Pünktlich zum Wochenbeginn schoben sich dunkle Wolken über Camp de Mar, dem jungen Örtchen im Südwesten der Baleareninsel Mallorca. Das Himmelblaue der Vortage war wie weggeblasen.
Am Mittag setzte dünner Regen ein. Elf Grad, frischer Wind.
Da schwatzte der im roten Jäckchen anfangs deutlich zu dünn angezogene FSV-Trainer Benno Möhlmann seinem Teammanager Mikayil Kabaca die dicke Daunenjacke mit modischem Fellkragen ab.
Eine Erkältung kann der neue Frankfurter Trainerfuchs in etwa so wenig gebrauchen wie der hessische Zweitligist drei Niederlagen zum Start ins neue Jahr. Beides gilt es partout zu verhindern.
Der neue Trainer kommt gut an
Was auffällt auf der schmucklosen Leichtathletikanlage in Magaluf: Es wird wieder gelacht und geflachst. Fast scheint es, als sei die Mannschaft mit der Trennung von Hans-Jürgen Boysen auch Ballast genommen. Sportchef Uwe Stöver ist der Stimmungsumschwung nicht verborgen geblieben, möchte ihn aber nicht überbewertet wissen.
In der wettkampffreien Zeit sei es keine Seltenheit, dass es ein wenig gelöster zugeht, zudem kam beim FSV ja auch die „Frustration des Ergebnisses“ hinzu. Will sagen: Wer dauernd verliert, hat nix zu lachen. Und doch ist der Sportchef von der Arbeit des neuen Trainers restlos überzeugt. „Ich bin sehr zufrieden mit ihm“, sagte Stöver. Die Arbeit auf dem Platz, die Gespräche im feudalen Mannschaftshotel abseits des Rasens – „das lässt sich sehr gut an“.
Möhlmann will mündige Spieler
Möhlmann ist in erster Linie als mentaler Aufbauarbeiter gefragt, das hat er in seinen ersten zwei Wochen als Chefcoach schnell festgestellt. „Die Psyche ist anfällig“, sagte er. Der 57-Jährige, der seine Spieler beim Vornamen ruft und siezt, lockert die Stimmung auch während der Einheiten mit ein paar Sprüchen immer wieder mal auf, er will aber nicht alles gutreden. „Ich werde auch Schlechtes deutlich ansprechen“, bekundete er.
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Möhlmann möchte keine tumben, engstirnigen Fußballprofis in seinen Reihen wissen, er möchte mündige Spieler, „die ihre Meinung sagen“.
Wer die Mannschaft in Zukunft führen soll, ist noch nicht sicher. Zuletzt trug Samil Cinaz für den vom Kapitänsamt zurückgetretenen Björn Schlicke die Binde, Möhlmann wird daran zunächst nichts ändern, behält sich aber Änderungen vor. „Zurzeit beobachte ich erst mal.“ Am liebsten wäre ihm ohnehin, wenn sich aus der Gruppe heraus ein Führungsgremium bilden würde, an dem sich die anderen orientieren könnten.
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