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Mission Teambau: Eine enge Kiste

Der FSV bastelt an einem schlagkräftigen Team, zu dem überraschenderweise auch Jutae Yun gehören könnte. Dabei gibt der frischgebackene Coach unumwunden zu, noch nicht jeden Spieler perfekt einschätzen zu können.

        

Der große Gewinner von Mallorca:  Jutae Yun.
Der große Gewinner von Mallorca: Jutae Yun.
Foto: Hübner
Camp de Mar –  

. Benno Möhlmann ist beileibe kein zu Aktionismus neigender Trainer, der erst einmal alles umkrempelt, wenn er eine neue Aufgabe übernimmt. „Ich sehe mich zunächst in der Rolle des Beobachters“, sagt der Coach des FSV Frankfurt. Und der 57-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass er nach zweieinhalb Wochen Regentschaft „noch nicht jeden Spieler zu 100 Prozent einschätzen kann“. Dazu sei die Zeit zu knapp bemessen.

Möhlmann geht seine Mission beim FSV mit Bedacht an. Er wird ein paar Stellschrauben anziehen, aber nicht alles auseinanderschrauben. Bei der Kapitänsfrage neigt er dazu, die Binde an Samil Cinaz’ Arm zu belassen, nachdem Björn Schlicke das Amt unter Vorgänger Hans-Jürgen Boysen niederlegte. Möhlmann hält sich aber ein Hintertürchen offen. „Ich will noch eine Woche abwarten, ehe ich das endgültig entscheide. Dann werde ich mit beiden Spielern sprechen.“ Schlicke, das scheint relativ klar, stünde wieder zur Verfügung. Er ist für Möhlmann aber auch ohne die Binde ein wichtiger Führungsspieler.

Im Tor bleibt Patric Klandt die unumstrittene Nummer eins, obwohl Ersatzmann Michael Langer im Testspiel gegen Atletico Baleares überragend hielt. „Alles andere wäre ja albern“, sagte Möhlmann. Fürwahr gibt es keinen Grund, an Klandts Status zu rütteln. Auch die Innenverteidigung steht mit Björn Schlicke und Gledson, rechts hinten hat Alexander Huber wohl seinen Platz relativ sicher. Und für die linke Abwehrseite soll noch ein Spieler verpflichtet werden. Im Mittelfeld spricht zurzeit einiges für Chadli Amri, Cinaz (oder Yannick Stark), Zafer Yelen und Marcel Gaus. Gaus erhielt gar ein kleines Extralob von Möhlmann: „Er hat auf sich aufmerksam gemacht.“

Vorne hat Neuzugang Ilian Micanski seinen Platz erst mal sicher, aber wer soll neben ihm stürmen? Karim Benyamina sucht auch in der Wintervorbereitung noch verzweifelt seine Form – genauso wie Macauley Chrisantus. Momar N’Diaye hat sowieso niemand mehr so richtig auf der Rechnung. Vielleicht gibt es ja einen lachenden Dritten? Jutae Yun ist bisher der große Gewinner der Vorbereitungszeit. Der Südkoreaner wirbelt im Training nach Herzenslust, in den beiden Testspielen auf Mallorca gehörte er beide Mal zu den besten Spielern. Das ist auch Möhlmann nicht verborgen geblieben. „Er hinterlässt einen guten Eindruck.“ Dabei, das räumt der Chefcoach ein, habe er den 21-Jährigen gar nicht wirklich auf der Liste gehabt. „Aber ich könnte ihn jetzt bedenkenlos bringen.“ Yun sei ein feiner Kerl ohne Allüren. Natürlich habe er die Sprachbarriere noch immer nicht überwinden können, „aber ihm wird von der Mannschaft geholfen. Das ist sehr positiv.“

Konkurrenzkampf entbrannt

Sportchef Uwe Stöver verfolgt das Treiben auf dem Trainingsplatz mit Wohlwollen. Durch die Transfers von Amri und Micanski (beide auf Leihbasis aus Kaiserslautern) sei der Konkurrenzkampf neu entbrannt. „Da ist Bewegung reingekommen, jetzt müssen sich alle ein bisschen straffen.“

Trainer Möhlmann will in der Kürze der Zeit schon eine „Verbesserung im Auftreten“ festgestellt haben. „Ich habe die Gewissheit gewonnen, dass wir erfolgreich sein können. Die grundsätzliche Zweitligaqualität ist vorhanden.“ Aber der Weg bis zum großen Ziel ist ein weiter, es werde eine enge Kiste bis zum Schluss, zumal der Coach nicht vorherzusagen vermag, wie seine Spieler reagieren, wenn „die nervliche Belastung“ im Laufe der Saison und gerade auf den letzten Metern zunehmen wird. Auch die Rivalen im Abstiegskampf sind nicht untätig und werden noch aufrüsten. Möhlmann, im November in Ingolstadt entlassen, weiß nur zu gut, was etwa bei dem Konkurrenten aus Bayern möglich ist. „In Ingolstadt werden die Wünsche schon großzügiger erfüllt“, schmunzelt der Trainer. „Beim FSV wird enger gewirtschaftet.“

Deshalb laden die Frankfurter immer wieder mal Gastspieler ein, um deren Tauglichkeit zu prüfen – selbst wenn Möhlmann einräumt, dass solche Profis ja eher selten verpflichtet werden. „Aber wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, vielleicht einen übersehen zu haben.“ Bei den bisher getesteten Fußballern, das kann man leichterdings behaupten, dürfte das kaum der Fall sein.

Autor:  Ingo Durstewitz
Datum:  21 | 1 | 2012
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