Wer auf dem Drahtseil balanciert, ohne Netz und doppelten Boden, der ist darauf bedacht, nur ja keinen falschen Schritt zu machen, der versucht, das Risiko zu minimieren. So oder so ähnlich kann man sich auch die Situation beim FSV Frankfurt vorstellen, der ziemlich angeknockt mit dem Rücken zur Wand steht. Bei der Suche nach einem Trainer ging der Traditionsklub aus dem Frankfurter Stadtteil Bornheim den sicheren Weg, nicht den mutigen und waghalsigen. Also heißt der Nachfolger des glücklosen Hans-Jürgen Boysen nicht Peter Hyballa, sondern Benno Möhlmann. Das klingt nicht nach Abenteuer oder Revolution, nicht nach Spektakel und Wildwestfußball. Eher nach Schweiß, Maloche, Kärrnerarbeit, nach Organisation, Verlässlichkeit und Solidität.
Ein Typ wie Funkel
Das mag nicht aufregend sein, aber es ist nachvollziehbar, Möhlmann ist sehr wahrscheinlich genau das, was der aus dem Tritt geratene FSV Frankfurt braucht. Keinen Zauberer, keinen Fußball-Erfinder, sondern einen Arbeiter à la Friedhelm Funkel, der die Liga wie seine Westentasche kennt. Möhlmann hat bewiesen, dass er sich auskennt im Fußballunterhaus, er hat den FC Ingolstadt in der vergangenen Saison aus einer nahezu aussichtslos scheinenden Situation noch ans rettende Ufer geführt. Möhlmann weiß, wie es geht, ihm nehmen die Spieler ab, was er sagt. Ob das reicht, um die Mission in Frankfurt zu einem guten Ende zu führen, steht indes in den Sternen.
Verunsicherte Mannschaft
Denn auf den alten Fahrensmann wartet zwar kein sportliches Himmelfahrtskommando, aber doch eine heikle Aufgabe: Die Mannschaft ist kolossal verunsichert und chronisch erfolglos. Es ist zweifelhaft, ob sie qualitativ stark genug besetzt ist, um über dem Strich zu landen. Es sind ohnehin nur noch fünf Klubs im Schneckenrennen am Tabellenende dabei − mindestens zwei werden auf der Strecke bleiben. Für den FSV steht einiges auf dem Spiel. Denn sollte die zweite Kraft im Frankfurter Profifußball im Sommer absteigen, wären viele Anstrengungen für die Katz: Gerade dann, wenn das neue Stadion komplett fertig wird, in die dritte Liga zu müssen, wäre ein Schlag ins Kontor, von dem sich der ohnehin wenig beachtete Verein nur schwerlich erholen würde.
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