Gleich an seinem ersten Arbeitstag als Trainer des schwer in den Seilen hängenden Zweitligisten FSV Frankfurt ist Benno Möhlmann allen Ernstes gefragt worden, ob er nicht so langsam daran denke, in den Ruhestand zu gehen. Schließlich werde er im kommenden Sommer ja schon 58 Jahre alt. Da ging ein Raunen durch den pickepacke voll besetzten Presseraum am Bornheimer Hang. Es war ja auch eine recht merkwürdige Frage, und Möhlmann schaute ein klein wenig irritiert, konterte dann aber geschickt: „Sie sind ja noch etwas jünger, Sie werden sehen, dass im Laufe der Jahre das Feuer mehr und mehr in einem brennt. Aber ich verspreche Ihnen, wenn ich mit dem FSV deutscher Meister werde, dann höre ich auf.“ Hört sich nach einem verdammt langen Berufsleben an.
Benno Möhlmann hat sich gut präsentiert während seiner Vorstellung in Frankfurt-Bornheim, aber etwas anderes war nicht zu erwarten. Der in Bremen-Oberneuland lebende Niedersachse ist ein alter Hase. Er weiß, wie das Geschäft läuft, er kennt es aus dem Effeff. Möhlmann bringt einen gewaltigen Erfahrungsschatz ein, er war in 136 Erstligapartien und 384 Zweitligaspielen verantwortlicher Chefcoach. So viele Begegnungen hat kein anderer aktueller Trainer in der zweithöchsten Spielklasse auf dem Buckel. Genau diese Routine ließ den im November in Ingolstadt geschassten Fußballlehrer auf der Liste des FSV an Position eins rutschen. „Er war unser Wunschkandidat“, sagte der Frankfurter Sportchef Uwe Stöver. „Und er war unser einziger Kandidat.“
Am Samstag, unmittelbar nach der Trennung von Möhlmann-Vorgänger Hans-Jürgen Boysen, nahm Stöver telefonisch Kontakt auf. Anderntags gab es das erste zweieinhalbstündige Treffen mit der gesamten FSV-Geschäftsführung. Und wieder zwei Tage später, am Dienstag um 13.40 Uhr, hielten die Verantwortlichen das unterschriebene Arbeitspapier in den Händen, das bei Klassenerhalt bis 2013 läuft.
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Möhlmann hat nicht lange überlegen müssen, als Stöver ihn anfunkte. Er spürte, dass das Kribbeln schlagartig zurückkehrte − und verschaffte sich in einem Crashkurs einen Überblick über seinen neuen Arbeitgeber. „Die Spieler haben nicht den körperlichen Ausdruck auf den Platz gebracht“, erkannte der neue Hoffnungsträger. Er ist aber der festen Überzeugung: „Sie sind besser, als sie sich in den vergangenen Monaten präsentiert haben.“
Hilfe vom Nachbarn Eintracht?
Natürlich fehlt es einer Mannschaft, die mitten im Abstiegskampf steckt und die im ganzen Jahr 2011 nur vier Spiele gewonnen hat, an Selbstbewusstsein. „Wir müssen ein Einheit werden, wir müssen eine Atmosphäre schaffen, in der wir uns wohlfühlen und uns gegenseitig vertrauen“, sagte Möhlmann. Er wird viele Gespräche führen, will ausloten, was nicht gepasst und warum es nicht funktioniert hat. Natürlich wird er auch auf die Personalpolitik im Winter noch Einfluss nehmen. Ein bis zwei Spieler werden noch anheuern beim Frankfurter Stadtteilklub, das Interesse an Stürmer Michael Thurk ist ungebrochen. Womöglich wird gar ein Spieler vom großen Nachbarn kommen. Möhlmann ist gut bekannt mit Heribert Bruchhagen, dem Vorstandschef der Frankfurter Eintracht. Die sucht dringend Abnehmer für einige Profis.
Möhlmann weiß, dass der FSV kein Zuschauermagnet ist, keine große Nummer im deutschen Profifußball, aber das störe ihn nicht. „Der FSV ist kein Weltverein, aber als ich etwa in Fürth anfing vor 14 Jahren, war die Situation noch schlechter.“ Ein Weltverein sind die Greuther zwar nicht ganz geworden, doch sie hämmern mal wieder vernehmlich ans Tor zur Bundesliga. Das ist ja auch nicht so schlecht.
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