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News vom Bornheimer Hang: Spielberichte und Interviews, Nachrichten und Hintergründe zum FSV

12. August 2012

FSV Frankfurt besiegt Hertha BSC: Die Wutrede des Jos Luhukay

 Von Ingo Durstewitz und Jörg Hanau
Verbaler Rundumschlag nach der Niederlage gegen den FSV: Hertha-Trainer Jos Luhukay  Foto: E. Krieger

Nach der Niederlage beim FSV Frankfurt rechnet Hertha-Trainer Jos Luhukay mit seiner Mannschaft ab und kündigt Maßnahmen an. Beim FSV dominiert dagegen innere Ruhe. Und Trainer Möhlmann räumt einen Fehler ein.

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Seine Stimme vibrierte, das Blut in seinen Adern pulsierte: Jos Luhukay zürnte. Der Trainer von Bundesliga-Absteiger Hertha BSC war von der 1:3 (1:0)-Niederlage beim FSV Frankfurt hörbar angefasst. Erst watschte er seine kickenden Mitarbeiter in der Kabine ab, kurz darauf legte er öffentlich nach, schimpfte in der Pressekonferenz auf der Baustelle Bornheimer Hang.

„Ich bin mehr als tief enttäuscht von der Mannschaft. Ich habe eine Mannschaft gesehen, die in der zweiten Halbzeit völlig versagt hat“, polterte der Niederländer und holte tief Luft. Denn das war nur der Anfang einer außergewöhnlichen Generalabrechnung.

„Trainieren bis zum Umfallen"

Nach dem Remis gegen Paderborn und der Niederlage beim FSV war dem 49 Jahre alten Fußballlehrer nach nur zwei Spieltagen nicht etwa eine Sicherung durchgebrannt. Sein verbaler Rundumschlag war wohl überlegt. „Das ist das erste Mal in 20 Jahren, dass ich hier so spreche“, sagte der Cheftrainer der Hertha, „aber es ist wichtig, denn einige meinen bei uns, dass sie groß sind, einen Namen haben, einen Status oder einen Stellenwert.“ Drauf gepfiffen.

In der zweiten Liga zählen andere Tugenden. „Ich will eine Mannschaft, die mit Herz und Leidenschaft auf dem Platz Fußball spielt. Aber es war nie ein Miteinander und Füreinander. Diese Mannschaft glaubt, sich in dieser Liga fußballerisch durchzuspielen.“ Diese Mannschaft ist aber immer noch seine und sie wird nach dem „Armutszeugnis“ von Bornheim „trainieren bis zum Umfallen“, versprach der eigentlich als ruhig und besonnen bekannte Luhukay.

Erinnerung an Trapattoni

In der proppenvollen Medialounge herrschte für einen Moment bedrückende Stille. Luhukays Wutrede erinnerte bisweilen an den ebenso kultigen wie legendären Auftritt des einstigen Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni vor nun schon 14 Jahren.

Emotionale Momente, die zwar erfrischend spontan wirken, in der Regel aber gezielt und bewusst provozieren sollen. „Ich habe sowas selbst schon gemacht“, sagte später Benno Möhlmann. Der Trainer des FSV lauschte seinem Kollegen mit der inneren Ruhe des Siegers.

Seine Mannschaft hatte ihn nicht im Stich gelassen. Aber auch Möhlmann kennt diese Situationen, „da ist das einfach nötig. Wenn eine Mannschaft in der Öffentlichkeit groß dargestellt wird, dann muss auch Kritik in der Öffentlichkeit geübt werden. Jos ist keiner, der aus der Laune heraus sich dazu verleiten lässt.“

Debüt von Roshi misslingt

Dabei hatte es gar nicht mal so schlecht angefangen für die vom direkten Wiederaufstieg beseelten Berliner: Änis Ben-Hatira hatte sie kurz vor der Pause in Führung geschossen. Vorausgegangen war dem gar nicht mal so unverdienten Treffer ein kapitaler Abspielfehler von Yannick Stark. Zu diesem Zeitpunkt sprach nicht wirklich viel für die Bornheimer, die schwer ins Spiel gekommen waren. Allen voran Neuzugang Odise Roshi.

Das Debüt des Albaners ging völlig in die Hose. „Das muss ich auf meine Kappe nehmen“, sagte Möhlmann. Er habe sich verleiten lassen. „Normalerweise mache ich das nicht, wenn ein Spieler erst so kurz dabei ist.“ Nach 58 Minuten revidierte Möhlmann seinen Fehler und wechselte den am vergangenen Montag vom 1. FC Köln ausgeliehenen Albaner gegen Mathew Leckie aus.

Der Torwart sieht Rot

Zu diesem Zeitpunkt spielte der FSV bereits nur noch gegen zehn Berliner. Unmittelbar nach dem Wechsel hatte Hertha- Keeper Sascha Burchert im Strafraum die Notbremse gegen Edmond Kapllani gezogen. Rot für den Torwart, Kapitän Björn Schlicke traf aus elf Metern zum 1:1. Das war die Wende zum Guten − für den FSV.

Leckie und der ebenfalls eingewechselte John Verhoek schossen einen zu guter Letzt verdienten 3:1-Sieg für den FSV heraus. Es war ein Erfolg des Kollektivs, lobte Schlicke: „Heute hat sich keiner gehenlassen.“ Das hätte Jos Luhukay auch gerne über seine Mannschaft gesagt. „Ich hoffe, dass ich so etwas nicht allzu oft erlebe“, sagte Luhukay erschöpft: „Das ist nicht gut für mein Herz.“

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