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FSV Frankfurt: Schlicke: "Es geht um die Existenz"

Björn Schlicke äußert sich im FR-Interview über den neuen und den alten Trainer des FSV Frankfurt. Zudem nimmt der Führungsspieler der Bornheimer Stellung zur Kapitänsfrage.

Wir hatten jetzt alle Zeit, herunterzukommen und auf Null zu schalten - Björn Schlicke.
"Wir hatten jetzt alle Zeit, herunterzukommen und auf Null zu schalten" - Björn Schlicke.
Foto: dpa

Björn Schlicke, 30, wirkt im Trainingslager auf Mallorca sehr energisch und konzentriert. Er treibt die Mannschaft immer wieder an, kommandiert und dirigiert. Der Innenverteidiger ist der heimliche Kapitän – auch ohne Binde. Die gab er nach Unstimmigkeiten mit Ex-Trainer Hans-Jürgen Boysen Ende Oktober ab. Im Gespräch gibt sich die Führungskraft besonnen, tritt nicht gegen den Ex-Coach nach. Das ist wohltuend.

Herr Schlicke, neuer Trainer, frischer Wind. Was hat sich alles verändert unter Benno Möhlmann? Erzählen Sie doch mal.

Es gibt bei jedem Trainer Regeln, die eingehalten werden müssen. Auch bei Herrn Möhlmann.

Und konkret?

Na ja, so viel ist es gar nicht. Die Sperrstunde ist jetzt um eine halbe Stunde nach hinten verlegt worden, auf 23.30 Uhr. Die Anrede ist „Sie“, und er hat eine andere Art, Fußball spielen zu lassen. Er will halt schnell nach vorne kommen, es soll immer schnell gehen. So extrem haben wir das unter dem alten Trainer nicht praktiziert. Er unterbricht die Übungen häufiger, stellt uns richtig, steuert das Spiel. Er macht das alles auf dem Platz, eine Theoriestunde gab es noch nicht.

Was auffällt: Sie sind auf dem Feld sehr laut. Gibt es Ambitionen, wieder Kapitän zu werden?

Ich hatte ein Gespräch mit dem Trainer, da ging es um grundsätzliche Dinge rund um die Mannschaft. Er hat klar gemacht, dass er mich als Führungsspieler sieht. Aber es ist nicht so wichtig, wer die Binde trägt. Das entscheidet der Trainer. Viel wichtiger ist, dass sich drei, vier Spieler zeigen, die Verantwortung übernehmen.

Sie können ja jetzt, mit dem nötigen Abstand, mal genau erzählen, weshalb Sie damals Ihr Kapitänsamt niedergelegt haben.

Nein, darauf möchte ich nicht mehr eingehen. Ich habe Herrn Boysen noch mal angerufen, nachdem er entlassen worden war. Da ist alles ausgeräumt, da ist alles aufgearbeitet.

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War das Verhältnis zwischen Boysen und Mannschaft wirklich so zerrüttet? Ist er so ein harter Hund?

Ein harter Hund? Nein, da habe ich schon ganz andere harte Hunde erlebt. Es ist doch immer so, dass es Spieler gibt, die mit einem Trainer besser klarkommen als andere. Wenn man spielt, sieht man über vieles hinweg. Wenn man nicht spielt, sieht man vieles enger. Aber ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu Hans-Jürgen Boysen, auch wenn ich die Binde abgegeben habe. Das wird er Ihnen bestätigen.

War die Trennung von Boysen unausweichlich?

Ohne dem Trainer zu nahe zu treten, aber wenn man sich die Punktausbeute in 2011 ansieht, dann spricht nicht viel für ihn. Er hat wohl selbst erkannt, dass sich was ändern musste. Er hat mir in dem Telefonat gesagt, dass das die normalen Mechanismen sind, wenn der Erfolg ausbleibt. Aber der Verein hat ihm lange das Vertrauen geschenkt, er wollte einen anderen Weg einschlagen.

Die Stimmung ist wieder eine andere. Bringt das so ein Trainerwechsel automatisch mit sich?

Es ist auf jeden Fall so, dass die Spieler, die im zweiten oder dritten Glied standen, jetzt wieder Auftrieb bekommen haben und ihre Chance wittern. Und die, die sich vielleicht unbewusst etwas hängen gelassen haben, hoffen auch auf ihre Chance. Wir hatten jetzt alle Zeit, herunterzukommen und auf Null zu schalten. Das tut uns gut.

Werden Sie die Mannschaft auf das große Ziel einschwören?

Nein, jeder sollte wissen, um was es geht. Es geht um Verträge, Arbeitsplätze, es geht um die Existenz vieler Menschen. Nicht nur von uns Fußballern, sondern von vielen Mitarbeitern. Ich denke, es ist jedem bewusst geworden, dass es bei Abstieg nur Verlierer gibt.

Das Gespräch führte Ingo Durstewitz

Datum:  18 | 1 | 2012
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