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16. März 2013

FSV Frankfurt: Ein Abend zum Vergessen

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„Mach dir nichts draus“: Paderborns Trainer Stephan Schmidt (links) tröstet FSV-Spielmacher Zafer Yelen.  Foto: Jan hübner

Der FSV Frankfurt verliert beim SC Paderborn mit 0:3. Doch die Niederlage ist vollkommen unnötig, die Bornheimer sind fast in allen Belangen überlegen - nur vor dem gegnerischen Tor versagen sie.

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Der FSV Frankfurt verliert beim SC Paderborn mit 0:3. Doch die Niederlage ist vollkommen unnötig, die Bornheimer sind fast in allen Belangen überlegen - nur vor dem gegnerischen Tor versagen sie.

Paderborn –  

Am liebsten wäre Benno Möhlmann wohl in der Kabine geblieben. Dem Mann war nicht nach reden. Nicht an diesem Abend, nicht nach diesem Spiel, an dessen Ende für den FSV Frankfurt eine nicht nur für ihn unerklärliche 0:3 (0:1)-Niederlage beim SC Paderborn stand. Die Bornheimer waren die spielbestimmende Mannschaft, technisch und taktisch überlegen – nur vor dem Tor versagten ihnen die Nerven.

Als sich der Trainer des FSV dann doch den Fragen der Journalisten stellte, redete er sich in Rage. „Ich hatte den Eindruck, dass auf dem Platz alle daran interessiert waren, dass Paderborn gewinnt. Bei den Spielern von Paderborn könne er das ja noch verstehen, nicht aber bei Schiedsrichter Markus Wingenbach. „Es wurden wenige strittige Situationen für uns gegeben – dafür hat er uns zweimal den Vorteil in Überzahl abgepfiffen.“

„Das ist für mich nicht erklärbar“

Der Unparteiische allein war freilich nicht Schuld an der Niederlage, „dieses Fass aufgesetzt hat dann doch ein Großteil meiner Spieler“, ätzte Möhlmann und niemand wollte ihm widersprechen. „Wir haben nicht nur die drei Tore selbst eingeleitet, sondern drei hundertprozentige Chancen vergeben.“ Wieso, weshalb, warum? Möhlmann war das in der Stunde nach der unnötigsten Niederlage dieser Zweitliga-Saison völlig egal. „Das ist für mich nicht erklärbar, ich will es auch gar nicht versuchen, nur so schnell wie möglich diesen Abend vergessen.“

Unmittelbar nach dem Abpfiff beorderte Möhlmann seine Spieler in die Kabine, redete Klartext. „Das lief kurz und sachlich ab“, berichtete Sport-Geschäftsführer Uwe Stöver, der selbst fassungslos war: „Dieses Spiel hätten wir nicht verlieren müssen, das war grob fahrlässig.“ Die Spieler selbst schwiegen – auf Geheiß des Cheftrainers. „Ich hätte früher nach so einem Spiel keine Lust gehabt, was zu sagen“, erklärte Möhlmann, weshalb er FSV-Pressesprecher Matthias Gast nach dem Abpfiff aufforderte, Interviewwünsche der Journalisten nicht zu befriedigen.

Vor einer Woche gegen Aalen waren die Tore für den FSV noch im halben Dutzend gefallen – jeder Schuss war drin, jeder Kopfball ein Treffer. Diese Leichtigkeit des Seins, diese Torgeilheit war den Bornheimern in Ostwestfalen verloren gegangen. Es war zwar über weite Strecken fein anzusehen, was die Hessen auf den Rasen brachten – nur vor dem Tor der Paderborner fehlte es an der nötigen Abgeklärtheit. Dass ein Freistoß von Zafer Yelen (30.) auf die Latte geplumpst war, ist Pech.

Unvermögen muss hingegen Mathew Leckie attestiert werden, der nur zwei Minuten später – erstklassig freigespielt von Marcel Gaus – freistehend den Ball nicht im Kasten der Gastgeber unterbrachte. Yannick Starks Nachschuss beulte nur das Außennetz. Zu diesem Zeitpunkt lag der FSV bereits 0:1 hinten, weil Marc Heitmeier im Strafraum Jens Wemmer stürzte und Alban Meha den fälligen Elfer (21.) sicher verwandelt hatte.

Der Trainer auf 180

Möhlmann tobte an der Außenlinie. Er schimpfte, er schrie – und war schließlich sprachlos. Es lief die 68. Minute als Leckie das Kunststück fertigbrachte, im Fünfmeterraum stehend am leeren Tor vorbeizuschießen. Was für eine Chance. „Das zu erklären, ist mir unmöglich“, sagte Stöver. Fortan tigerte Möhlmann nur noch kopfschüttelnd durch seine Coachingzone und musste mitansehen, wie keine 60 Sekunden später wiederum Leckie frei aufs Tor von Daniel Lück zulief.

Nun offenkundig von Selbstzweifeln befallen, suchte der Australier nicht selbst den Abschluss und legte den Ball quer auf John Verhoek. Der Niederländer fiel, attackiert von seinem Gegenspieler im Sechzehner. Der Pfiff des Schiedsrichters blieb aus. Finanz-Geschäftsführer Clemens Krüger sprach später „von einer katastrophalen Schiedsrichterleistung“, an der Niederlage sei die Mannschaft in letzter Konsequenz aber selbst schuld gewesen.

Der FSV hätte wohl noch Stunden spielen können, ohne ein Tor zu erzielen. Obwohl eines gelang ihnen doch: Das 0:2 (84.) ging auf die Kappe des eingewechselten Michael Görlitz. Ihm war ein Freistoß von Meha ans Schienbein gesprungen. Eigentor. Zu allem Überfluss setzte Philipp Hofmann in der letzten Minute den Schlusspunkt zum 3:0 und versetzte nicht nur Stöver in kurzzeitige Schockstarre: „Dass du so ein Spiel verlierst, ich kann es einfach nicht glauben.“

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