Wiederholungen langweilen. Nicht nur im Fernsehen. Umschalten hilft. Ein Knopfdruck und alles ist gut. Hans-Jürgen Boysen verhält sich nicht anders. Manchmal jedoch, ziemlich regelmäßig sogar, muss er sich von Berufs wegen Vergangenes erneut vor Augen führen. Zwecks Spielanalyse legt sich der Trainer des Zweitligisten FSV Frankfurt dann die DVD der letzten Partie ein. Das ist nicht immer spaßig.
Schon gar nicht gestern Abend auf der Heimfahrt von Fürth nach Bornheim. Auf seinem Laptop zog sich der unter Druck geratene Chefcoach die 0:4-Pleite vom Sonntag noch einmal rein. Ob ihm die Wiederholung körperliche Schmerzen bereitete, ist nicht überliefert. Es gehört aber wenig Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass ihm auch beim zweiten Hinsehen nicht gefiel, was er sah.
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Der FSV, so deutlich muss man das formulieren, ließ sich beim Tabellendritten vorführen. In der zweiten Hälfte stellten die Berufsfußballer in den schwarz-blauen Trikots die Arbeit ein. „Ich kann mich nicht erinnern, dass Torwart Max Grün in der zweiten Halbzeit mal den Ball in der Hand hatte“, sagte der beim FSV für den Sport verantwortliche Geschäftsführer Uwe Stöver: „Das war desolat in der zweiten Halbzeit.“ Auf der Haupttribüne der Fürther Arena verfolgten seine Kollegen Clemens Krüger und Jens-Uwe Münker mit versteinerten Mienen das schaurige Tun auf dem Rasen. Nicht minder erschrocken wirkten Präsident Julius Rosenthal und seine Vertreter Wolfgang Kurka und Walter Schimmel. Fassungslos, ernüchtert – „das tut schon weh“, sagte Stöver.
Benyamina, der Chancentod
Dabei waren die Frankfurter mal wieder verheißungsvoll ins Spiel gestartet, kickten 40 Minuten gleichwertig. „Eigentlich erübrigt es sich, nach dem 0:4 und dem Eindruck der zweiten Halbzeit über die ersten 40 Minuten zu sprechen“, sagte Stöver. Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass der FSV zunächst die besseren Chancen herausspielte. Wieder einmal auf Augenhöhe mit einem Großen der Liga, wieder einmal verbaselten die Bornheimer Großchancen. Allen voran Karim Beyamina in der siebten Minute, als er aus fünf Metern frei stehend den Ball nicht unterbrachte. „Den muss er einfach machen“ (Stöver). Dafür werden Stürmer bezahlt. Eine klarere Möglichkeit gibt es nicht. Die zweite Großchance köpfte Gledson am Pfosten vorbei (17.). Stöver: „Im Training haut er die regelmäßig rein.“
Der restliche Spielfilm ist schnell erzählt. Wie gesagt, die ersten 40 Minuten waren ansehnlich. Dann folgte der erste und entscheidende Nackenschlag: Sercan Sararer stürmte über rechts, dokumentierte, warum der gelernte Angreifer Marcel Gaus auf der Position des linken Verteidigers fehlbesetzt ist und bediente mit einer Flanke den heranstürmenden Stephan Schröck, der zum 1:0 traf − Halbzeit.
Schlicht zum Wegschauen
Der FSV wäre besser in der Kabine geblieben. Das hätte den Schaden begrenzt und Boysens DVD wäre nun zu Ende. Was folgte, war schlicht zum Wegschauen. Björn Schlicke versuchte sich gegen Christopher Nöte als Klammeräffchen – den Foulelfmeter verwandelte Bernd Nehrig (47.). Sechs Minuten später bettelte Gledson nach überhartem Einsteigen gegen Stephan Fürstner um vorzeitiges Duschen und wurde vom Unparteiischen erhört. „Danach war es kein normales Spiel mehr. Fürth spielte sich in einen Rausch“, sagte Boysen vor der Busfahrt. „Da kommt am Ende ein Ergebnis heraus, dass uns alles andere als gut tut.“ Edgar Prib (57.) und Olivier Occean (72.) besorgten dem FSV den Rest.
Am Freitag muss der FSV am Bornheimer Hang gegen den SC Paderborn ran. „Bis dahin müssen wir wieder wettbewerbsfähig sein“, so Stöver und fügte an: „Da ist Psychologie gefragt.“
Ob der Therapeut weiterhin Boysen heißt, steht nicht zur Diskussion. „Er sitzt auch gegen Paderborn auf der Bank“, sicherte Stöver den Arbeitsplatz des Trainers. Auf die Frage, ob Boysen von der Mannschaft im Stich gelassen worden sei, sagte Stöver: „Wenn man die erste Halbzeit sieht, war die Mannschaft hochmotiviert.“ Stimmt. Und was ist mit den zweiten 45 Minuten?
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