Mike Wunderlich, 25, musste sich vor Beginn dieser Runde eine Auszeit nehmen. Der Mittelfeldspieler des FSV Frankfurt war ausgebrannt, fühlte sich ausgelaugt und antriebslos. Die Diagnose: Burn-out. In Absprache mit den Verantwortlichen des Zweitligisten entschied er sich, zur Familie nach Köln zurückzukehren und beim Fünftligisten Viktoria auszuhelfen. Nun, nach einem halben Jahr, fühlt sich der Senkrechtstarter der abgelaufenen Spielzeit wieder stark genug, um beim FSV neu anzugreifen. Und der Druck im Abstiegskampf? „Macht mir nichts aus.“
Herr Wunderlich, Sie haben sich das letzte Spiel Ihrer neuen und alten Kameraden am Bornheimer Hang live vor Ort angesehen (0:2 gegen Bochum). Ist es Ihnen angst und bange geworden?
Ach was. Die Mannschaft ist verunsichert, das hat man gesehen. Aber so schlimm fand ich das Spiel nicht. Ich denke, dass wir im neuen Jahr was bewegen können.
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Der bisherige Assistenzcoach Gerhard Kleppinger wird beim abstiegsbedrohten Fußball-Zweitligisten FSV Frankfurt nicht unter dem neuen Trainer Benno Möhlmann arbeiten. Der frühere Bundesligaprofi, der seit Juli 2009 bei den Hessen beschäftigt war, verlässt den Klub. „Ich habe sehr gerne für den FSV Frankfurt gearbeitet, die Teamarbeit hat hervorragend funktioniert. Dass sich die Wege nach einer gewissen Zeit trennen, ist im Fußballgeschäft gang und gäbe“, sagte der 53-Jährige. FSV-Sportgeschäftsführer Uwe Stöver bedankte sich bei Kleppinger, ließ die Frage nach dem künftigen Assistenten aber offen. In Ingolstadt hatte Möhlmann zuletzt mit dem ehemaligen Profi Sven Kmetsch zusammengearbeitet. (sid)
Nach einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK war 2010 nahezu jeder zehnte Ausfalltag im Beruf auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen. Die Krankheitstage wegen Burn-out stiegen zwischen 2004 und 2010 um fast das Neunfache. Der Zustand physischer und psychischer Erschöpfung wird von den Ärzten nicht als eigenständige Erkrankung diagnostiziert, aber zunehmend als Zusatzinformation angegeben. Von mehr als 34 Millionen gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten in Deutschland waren 2010 knapp 100000 wegen eines Burn-out-Syndroms krankgeschrieben.
Sie werden im Fokus stehen, auf Ihnen werden viele Erwartungen lasten. Ist Ihnen das bewusst?
Ja, aber ich bin gesund. Mir geht es wieder gut. Ich bin bereit und möchte dem FSV helfen, da unten rauszukommen. Ich wollte unbedingt in den Profifußball zurück. Aber ich muss auch sagen, dass ich Viktoria Köln mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlasse. Denn dort habe ich zu alter Stärke zurückgefunden, ich war Kapitän, habe 15 Tore gemacht. Wir sind Tabellenführer mit zwölf Punkten Vorsprung. Okay, das werden wir Jungs jetzt auch ohne mich schaffen.
Wie war das auf dem Fußballplatz in der Oberliga? Gab es da Sprüche, Provokationen, die auf Ihre Erkrankung abzielten?
Und ob. Da waren Dinger dabei, die gingen unter die Gürtellinie, die möchte ich nicht wiederholen. Ein paar Sprüche sind normal, aber da waren Sätze dabei, die gehören da nicht hin. Aber diesen Leuten ist nicht zu helfen. Und ich bin klargekommen.
Haben Sie damals überlegt, mit dem Fußball ganz aufzuhören?
Um Gottes willen, nein. Nie. Ohne Fußball wäre ich kaputtgegangen.
Sind Sie noch in Behandlung?
Schon längere Zeit nicht mehr. Ich war in den ersten zwei, drei Monaten regelmäßig zu Gesprächen. Jetzt ist alles wie früher.
Wie haben Sie gemerkt, dass Sie Hilfe brauchen?
Ich habe gespürt, dass ich zu nichts mehr Lust hatte, ich konnte mich an nichts mehr erfreuen. Da wusste ich, dass irgendwas nicht mit mir stimmt. Irgendwas war vom Kopf her nicht mehr okay.
Hört sich für den Laien nach einer Depression an.
Es war ein Erschöpfungssyndrom, aber es ging auch in die Richtung Depression. Ich hatte zwar keine Selbstmordgedanken, aber vielleicht war ich auf dem Weg da hin. Ich bin aber offen damit umgegangen und habe, bis auf diese dummen Sprüche auf dem Fußballplatz, nur positive Rückmeldungen erhalten.
Wem haben Sie sich anvertraut?
Mein Vater (Franz Wunderlich, Manager bei Viktoria Köln; Anm. d. Red.) war der Erste, dem ich davon erzählt habe. Er wusste genau, wovon ich rede.
Wieso das?
Er war auch betroffen von dieser Krankheit. Vor ungefähr zwei Jahren waren bei ihm die gleichen Symptome aufgetreten, aber ihn hatte es weitaus schlimmer erwischt. Er lag 16 Monate in einer Privatklinik, ist da intensiv behandelt und betreut worden. Wenn also einer weiß, was mit mir los war, dann mein Vater. Er hat mir sehr geholfen und viele Ratschläge geben können. Im Übrigen ist es ohnehin so, dass nur Leute nachvollziehen können, was in einem vorgeht, die selbst betroffen sind oder waren.
Sie wohnen weiterhin in Köln und pendeln nach Frankfurt. Das kann doch kein Zukunftsmodell sein.
Mal sehen. Wir versuchen das jetzt erst mal so. Ich fühle mich wohler, wenn ich in meinem vertrauten Umfeld sein kann. Ich brauche mit dem ICE 45 Minuten, das ist ja keine Zeit. Und wenn es mal später werden sollte, kann ich hier im Hotel bleiben oder bei meinen Mannschaftskollegen. Die haben mir schon angeboten, bei ihnen unterzuschlüpfen.
Das Gespräch führte Ingo Durstewitz.
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