dem linken Flügel ein Unruheherd und war an fast allen gefährlichen Szenen direkt beteiligt, gerade in der ersten Hälfte. Mal scheiterte er aber am Pfosten, dann zweimal ganz alleine an Torwart Martin Männel. „Wir hätten in Führung gehen müssen, da müssen wir nicht lange rumdiskutieren“, sagte der Flügelspieler. Und natürlich dachte er in erster Linie an sich selbst: „Einen hätte ich mindestens machen müssen.“ Einen machte er auch noch, allerdings sehr viel später. Da egalisierte er die Gäste-Führung mit einem krachenden 17-Meter-Schuss. „Im rechten Fuß hat er eine richtige Rakete drin“, erzählte Boysen. Leider nicht im linken, weshalb er zuvor die leichteren Chancen versiebte.
Boysen war über die Leistung Fillingers, der nach der zweiten Partie in Bochum seinen Platz in der ersten Elf verlor und es erst am vorvergangenen Spieltag in Karlsruhe wieder in der Stammformation schaffte, dennoch sehr erfreut: „Er hat endlich begriffen, wie er laufen muss, um in die Nahtstellen der Abwehr zu kommen, denn Spieler, die die Bälle durchstecken können, haben wir.“ Fillinger, dem der große Durchbruch bisher verwehrt blieb, haderte ein klein wenig mit dem Schicksal: „Ein bisschen hat auch das Quäntchen Glück gefehlt, wir hatten ja gefühlte 20 Aluminiumtreffer.“ Und doch wollen sie sich nicht grämen beim FSV. „Uns kann Mut machen, dass wir immer wieder Chancen kreieren“, sagte Yannick Stark, der gemeinsam mit Samil Cinaz das Spiel lenkte und ankurbelte.
Auch Hleb ansprechend
Auf dem anderen, dem rechten Flügel hat der FSV nun in Wjatscheslaw Hleb ebenfalls einen Spieler, der stets Gefahr heraufbeschwören kann. Der 28-jährige Nationalspieler Weißrusslands deutete seine Klasse mehrfach an, er bestach durch Ballsicherheit und Behauptungswillen. Die fehlende Fitness war ihm indes sehr wohl anzusehen. „Ich war schon ein bisschen kaputt“, sagte Hleb, der mit seiner Leistung aber sehr wohl zufrieden war und auch sein konnte: „Das war okay, ich habe nach vorne und hinten gearbeitet. Das Einzige, was fehlt, sind die drei Punkte.“ Er ergänzte sich zudem prima mit Rechtsverteidiger Alexander Huber. „Er spricht ja auch perfekt Russisch“, sagte Hleb grinsend über den in Tadschikistan geborenen Mitspieler. „Das war ein guter Einstieg“, lobte Boysen Neuzugang Hleb. „Man hat gesehen, dass er ein gutes Auge, eine gute Technik und die nötige Schnelligkeit hat.“
Der erste Anzug könnte also so langsam sitzen, der zweite passt indessen nicht: Die eingewechselten Momar N’Diaye und Babacar Gueye brauchten genau 23 Minuten, um zu zeigen, dass sie in dieser Verfassung keine Hilfe sind.
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